Mittelständler scheuen den Umstieg

IP-Telefonie mit schlechter Sprachqualität?

Im Interview erklärt Regina Dettmer, Marketing-Managerin bei Auerswald, warum viele Mittelständler mit dem Umstieg auf All-IP noch zögern: „Bei manchen spielt sicher grundsätzliche Scheu vor einem Technologiewechsel eine Rolle – speziell dann, wenn die bestehende Kommunikationslösung noch voll funktionsfähig ist.“ Darüber hinaus gebe es Sicherheitsbedenken sowie die Befürchtung, dass bei Nutzung der IP-Telefonie mit schlechterer Sprachqualität zu rechnen sei.

Regina Dettmer, Auerswald

„Generell sollte die All-IP-Umstellung nicht als Bedrohung, sondern als Chance verstanden werden“, meint Regina Dettmer von Auerswald.

ITM: Frau Dettmer, welche Chancen bietet der Übergang von ISDN zu All-IP für den deutschen Mittelstand?
Regina Dettmer:
Der Übergang zu All-IP ist von enormer Bedeutung und erschließt auch dem Mittelstand ganz neue Möglichkeiten. Denn auch in mittelständischen Unternehmen entscheidet nicht zuletzt die Kommunikation darüber, ob geschäftliche Prozesse erfolgreich abgewickelt werden können. All-IP wird hier künftig eine Schlüsselstellung einnehmen. Es erleichtert den Arbeitsalltag und beschleunigt interne wie externe Kommunikationsabläufe. Alle bekannten Kommunikationsdienste wie Telefon, E-Mail, Instant Messaging, Videokonferenzen oder standortübergreifendes Präsenzmanagement lassen sich künftig über ein gemeinsames Netzwerk integrieren. Das steigert die Effektivität und reduziert zugleich den Administrationsaufwand.

ITM: Inwieweit haben Mittelständler das Thema „All-IP“ überhaupt auf dem Schirm und sind sich über dessen Bedeutung bewusst?
Dettmer:
Der Großteil der Betriebe verdrängt das Thema nach wie vor und verzögert dadurch die IP-Migration. Dabei ist klar: ISDN und Analogtelefonie sind nur noch bis Ende 2018 verfügbar, bei Anbietern wie Vodafone und EWE Tel vielleicht noch bis maximal 2022. Spätestens dann ist Schluss.

ITM: Wie weit ist die Umstellung auf All-IP konkret im Mittelstand vorangeschritten?
Dettmer:
Stand heute hat erst gut ein Viertel der mittelständischen Unternehmen auf IP-basierte Telefonie umgestellt. Laut Aussage der Deutschen Telekom steht die All-IP-Migration aktuell noch bei mehr als 20 Millionen Anschlüssen aus.

ITM: Was hält das eine oder andere Unternehmen noch davon ab, auf All-IP umzusteigen?
Dettmer:
Bei manchen spielt sicher grundsätzliche Scheu vor einem Technologiewechsel eine Rolle – speziell dann, wenn die bestehende Kommunikationslösung noch voll funktionsfähig ist und sich über Jahre hinweg bewährt hat. Darüber hinaus gibt es Sicherheitsbedenken sowie die Befürchtung, dass bei Nutzung der IP-Telefonie mit schlechterer Sprachqualität zu rechnen ist. Ein weiterer Faktor dürfte aber auch mangelndes Wissen über die Vorzüge IP-basierter Kommunikationslösungen sein.

ITM: Welche Anforderungen müssen für einen Umstieg auf All-IP zunächst erfüllt sein? Was gilt es bei der Migration auf jeden Fall zu beachten? Welche Stolpersteine können auftreten?
Dettmer:
Speziell für Geschäftskunden ist es ratsam, sich so früh wie möglich mit dem Thema „All-IP“ auseinanderzusetzen – zum einen, um die eigenen Kommunikationsanforderungen neu zu definieren, und zum anderen, um eine Überprüfung der vorhandenen Infrastruktur zu ermöglichen. Je früher und bewusster die All-IP-Umstellung geplant wird, desto besser sind die Aussichten auf eine optimal zugeschnittene Lösung. Mit einem Wort: Ein gutes Projektmanagement ist auch hier unverzichtbar.

Wer unsicher ist und nicht gleich sein ganzes Telefonie-Equipment austauschen will, sollte den Umstieg mit hybriden ITK-Anlagen realisieren. Solche Anlagen unterstützen sowohl ISDN als auch All-IP und bieten damit Spielraum für einen vorsichtigen, schrittweisen Umstieg auf IP-Telefonie. Außerdem lassen sich an solchen Anlagen auch nach der All-IP-Umstellung ISDN-Telefone und analoge Faxgeräte intern weiterbetreiben.

Generell sollte die All-IP-Umstellung nicht als Bedrohung, sondern als Chance verstanden werden. Vorausschauende Anwender werden in IP-Equipment investieren, das sich jederzeit problemlos in Unified-Communications-Umgebungen (UC) integrieren lässt. Denn UC wird fraglos die Zukunft gehören. Es beschleunigt interne Kommunikationsprozesse, erleichtert den Büroalltag und trägt so entscheidend zur Steigerung der Arbeitsproduktivität bei.

ITM: Wie „einfach“ ist der eigentliche Wechsel tatsächlich? Sprich: Mit welchen zeitlichen, personellen und finanziellen Herausforderungen müssen die Anwender beim Umstieg rechnen?
Dettmer:
Das lässt sich nicht pauschal beantworten, da es vom Netzbetreiber sowie von den individuellen Anforderungen und der Größe des jeweiligen Unternehmens abhängt. Ratsam ist aber auf jeden Fall, die Umstellung gemeinsam mit einem Experten bzw. Fachhandelspartner durchzuführen.

ITM: Wie gestaltet sich die Integration von Mobilfunkgeräten in eine All-IP-Umgebung?
Dettmer:
Relativ einfach, das ist ja gerade einer der entscheidenden Vorteile von All-IP. Innerhalb eines IP-Netzwerkes sind sämtliche Kommunikationsdienste für alle Geräte verfügbar – egal, ob fester Arbeitsplatz oder Mobile Device.

ITM: Wie ist es bei All-IP-Telefonie um die Sicherheit bestellt?
Dettmer:
Eine automatische Verschlüsselung der Verbindungs- und Gesprächsdaten via SIPS und SRTP garantiert ein Höchstmaß an Abhörsicherheit. Bei externen Clients und Nebenstellen sollte unbedingt auf eine Anbindung über eine getunnelte Internetverbindung (VPN) geachtet werden.

ITM: Ein Begriff, der in Zusammenhang mit All-IP häufiger fällt, lautet „Next Generation Network“ (NGN). Was verbirgt sich dahinter? Nur eine Marketing-Phrase?
Dettmer:
Das Kürzel „NGN“ ist zuletzt oft als Synonym für die All-IP-Umstellung verwendet worden. De facto jedenfalls ist NGN nichts anderes als ein paketvermittelndes Datenübertragungsnetzwerk, das allein auf dem Internetprotokoll basiert – also ein IP-Netzwerk.

ITM: Welche Problematiken sehen Sie noch bis 2018 bzgl. All-IP auf die Unternehmen zukommen?
Dettmer:
Eine der größten Herausforderungen liegt sicherlich darin, das All-IP-Thema nicht mehr auf die lange Bank zu schieben, sondern sich intensiv damit auseinanderzusetzen. Nur so lassen sich mögliche Hürden und Stolpersteine von vorneherein vermeiden. Hier ist selbstverständlich auch der kompetente Fachhändler oder Systemintegrator gefragt. Er sollte nicht nur die bestehende Telekommunikations-Hardware (TK), sondern auch alle anderen Komponenten auf ihre All-IP-Tauglichkeit überprüfen.

Bildquelle: Auerswald

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