ERP-Consulting

In Höhen und Tiefen gut beraten

Für Mittelständler geht es bei der Umsetzung von ERP-Projekten nicht nur um die Software, sondern auch um prozessuale Veränderungen. Wie erfahrene Berater den Mitarbeitern dabei helfen können und warum Branchen-Know-how hier essenziell ist, erklärt Eckhard Ulmer, Vorstand Beratung/Entwicklung/Services bei Ams.

Eckhard Ulmer, Ams.Solution AG

Wir stellen jedem Projekt eine besondere Einführungsmethodik mit einer Geschäftsprozessmodellierung (GPM) und Modellstudie voran. (Eckhard Ulmer, Ams.Solution AG)

ITM: Herr Ulmer, worin unterscheiden sich die Anforderungen, die ein ERP-System im Fertigungsumfeld mitbringen muss, von denen anderer Branchen und was macht insbesondere kleine Fertigungslosgrößen dabei so anspruchsvoll?
Eckhard Ulmer:
Eine – wenn nicht die – zentrale Anforderung an ERP-Software für Unternehmen der Losgröße 1+ (Einzelfertigung) ist die Funktionalität der „wachsenden Stückliste“. Anders als in der Serienfertigung ist bei der Auftragserteilung die endgültige Ausprägung des zu fertigenden Produkts in aller Regel nicht vollständig bekannt, denn im Fertigungsprozess ergeben sich stetig Anpassungen und Veränderungsbedarf. Ebenso entsteht häufig auf Kundenseite noch Änderungsbedarf. Deshalb müssen wichtige Wertschöpfungsprozesse wie Konstruktion, Beschaffung und Produktion zeitlich parallel zueinander stattfinden. Die wachsende Stückliste unseres ERP-Systems z.B. erlaubt es, die Beschaffungs- und Fertigungsabläufe zu einem Zeitpunkt zu starten, da die Konstruktion noch in vollem Gange ist. Denn nur auf diese Weise wird eine wirtschaftliche und termingerechte Projektabwicklung für unsere Kunden möglich.

ITM: Was zeichnet einen Berater aus, der im Bereich mittelständiger Fertiger unterwegs ist? Worauf sollten potenzielle Kunden hier achten?
Ulmer:
Die Kernkompetenz unserer Berater etwa ist ihre Branchenkenntnis. Dieses Branchen-Know-how haben sie in ihrer langjährigen Projekterfahrung in der Praxis erworben. Viele unserer Consultants waren zudem zuvor selbst in mittelständischen Unternehmen der Einzelfertigung tätig und kennen die Anforderungen unserer Interessenten und Anwender daher sehr genau.

In der Auswahlphase sollten Interessenten ihre Kernanforderungen gegenüber den ERP-Anbietern gezielt und klar formulieren und dabei auch das branchengängige Vokabular verwenden. Dann werden sich schnell diejenigen herauskristallisieren, die wissen, wovon die Rede ist. Beispiel: wachsende Stückliste.

 

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.


ITM: Wie können Anwender selbst aktiv dazu beitragen, dass ERP-Projekte nicht aus dem Ruder laufen und so Zeit und Geld verschlingen?
Ulmer:
Wir stellen jedem Projekt eine besondere Einführungsmethodik mit einer Geschäftsprozessmodellierung (GPM) und Modellstudie voran. Dieses spezialisierte Vorgehen dient dem Kennenlernen der Kundenprozesse und der Abstimmung dieser Prozesse mit den im ERP verankerten Standardprozessen. Wir wollen auf diese Weise rechtzeitig organisatorischen Veränderungsbedarf erkennen und notwendige Veränderungen frühzeitig einleiten. Wir sind immer bestrebt, unseren Software-Standard zu implementieren und keine weitreichenden Anpassungen vorzunehmen, damit die Projekte eben nicht aus dem Ruder laufen und die Release-Fähigkeit jederzeit erhalten bleibt. Natürlich sind kleinere Anpassungen möglich, geht es jedoch um essenzielle Prozesseingriffe, dann weisen wir deutlich auf die Konsequenzen und den steigenden Aufwand hin. Und wir fragen die Anwender, ob nicht kleinere Prozessumstellungen für sie denkbar wären. Unsere Software bietet die nötige Flexibilität, um diese Prozessumstellungen so gering wie möglich zu halten.

ITM: Wie sollten Berater verfahren, wenn sie merken, dass dennoch der Planungsrahmen für das ERP-Projekt nicht eingehalten werden kann?
Ulmer:
Um dies auf jeden Fall zu vermeiden, arbeiten wir mit einem externen Berater zusammen, der die Mitarbeiter und Projektbeteiligten in eintägigen Workshops gezielt auf die Projektherausforderungen vorbereitet. Dabei geht es explizit nicht um die Software-Funktionalitäten an sich, sondern um die weichen Faktoren, die ein Projekt bremsen oder beschleunigen können. Denn ein ERP-Projekt hat nicht nur etwas mit Geschäftsprozessen, IT und Organisationstrukturen zu tun, sondern in erster Linie mit den Menschen, die das Projekt umsetzen. Zudem hat es mit Führungskompetenz zu tun.

Ein ERP-Projekt ist immer auch ein Change-Prozess mit mehreren Phasen. Die Beteiligten durchleben Höhen und Tiefen – und vor allem mit Blick auf die Bewältigung der Tiefen sollten sie bestmöglich gerüstet sein.

Bildquelle: Eckhard Ulmer, Ams.Solution AG

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