Personalsuche im Mittelstand

IT-Fachkräfte finden

Die Liste der Anforderungen an IT-Fachkräfte ist lang. Doch welche Skills werden in der IT benötigt und wie schaffen es mittelständische Unternehmen Nachwuchskräfte mit ins Boot zu nehmen und damit dem IT-Fachkräftemangel entgegenzuwirken?

Wie können mittelständische Unternehmen passende IT-Fachkräfte finden?

Während sich Großunternehmen Abteilungen leisten, in denen Spezialisten tätig sind, oder auf teure externe Berater zugreifen können, brauchen und suchen kleine und mittelständische Unternehmen vor allem Generalisten mit einer breiten Ausbildung, die die vielfältigen und bereichsübergreifenden Aufgaben bewältigen können. Da ist neben IT-Wissen auch betriebswirtschaftliches Wissen gefragt“, meint Prof. Dr. Heimo Adelsberger vom Forschungszentrum für Informationssysteme technologiegestützter Lernprozesse und zur ökonomischen und beruflichen Bildung (Telit) der Uni Duisburg-Essen. Der rasante Anstieg der Nachfrage nach Wirtschaftsinformatikern im Laufe der letzten 20 Jahre sei hierfür ein deutlicher Beweis.

Hohe Sozialkompetenz wichtig

Darüber hinaus ist hohe Sozialkompetenz für Mittelständler wichtig – wichtiger noch als für Großunternehmen. Auch Stephan Pfisterer, Arbeitsmarktexperte beim Bitkom, betont, dass das Fachwissen alleine nicht ausreicht: „Eigenständigkeit, unternehmerisches Denken, Lernfähigkeit, Teamfähigkeit und interkulturelle Kompetenz sind die Skills, die sich die Unternehmen von ihren Nachwuchskräften insbesondere wünschen. Immer mehr Softwaredeals beispielsweise beinhalten eine Outsourcing-Komponente, in denen es häufig um die Zusammenarbeit mit Offshoring-Kollegen geht.“

„Der deutlichste Unterschied für IT-Einsteiger in kleinen und mittelständischen Unternehmen besteht darin, dass hier keine großen Training-Areas vorhanden sind, in denen sie abgeschottet vom Leben ihre Ausbildung vervollständigen können“, konstatiert Volker Scheidler, Geschäftsführer des IT-Dienstleisters SAC GmbH und Vorstand des IT-Beratungs- und Entwicklungshauses Acoris AG. In kleineren Betrieben kommen die Absolventen schneller in der Realität an, übernehmen früher Verantwortung, müssen – zumindest bei Dienstleistern – das Unternehmen von Anfang an nach außen repräsentieren und eine hohe Motivation mitbringen, Dinge zu gestalten.

Neue Strukturen für junge Berufseinsteiger

Unternehmen beklagen oft das Fehlen von sowohl fachlichen als auch sozialen Fähigkeiten bei Berufseinsteigern. Dies kann Volker Scheidler bestätigen. „In punkto IT-Skills sollten Informatiker in mindestens einer Programmiersprache richtig fit sein. Besonders wichtig ist jedoch die Fähigkeit, Systeme auch hardwareseitig zu verstehen. Diese Hardwarenähe, die gebraucht wird, um bei komplexen Systemaufbauten die Hintergründe zu verstehen, ist bei vielen Informatikern gar nicht mehr vorhanden“, sagt der Acoris-Vorstand.

Seit der Einführung der neuen Studienstruktur habe man daher Konsequenzen gezogen: „Während früher Absolventen direkt als Junior-Consultant einsteigen konnten, geht das heute bei Bachelor-Absolventen nicht mehr. Deshalb haben wir das neue Skill-Level des Assistant Consultant eingeführt“, so Scheidler. Man müsse hier bei der Ausbildung nacharbeiten und deutlich mehr in die Nachwuchskräfte investieren.

Olaf Kempin, Co-Geschäftsführer des Personaldienstleisters Univativ, kennt diese Herausforderung. „Wir vermitteln seit über 16 Jahren Studenten und Absolventen projektweise in Unternehmen. Unsere Kunden fordern je nach Projekteinsatz sehr spezifisches fachliches Wissen und soziale Fähigkeiten. Junge Bewerber können dieser speziellen und gleichzeitig breit gefächerten Nachfrage häufig nicht gerecht werden. Geht es um Fachwissen, fördern wir Bewerber durch Schulungen in unserem Hause. Zusätzlich arbeiten wir zum Beispiel mit der Uni Duisburg-Essen zusammen, die mit „erp4students“ praxisorientierte Onlinetrainings anbietet. Dort können sich Studenten zertifizierte Zusatzqualifikationen im SAP-Bereich aneignen.“

„Die Kurse sind online, orts- und zeitunabhängig. Die intensive Betreuung der Studenten durch speziell ausgebildete Tutoren sieben Tage die Woche, also auch an Wochenenden, ermöglicht es den Studenten, eigenständig im SAP-System Fallstudien zu lösen, mit dem Wissen, dass in der Not der Tutor bereit steht“, erklärt Prof. Dr. Adelsberger. Die Vermittlung reiner Anwendungskenntnisse sei nicht Aufgabe universitärer Lehre. Mit erp4students wollte man diese Lücke schließen, erklärt er.

„Ein wesentlicher Aspekt von Bologna war das Konzept der „Employability“, also die Arbeitsmarktfähigkeit junger Menschen in den Vordergrund zu stellen – als Reaktion auf eine zu stark auf (reines) Wissen ausgerichtete Universitätsausbildung. An einem Arbeitsplatz steht das Handeln im Vordergrund, und zwar das kompetente Handeln, das selbstverständlich das entsprechende Wissen voraussetzt“, sagt Prof. Dr. Adelsberger. Hier seien die Ausbildungsstätten gefordert, umzudenken und nicht nur Theorien und Methoden zu vermitteln, sondern auch, wie diese anzuwenden sind, speziell in neuen, noch nicht vertrauten bzw. untrainierten Situationen. 

Bildquelle: © Thinkstock/iStockphoto

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