MES-Integration: Interview mit Winfried Stahl, Yaveon

Integrierte MES-Systeme im ERP-Umfeld

Warum mittelständische Unternehmen auf ein integriertes Manufacturing Execution System setzen sollten und welche Funktionalitäten häufig bereits in einem umfangreichen ERP-System enthalten sind, erklärt Winfried Stahl, Leiter Presales bei der Yaveon AG

Winfried Stahl, Leiter Presales bei der Yaveon AG

ITM: Herr Stahl, welche Rolle spielt ein MES Ihrer Meinung nach bei der Entwicklung von „Industrie 4.0“?
Winfried Stahl:
Industrie 4.0 wird seine Entwicklung unter anderen im  Sinne der Vernetzung von Daten aus verschiedenen Systemen nehmen. Gerade auf der Ebene MES kommt es hier zu unterschiedlichsten Datenquellen und unterschiedlichen Datenmodellen für die es eine brauchbare Weiterverarbeitung geben muss.

ITM: Welche Funktionen sollten in einem MES vorhanden sein?
Stahl
: Wichtig sind alle Bereiche, die mir die genauen Bedingungen in der Produktion ermitteln bzw. für die Planung zur Verfügung stellen:

  • Personal- und Maschinenzeiten sowie Kapazitäten
  • Abfüll- und Wiegevorgänge
  • Ansteuerung und Rückmeldung von Produktions- und Verpackungsanlagen
  • LIMS-Geräte
  • Instandhaltungssysteme

ITM: Welche Faktoren erschweren die Einführung eines MES in  mittelständischen Betrieben? Was gilt es zu beachten?
Stahl:
Da es sich bei den Spezialsystemen immer wieder um unterschiedliche Datenstrukturen handelt, sind Komplexität von Schnittstellen bzw. unterschiedlichen Dienstleister ein wichtiger Faktor bei der Einführung. Damit verbunden sind steigende Kosten und die Vorhaltung von internem Know-how.

ITM: Lässt sich ihrer Meinung nach ein MES als eigenständiges System oder als eine Erweiterung eines bestehenden ERP-Systems betrachten?
Stahl:
Aufgrund der oben aufgeführten Stichpunkte sind MES-Systeme im Mittelstand nur als integrierte Systeme im ERP-Umfeld mit vertretbarer Kosten/Nutzen-Relation einzuführen. Es gibt dann keine doppelte Datenhaltung, es sind keine Schnittstellen nötig und viele der zukunftsfähigen Erweiterungen werden gerade von den ERP-Anbietern schon bestens gelöst.

ITM: Für wen ist ein MES überhaupt notwendig bzw. gewinnbringend?
Stahl:
Für Unternehmen bei denen der Herstellungsprozess den maßgeblichen Teil der Wertschöpfung darstellt und sich dieser auch sinnvoll automatisieren lässt.

ITM: Ist ein Produktionsbetrieb mit einem reinen betriebswirtschaftlichen System überhaupt noch möglich?
Stahl:
Heutzutage handelt es sich bei den branchenorientierten ERP-Anbietern gerade im Mittelstand nicht mehr um ein ERP in einem betriebswirtschaftlichen Sinne. Vielmehr muss der ERP-Begriff als die konsequente Harmonisierung von Wertefluss, Warenfluss und Datenströmen gesehen werden. Zahlreiche Beispiele belegen wie die oben genannten Funktionalitäten der MES in ERP integriert sind. In jedem Fall empfehlen wir Anwendern zunächst nach integrierten Lösungen zu suchen und erst dann Spezialsysteme außerhalb anzubinden. So vermeiden sie unnötige Doppelinvestitionen. Vor kurzem waren wir bei einem Kunden, der sich ein MES-System angeschafft hatte und nun nach einer Finanzbuchhaltung suchte. Als er sah, was er mit der ERP-Branchenlösung von Anfang an mitgeliefert bekommt, war das Erstaunen groß.

ITM: Inwieweit kann sich ein MES an die zunehmende Nutzung mobiler Geräte anpassen?
Stahl:
In ERP integrierte Systeme bieten das allesamt an.

ITM: Gerade diese Geräte erfordern eine Echtzeitdatenerfassung, wie lässt sich diese umsetzten?
Stahl:
Es hängt jeweils vom Anwendungsfall ab, ob die Datenerfassung gepuffert sein soll, was Übertragungssicherheit und Fehlerminimierung ermöglicht, oder eine direkte Datenübergabe an das System gewährleistet sein muss.

ITM: Wie wird sich die Rolle des Produktplaners zukünftig bei einem vollautomatisierten Betrieb verändern?
Stahl:
Automatisierte Prozesse bleiben abhängig von den letztlich aus Marktanforderungen gegebenen Schwankungen in der Produktion.

ITM: Klassische MES sind darauf ausgelegt innerhalb eines lokalen Netzwerks einer Fertigung zu laufen, immer häufiger müssen Daten standortübergreifend ausgetauscht werden, wie lässt sich dies realisieren?
Stahl:
Auch hier gilt dass in ERP integrierte MES-Systeme dies von Haus aus mitbringen. Z.B. kann unser Kunde Ayanda eine Waage in Deutschland direkt aus Norwegen ansteuern.

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