Paradigmenwechsel

IT-Systemhäuser und die Cloud

Gerade für mittelständische Unternehmen ist IT-Infrastruktur ein „Commodity-Produkt“: Sie ist vorhanden, hat zu funktionieren, ist austauschbar und hat einen ähnlichen Stellenwert wie der Strom aus der Steckdose. Die Folge: Immer mehr IT wird ausgelagert bzw. Unternehmen kaufen IT-Services ein, um sich selbst auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Eine gute Gelegenheit für IT-Systemhäuser?

Laut einer Bitkom-Studie aus dem Jahr 2015 steht der IT-Mittelstand vor einer Wende. Die Geschäftsperspektiven für IT-Dienstleister im Mittelstand sind grundsätzlich sehr gut, solange Themen wie Cloud Computing, IT-Security und Managed Services im Mittelpunkt der Offerten stehen. Die Herausforderung für Systemhäuser besteht darin, neue Geschäftsmodelle zu etablieren, Kunden mit anderen und neuen Argumenten zu begegnen sowie ein Beratungsportfolio aufzubauen. Klassische Installations- und Implementierungspartner oder reine Hardware-Spezialisten haben es zunehmend schwerer.

Insbesondere Cloud-Anwendungen bieten im Mittelstand enormes Potential. Unternehmen können hierdurch sowohl Kosten senken als auch innovative Wege gehen, die ihnen einen Wettbewerbsvorteil versprechen. Lange waren viele mittelständische Unternehmen beim Thema „Cloud Computing“ – nicht zuletzt durch die NSA-Affäre und eine unklare Rechtslage – verunsichert. Doch die neuen europäischen und deutschen Gesetze verschaffen Klarheit und auch der konservative deutsche Mittelstand beschäftigt sich nun deutlich mehr mit den Möglichkeiten und Vorteilen von unterschiedlichsten Arten des Cloud Computing. Der Anteil mittelständischer Cloud-Nutzer wächst und liegt derzeit branchenübergreifend bei 37 Prozent.

Prozesse verstehen und Lösungen parat haben


Wichtig ist die Möglichkeit, eine individuelle Cloud-Lösung zu nutzen, die alle Anforderungen auf Unternehmensseite berücksichtigt. Die Datenspeicherung in der Cloud sollte folgende individuell anpassbaren Services beinhalten:

  • einen flexiblen Lösungsumfang, der sich den wechselnden Anforderungen des Unternehmens individuell und schnell anpasst
  • einen sicheren, stets verfügbaren Service, der rund um die Uhr das ganze Jahr nach individuell vereinbarten Service Level Agreements (SLAs) garantiert wird
  • flexible Zahlungsoptionen, beispielsweise nach tatsächlich benötigtem Volumen
  • Sicherheit und Compliance für sensible Daten


Die Nutzung cloud-basierter Services dient Unternehmen zur Kostensenkung und zur Verbesserung der IT-Agilität. Bis zu 30 Prozent der IT werden in Unternehmen künftig agil laufen müssen, wie die Studie „CIO and IT leadership survey 2016“ hervorhebt. Üblicherweise wird die „schnelle“ IT dort benötigt, wo sich ein Unternehmen kurzfristig auf Neues einstellen muss.

Das ist im direkten Kundenkontakt häufig der Fall. Allerdings sind lediglich 17 Prozent der befragten Unternehmen der Meinung, dass sie in-house über die nötigen Skills verfügen. Vor dem Hintergrund ist der Bedarf an externer Unterstützung groß. Partnerschaften mit Dienstleistern werden gefährdet, falls diese nicht über die nötigen Voraussetzungen verfügen, hierfür an Bord zu kommen.

Typischerweise holen sich CIOs externe Unterstützung durch unabhängige Berater, die die erste Wahl sind. Wer unter ihnen nicht fündig wird, wendet sich an Systemintegratoren und Infrastrukturanbieter.

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung müssen sich Unternehmen auf Veränderungen gefasst machen, die nicht nur technische Neuerungen sind, sondern auf CIO-Ebene ablaufen. Dort wird eingefordert, dass der Berater eines Systemhauses die Prozesse nicht nur versteht, sondern auch Lösungen parat hat.

Gartner spricht seit 2014 von „Bimodaler IT“. Es geht dabei um ein neues organisatorisches Modell für die Unternehmens-IT, bei dem IT-Organisationen mit zwei verschiedenen IT-Modi arbeiten. Jeder Modus ist dabei auf unterschiedliche Technologie- und Informationsziele ausgerichtet. Der erste Modus zielt auf Stabilität, Skalierbarkeit und Effizienz. Der zweite Modus ist eher experimentell, agil und auf Schnelligkeit fokussiert. Es geht um die Verwaltung zweier Arten der IT-Delivery mit Fokus auf Stabilität versus Agilität. Die erste ist traditionell und bei der zweiten liegt der Schwerpunkt auf Beweglichkeit und Geschwindigkeit.

Wo der Schuh am meisten drückt


Ein Trugschluss ist, dass in Folge der rückläufigen Bedeutung der Infrastruktur, der Auslagerung von IT und des wachsenden Interesses an IT-Services, Unternehmen weniger IT-Know-how benötigen. Ganz im Gegenteil: Sie benötigen mehr und vor allem anderes Know-how.

Hier bietet sich für Systemhäuser im Mittelstand die Möglichkeit, sich als Berater und echter Partner in Fragen der IT bei ihren Kunden zu positionieren. Es ist erstaunlich, wie schnell Managed-Services auf ganz unterschiedliche Art und Weise wachsen.

Eine Umfrage von IDG zeigt, dass Unternehmen Managed-Services-Projekte auch in Kategorien wie Storage oder Security als Backup- oder Firewall-Lösungen einordnen. Dabei werden Managed-Services, wie sie etwa MTI anbietet, in der Regel über längere Zeiträume in Anspruch genommen – im Unterschied zu klassischen IT-Projekten mit klar definiertem Start- und Endzeitpunkt. Der Vorteil: Managed-Services lassen sich beliebig skalieren. Während beispielsweise die Umstellung auf eine neue zentrale Applikation meist das ganze Unternehmen und auch den Betrieb beeinflusst, können Managed-Services auch schrittweise genau dort, wo der Schuh am meisten drückt, genutzt werden. Durch eine gezielte Identifizierung und Priorisierung unterschiedlicher IT-Aufgaben lassen sich im ersten Schritt kleinere und sekundäre IT-Bereiche in die Services überführen. Dadurch kann sich ein Unternehmen an die neue Vorgehensweise gewöhnen und es lassen sich in vergleichsweise unkritischen Bereichen wichtige Erfahrungen sammeln.

Bildquelle: Thinkstock / iStock

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