Hybrid-Cloud-Strategie

In drei Schritten zur passenden Cloud-Lösung

Beim Aufbau hybrider Umgebungen ist Umsicht gefragt: Nicht jede IT-Ressource gehört in die Wolke und nicht jeder auf den ersten Blick günstige Cloud-Dienst eignet sich wirklich für den eigenen Bedarf. Wie können also IT-Verantwortliche „Rightsized Clouds“ planen, die wirklich zu den eigenen Geschäfts- und IT-Prioritäten passen?

Es ist so eine Sache mit den Hybrid Clouds: Theoretisch erleichtern sie das bedarfsgerechte Bereitstellen von IT-Ressourcen oder Diensten und erschließen so Kosten- und Flexibilitätsvorteile. Zudem ermöglichen sie auch Unternehmen ohne (oder nur mit kleiner) IT-Mannschaft den Betrieb bzw. die Nutzung komplexer IT-Lösungen.

Doch in der Praxis erschließen sich diese Vorteile nicht immer ohne Weiteres, weiß Jan Thielscher, IT-Infrastrukturexperte und Geschäftsführer des Cloud-Rating- und Cloud-Brokerage-Dienstleisters Ascamso: „Der Aufbau einer auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmten Hybrid Cloud ist alles andere als einfach. Gerade mittelständischen Unternehmen fehlt häufig das erforderliche Wissen über Spezifika und Stärken der einzelner Service-Provider.“

Viele Firmen bezahlen zu viel


Deshalb entstünden gerade bei Mittelständlern nicht selten überzogen leistungsstarke und teure Umgebungen. „Da werden Dienste gewählt, Dienstleister zu Ausschreibungen eingeladen und so weiter. Am Schluss erhält dann doch einer der großen Provider den Auftrag – und zwar für Dienste, die weit mehr leisten, als das Unternehmen eigentlich braucht.“

Das koste einzelne Firmen mehr, als sie eigentlich investieren müssten, führt Thielscher aus, und mache sie zudem von einem oder zwei Dienstleistern abhängig. „So bleiben die Versprechen des Hybrid-Cloud-Ansatzes unerfüllt. Wer einfach alle Dienste von einem Hyperscaler bezieht, schöpft typischerweise die Einsparmöglichkeiten nicht optimal aus. Zudem schaffen IaaS zwar eine gewisse Unabhängigkeit von der Rechenzentrums-IT. Doch wer einfache Dual-Sourcing-Strategien fährt, gerät stattdessen in eine neue Abhängigkeit von wenigen Großanbietern.“

Damit das nicht passiert, sollten IT-Verantwortliche beim Aufbau hybrider Umgebungen gezielt vorgehen und „Rightsized Clouds“ aufbauen, also hybride Umgebung, die Geschäfts- und IT-Bedürfnisse bestmöglich erfüllen. Dafür sind drei Schritte erforderlich:

1. „Cloud-Eignung“ von IT-Ressourcen prüfen

Welche Dienste haben hohe Geschäftsrelevanz? Welche eignen sich für die Cloud und welche nicht? Welche Daten können auf Cloud-Speichern gelagert werden? Arbeiten künftig alle Mitarbeiter mit Software aus der Cloud oder brauchen einige weiterhin On-Premise-Lizenzen?

2. „Hybrid-Potential“ cloud-geeigneter Ressourcen ermitteln

Dienste, die am stärksten von der Cloud profitieren und deren Umzug gleichzeitig wenige Risiken bergen, bieten sich für die Migration an. Um die Services mit dem höchsten Potential im IaaS-Bereich zu ermitteln, genügt in der Regel die Bewertung eines einzigen Kriteriums: Wie „unstet“ ist die Auslastung eines IT-Dienstes? Je volatiler die Auslastung, desto höher das Potential. Das Beispiel für solche Fälle: die Intra-Day-Volatilität bei E-Commerce-Diensten. Während morgens vor neun und nach zehn nachts kaum Last auf den Systemen ist, steigt diese am Spätnachmittag häufig auf ein Vielfaches. Durch dynamisches Auslagern lässt sich hier viel sparen.

3. Vor der Anmietung: Preis-Leistungs vergleichen

Nach dem Priorisieren der Verlagerungen beschreiben IT-Verantwortliche die Anforderungen an die Cloud-Services: Wie viel Leistung? Welche Verfügbarkeit? Welche Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz?

Entsprechende „Sourcing Policies“ können sie entweder von Hand erstellen und hoffen, dass sie erfüllt werden. Oder sie können auf Cloud-Procurement-Plattformen wie Ascamso zurückgreifen und die Policies aus Kriterienkatalogen zusammenstellen, die gleichzeitig als Filter zur Provider-Suche dienen. Vorteil dabei: Die Plattformen unterstützen nicht nur die Auftragsspezifikation, sondern ermöglichen zudem objektive Preis-Leistungs-Vergleiche. Jan Thielscher erklärt: „Die Plattformen vermessen die Leistungsfähigkeit von Cloud-Diensten per nachvollziehbaren, technischen Verfahren – fortlaufend und in Echtzeit. Dadurch vermitteln sie Einblicke in die Ist-Leistung von Diensten, die es so sonst meist nicht gibt.“ Denn Cloud-Service-Provider bepreisen ihre Dienste meist nach der Art der gemieteten Features und Mietzeit, geben aber keine Auskunft über die tatsächliche Leistung, Verfügbarkeit oder Sicherheit der vermieteten Ressourcen. Deshalb bleibt unklar, ob der gemietete virtuelle „8-Kern, 32-Gigabyte-RAM“-Server tatsächlich so schnell rechnet wie sein physikalisches Vorbild. Deshalb setzen die Cloud-Procurement-Plattformen die Preise ins Verhältnis zur tatsächlich gemessenen Ressourcen-Leistung.

Mit solchen Resultaten ausgerüstet, können IT-Verantwortliche Hybrid-Cloud-Umgebung planen, die sowohl Geschäfts-, IT- und Anwender-Ansprüchen genügen und dabei auch noch betriebswirtschaftlich optimal betrieben werden können. 

5 Prüfungsfragen: Welcher Dienst kann in die Wolke?

  • Welche strategische Bedeutung haben Dienst oder Ressource?
     Dienste, die z.B. für die Abgrenzung vom Wettbewerb oder für das Aufrechterhalten wettbewerbsrelevanter Kernfähigkeiten Bedeutung haben, eignen sich weniger für einen Umzug auf SaaS-, vielleicht aber für IaaS- oder PaaS-Angebote.
  • Welchen Anteil hat der Dienst an der operativen Leistungserbringung?
    Und wie lange kann die Wertschöpfung erfolgen, falls die Anwendung nicht zur Verfügung steht? – Beispiel: Steuerungslogik in der Fertigung sollte on-premise bleiben.
  • Verfügt die IT-Mannschaft über das notwendige Know-how für Entwicklung und Betrieb? 
    Hand aufs Herz: Können wir wirklich eine Big-Data-Analytics-Plattform betreiben? Wenn die Antwort „Nein“ oder auch nur „vielleicht“ heißt, ist SaaS die bessere Wahl.
  • Wie geschäfts- oder sicherheitskritisch sind die zu verlagernden Daten?
    Wie schnell können sie im Störungsfall wiederhergestellt werden? Wie steht es um den Datenschutz der Rechte Dritter? Wo die „Kritikalität“ von Daten ein Thema ist, nützen keine Patentrezepte: Ob und wie Daten in die Cloud können, hängt vom Einzelfall ab sowie von den Parametern „Bewertung der Kritikalität“, „Vertrauenswürdigkeit des ­Service-Poviders“ und „rechtliche Rahmenbedingungen“.  

    Quelle: Ascamso

 

 

 

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