Modern Workplace

Industrielle Revolution 4.0

Im Interview erklärt Torben Christiansen von Sennheiser Communications, was hinter der vierten Industriellen Revolution steckt und warum heutige Schulkinder morgen in Jobs arbeiten werden, die es bisher noch nicht gibt.

Torben Christiansen, Director of Technology Enterprise Solutions bei Sennheiser Communications

ITM: Herr Christiansen, viele Unternehmen glauben, ein „Modern Workspace“ sei gleichbedeutend mit einem „Digital Workspace“. Stimmen Sie dem zu und, wenn nicht, wo liegen die Unterschiede?

Torben Christiansen: Für mich gehört der „Digital Workspace“ eindeutig zum Konzept eines „Modern Workspace“ dazu. Der sogenannte „Digital Workspace“ trägt maßgeblich dazu bei, die menschlichen Fähigkeiten und damit auch die Leistung bei der täglichen Arbeit zu verbessern: Das bedeutet zum einen, dass die Digitalisierung des Arbeitsplatzes den Nutzer entlastet. Denn neue, intelligente Lösungen können Angestellten helfen, die Arbeit effizienter zu bewältigen – z.B., indem sie den Sprachzugriff auf Transkriptions-Software oder Buchungen unterstützen oder aber diese Aufgaben direkt übernehmen.

Die Digitalisierung des Arbeitsplatzes bietet aber noch viel mehr: Heute arbeiten viele Teams international. Das bedeutet, dass ein großer Bedarf an Zusammenarbeit über Grenzen und Zeitzonen hinweg besteht. Denn Brainstormings oder Diskussionen erfordern eine enge Zusammenarbeit der Teams. Hier bieten neue, digitale Office-Lösungen inzwischen eine Vielzahl an Möglichkeiten für Remote-Meetings. In sogenannten Huddlerooms, die zusätzlich mit Tools wie Whiteboards mit Content-Sharing-Funktion oder dem Zugriff auf Dokumenten-Clouds ausgestattet sind, kann das Remote-Arbeiten besonders effizient gestaltet werden.

Wie Sie sehen, unterstützt ein „Digital Workplace“ nicht nur bei alltäglichen Aufgaben, sondern eröffnet Mitarbeitern auch neue Möglichkeiten. Auf Produktebene ist es sogar möglich, die Lösungen exakt auf die Bedürfnisse des Einzelnen abzustimmen – von der Lärmunterdrückung in Großraumbüros bis hin zum Monitoring des Stressniveaus. Was wir dabei jedoch immer im Hinterkopf behalten müssen, ist, dass wir uns momentan mitten in der vierten Industriellen Revolution befinden und sich die Arbeitsbedingungen schnell ändern: Prognosen sagen voraus, dass die meisten Schulkinder wahrscheinlich bereits in Berufen arbeiten werden, die heute noch nicht erfunden sind. Darauf müssen wir vorbereitet sein.

ITM: Weshalb kann es für Unternehmen langfristig geschäftsschädigend sein, an zu starren und alten Arbeitsplatzmodellen festzuhalten?
Christiansen:
Wir sehen heute einen klaren Trend: Arbeitsplätze werden immer flexibler und Mitarbeiter gleichzeitig immer mobiler. 17 Prozent der Arbeitnehmer haben inzwischen keinen festen Arbeitsplatz mehr und arbeiten häufig oder immer remote.

Viele Menschen arbeiten nicht mehr ausschließlich im Büro - auch die eigene Wohnung, Cafés oder Zug und Auto können zu potenziellen Arbeitsumgebungen werden. Dieses Verschmelzen von Arbeit und Privatleben bringt viele Vorteile mit sich. Da Mitarbeiter jederzeit, von überall und generell flexibler arbeiten können, haben sie viel bessere Möglichkeiten, ihre Arbeit an persönliche und familiäre Verpflichtungen anzupassen.

Prognosen sagen voraus, dass bis 2022 weltweit 42,5 Prozent der Angestellten mobil sein wird. Das bedeutet, dass Remote Arbeit nicht nur als Zusatznutzen wahrgenommen wird, sondern als Standard. Schon bald werden Unternehmen eine neue Generation von Arbeitnehmern begrüßen ­ die App-Generation. Diese besonders technisch versierten Mitarbeiter, die keine Welt ohne Smartphones oder Internet kennen, werden sicherlich sogar noch höhere Erwartungen an den flexiblen Einsatz von Technologie am Arbeitsplatz stellen.

Deshalb müssen Unternehmen aktiv entscheiden, welche Dienstleistungen sie unterstützen und sicherstellen, dass sie diese Bedürfnisse mit den richtigen Lösungen befriedigen können. Andernfalls werden sie Probleme haben, als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden und junge, hochqualifizierte Mitarbeiter zu halten. Da sie nicht viele Möglichkeiten zur Verbesserung von Arbeitsabläufen und Teamarbeit haben, wird es Ihnen auch schwerer fallen, sich weiterzuentwickeln.

ITM: Welche Vorteile kann remotes Arbeiten mit sich bringen? Sehen Sie auch Nachteile?
Christiansen:
Der Arbeitnehmer von heute will die Freiheit, flexibel zu arbeiten. Diese neue Freiheit bringt aber auch neue Herausforderungen mit sich: Einigen Mitarbeitern fällt es schwer, Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem zu ziehen. Andere dagegen befürchten, das „Gefühl“ für Stimmung und Intention ihrer Kollegen zu verlieren, wenn sie nicht persönlich mit ihnen sprechen können. Deshalb sind wir bei Sennheiser bestrebt, Lösungen zu entwickeln, die dem Face-to-Face-Erlebnis möglichst nahekommen, z.B. durch Super-Breitband und Ultra-Rauschunterdrückung.

Egal wo Menschen arbeiten – ob remote oder nicht: Laute Umgebungsgeräusche erschweren das Arbeiten erheblich. Laut Ergebnissen unserer neuesten Studie „The way we work 2019“ hören auch aus diesem Grund heute rund 27 Prozent der Büroangestellten Musik, um sich besser konzentrieren zu können. Ein modernes Headset sollte daher nicht nur ausgezeichnete Gesprächsqualität, sondern auch ein gutes Audioerlebnis bieten, sodass Nutzer von überall zu ihrem eigenen Soundtrack arbeiten können – ob im Zug, am Flughafen oder in den klassischen Büroräumen.

ITM: Videokonferenzen erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Welche Vorteile (z.B. Transparenz, Nachhaltigkeit etc.) bringen sie mit sich?
Christiansen:
Da Unternehmen mehr und mehr auf Zusammenarbeit setzen, verändert sich auch die Art und Weise, wie sich Mitarbeiter treffen, wie Besprechungsräume gestaltet sind und welche Technologie verwendet wird. Wir bei Sennheiser sind davon überzeugt, dass virtuelle Zusammenarbeit inzwischen unerlässlich ist, um gute Beziehungen zu Kollegen und Geschäftspartnern aufzubauen - auch wenn sie Tausende von Kilometern entfernt arbeiten. Die physischen Veränderungen in den Besprechungsräumen, wie z.B. der Trend zu sogenannten  „Huddle Rooms“, gehen vor allem auf die Initiative von Führungskräften zurück, die Kommunikation zwischen Mitarbeitern fördern wollen. Insgesamt sind Arbeitsbereiche inzwischen viel stärker auf eine verbesserte Kommunikation ausgerichtet: Meetings werden nicht nur häufiger abgehalten, sie sind tendenziell auch kürzer, weniger strukturiert und intuitiver. Parallel dazu verändern sich auch die Meeting-Technologien – hin zu Kollaborationslösungen aus einer Hand.

Insbesondere Videokonferenzen ermöglichen es Mitarbeitern, ein besseres Gefühl für die Stimmung und die Intention ihrer Kollegen, Partner oder Kunden zu bekommen. Das erleichtert nicht nur die Kommunikation, sondern verbessert auch die Arbeit im Team, schafft ein Gefühl wie „vor Ort“ zu sein und macht die Kommunikation intuitiver. Mit Konferenzlösungen, wie z.B. der neuen Freisprecheinrichtung SP 30T, können Mitarbeiter Geräte ganz nach ihren Bedürfnissen nutzen – egal, ob für persönliche Telefonate oder kleine und mittlere Konferenzen. Darüber hinaus fördert auch die Integration von Microsoft Teams diese Idee eines intuitiven und schlanken Arbeitsplatzes. Das steigert nicht nur die Effizienz und fördert die Zusammenarbeit, sondern ermöglicht auch Innovationen.

ITM: Ein gängiges Vorurteil ist, dass Arbeitnehmer durch zu viel moderne Technologie den sozialen Kontakt zu ihren Kollegen verlieren und eine Art „Digitalstress“ entwickeln. Wie bewerten Sie dies? Und wie lässt sich das verhindern?
Christiansen:
Einige der größten Herausforderungen von offenen Büroumgebungen sind der Lärmpegel und die fehlende Privatsphäre. Offene Büros können das Arbeitsumfeld in eine unangenehme Mischung aus Geplapper und lautem Tippen verwandeln. Dieser hohe Geräuschpegel sowie zahlreiche Unterbrechungen erschweren die Konzentration erheblich. Headsets bieten hier eine optimale Lösung, um die Konzentration zu steigern und Stress abzubauen und so letztlich das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu optimieren.

Der Stress, der durch Technologien verursacht wird, ist aus unserer Sicht größtenteils auf Kontrollverlust zurückzuführen. Mit unseren Headsets wollen wir genau das verhindern: Wir versuchen das System so gut wie möglich an die jeweiligen Arbeitsbedingungen anzupassen – ohne dass der Benutzer in irgendeiner Weise eingreifen muss. Das funktioniert inzwischen so reibungslos im Hintergrund, dass die Nutzer nicht einmal merken, dass das System für sie arbeitet. Dies gilt auch für den Fall, wenn man seine Kollegen hören möchte – etwa, um sich nicht isoliert zu fühlen.

Nicht nur heute, sondern auch in Zukunft halten wir die Endnutzer im Fokus und arbeiten an Lösungen, die, anstatt Mitarbeiter zu ersetzen und die Kontrolle zu übernehmen, ihre Fähigkeiten vielmehr erweitern und ihre Leistung verbessern. Ein Beispiel dafür sind Headsets mit Active Noise Cancelling (ANC), die konzentriertes Arbeiten auch in lauten Umgebungen ermöglichen. Darüber hinaus zeichnet sich ab, dass in naher Zukunft intelligente Headset-Sensoren nicht nur in der Lage sein werden, zu messen, wie viel Lärm in der Umgebung vorhanden ist. Sie werden Daten aus verschiedensten Quellen verarbeiten können und Mitarbeiter informieren, sobald der Stresspegel zu hoch wird. Auf diese Weise hat der Nutzer die Möglichkeit, aktiv zu werden, bevor Stresssituationen dauerhaft werden, was sich wiederum nachhaltig auf die Arbeitszufriedenheit und allgemeine Gesundheit auswirkt.

Aber: Selbst die richtige Audiotechnologie funktioniert nicht isoliert. Letztendlich liegt es auch am Arbeitgeber, der in der Verantwortung steht, den gesamten Arbeitsplatz zu betrachten und sicherzustellen, dass den Mitarbeitern das bestmögliche Arbeitsumfeld geboten wird.

Bildquelle: Sennheiser

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