Nachgefragt bei Werner Ernst, Proalpha

In der Breite noch eine Vision

Interview mit Werner Ernst, Vorstand Technik bei der Proalpha Software AG

Werner Ernst, Proalpha

„Das Thema Sicherheit ist natürlich ein ganz zentrales, wenn es um die Vernetzung über das Internet geht“, weiß Werner Ernst, Vorstand Technik bei der Proalpha Software AG.

ITM: Herr Ernst, „Industrie 4.0“ war das Schlagwort auf der diesjährigen Hannover Messe. Laut einer VDE-Studie von Anfang April 2013 lässt „Industrie 4.0“ allerdings vorerst auf sich warten. Wie schätzen Sie die Lage ein? Ist eine „Integrated Industry“ noch eine Vision oder bereits Status quo?
Werner Ernst:
In der Breite ist dies sicherlich noch eine Vision, einzelne Unternehmen setzen sich aber bereits damit auseinander; das Interesse daran ist sehr hoch. Die Vernetzung eingebetteter ITK-Systeme untereinander und mit dem Internet gewinnt dabei immer höhere Bedeutung, dazu gibt es aber auch noch vieles zu standardisieren und zu erforschen. Will man die Produktionsanlagen mit dem Internet vernetzen, spielt das Thema Sicherheit eine zentrale Rolle. Die Standardisierung hilft dabei, Produkte und Dienste kostenerträglich zu entwickeln und anzubieten. Das braucht aber alles noch seine Zeit und wird den typischen Hypezyklus durchlaufen müssen.

ITM: Welches Potential bietet „Industrie 4.0“? Welche Ziele werden konkret damit verfolgt?
Ernst:
Die Ziele sind ja klar umschrieben: Wir wünschen uns eine stärkere Individualisierung unserer Produkte; dabei müssen wir immer schneller und flexibler unsere Produktionsprozesse und Maschinen anpassen. Die schnell fortschreitende Integration und Vernetzung mit Kunden und Geschäftspartnern macht vor der Fertigung nicht halt. Die Wertschöpfungsprozesse werden mehr und mehr vernetzt. Das alles hilft uns, gemeinsam die Wettbewerbsfähigkeit auch in Zukunft sicherzustellen.

ITM: Doch was sind die aktuellen Bremsklötze?
Ernst:
Ich sehe derzeit keine.

ITM: Welche Relevanz bringt „Industrie 4.0“ grundsätzlich für den MES-Markt mit sich?
Ernst:
Die Relevanz für den MES-Markt wird hoch sein; die MES-Systeme müssen sich genauso den Herausforderungen stellen wie alle in dieser Kette beteiligten Systeme – von der Unternehmensebene bis zur Prozessebene.

ITM: Mit welchem Aufwand ist die Umrüstung einer Produktionsanlage bzw. eines Produktionsplanungssystems auf „4.0“ verbunden? Und worauf müssen die Anwender achten?
Ernst:
Die Investitionen in die Produktionsanlagen werden natürlich deutlich höher sein als in das Planungssystem. Moderne ERP-Systeme sind heute schon serviceorientiert und nutzen ganzheitliche Planungsmechanismen wie die eines APS-Systems (Advanced Planning and Scheduling) und sind auf die Herausforderungen, die mit „Industrie 4.0“ kommen, bestens vorbereitet. Die Unternehmen müssen sich dabei verstärkt, wie auch bei der Einführung eines APS-Systems gefordert, mit organisatorischen Veränderungen auseinandersetzen. Für die Anbieter bedeutet dies, dass sie ihr Kompetenzspektrum deutlich erweitern müssen.

ITM: Wie kann eine durchgängige Integration des MES im Sinne von „4.0“ in die Unternehmens- und Produktionsprozesse gewährleistet werden? Wie gestaltet sich beispielsweise die Verknüpfung von MES und ERP?
Ernst:
Die einzelnen Ebenen der Automatisierungspyramide sind heute noch sehr stark voneinander getrennt, doch die Funktionen aus den einzelnen Schichten werden sich miteinander vernetzen. Das ERP-System wird zukünftig mehr Aufgaben der MES-Systeme übernehmen können. Wenn die Fertigungssysteme zukünftig mehr serviceorientiert strukturiert sind, kann man diese Services im ERP-System nutzen und muss nicht künstlich eine Zwischenebene einziehen. Die vorhandenen MES-Systeme werden diesem Trend folgen und somit eine flexible Integration in die ERP-Welt ermöglichen.

ITM: Welche Rolle spielt das Thema „Mobility“ bei dem Ganzen?
Ernst:
Mobilität spielt derzeit bereits eine große Rolle in der Industrie; sie wird dadurch weiter verstärkt und begünstigt – gerade auch durch die Service-Orientierung, denn offene Standards ermöglichen eine bessere Integration von mobilen Geräten in die Fertigung. Das Angebot an mobilen Apps wird dadurch stark zunehmen.

ITM: Wie kann bei der Vernetzung der gesamten Produktionsanlage mit dem Internet höchstmögliche Sicherheit gewährleistet werden?
Ernst:
Das Thema Sicherheit ist natürlich ein ganz zentrales, wenn es um die Vernetzung über das Internet geht, auch wenn man die Dienste seiner Produktionsanlage nicht im öffentlichen Netz verfügbar machen wird. In diesem Zusammenhang wird sicherlich noch viel Forschungsarbeit notwendig sein. Auch wird man dann immer zwischen Chance und Risiko abwägen müssen.

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok