Nachgefragt bei Rainer Deisenroth, MPDV

Keine harte Grenze

Interview mit Dipl.-Ing. Rainer Deisenroth, Vertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung bei der MPDV Mikrolab GmbH

Rainer Deisenroth, MPDV

„Uns ist kein mittelständischer Produktionsbetrieb bekannt, der sich heute schon ernsthaft mit ‚Industrie 4.0’ beschäftigt“, so Rainer Deisenroth, Vertriebsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung bei der MPDV Mikrolab GmbH.

ITM: Herr Deisenroth, „Industrie 4.0“ war das Schlagwort auf der diesjährigen Hannover Messe. Laut einer VDE-Studie von Anfang April 2013 lässt „Industrie 4.0“ allerdings vorerst auf sich warten. Wie schätzen Sie die Lage ein? Ist eine „Integrated Industry“ noch eine Vision oder bereits Status quo?
Rainer Deisenroth:
Mit Blick auf unsere Kunden sind wir auch der Ansicht, dass die visionären Ansätze aus „Industrie 4.0“ eher langsam und evolutionär in die Fertigungswelt einfließen werden. Es wird also keine harte Grenze geben zwischen dem heutigen Stand der Technik und „Industrie 4.0“ – von einer industriellen Revolution ist also definitiv nicht die Rede. Insofern kann man auch nicht sagen, dass Integrated Industry heute bereits Status quo ist. Umso wichtiger ist es, dass wir unsere Systeme heute schon auf zukünftige Neuerungen vorbereiten – MPDV hat hierzu das Zukunftskonzept „MES 4.0“ erstellt.

ITM: Was sind die aktuellen Bremsklötze?
Deisenroth:
Ohne eine umfassende Standardisierung von Schnittstellen wird „Industrie 4.0“ nicht möglich sein. Der von uns entwickelte Standard zur Anbindung von Maschinen aller Art an MES-Systeme – UMCM (Universal Machine Connectivity for MES) – ist ein wichtiger Schritt in Richtung „Industrie 4.0“. Aber es müssen sich nicht nur die Software-Anbieter an Standards halten – auch die Maschinenhersteller müssen sich daran beteiligen.

ITM: Welche Relevanz bringt „Industrie 4.0“ grundsätzlich für den MES-Markt mit sich?
Deisenroth:
„Industrie 4.0“ wird ohne MES-Lösungen nicht funktionieren. Die autonome Kommunikation aller fertigungsbeteiligten Systeme würde eine enorme Datenmenge generieren, mit der die heute bekannten Netzwerke vollkommen überfordert wären. Bündelt man die Kommunikation über eine zentrale MES-Datenbank, so bleibt der dezentrale Ansatz intelligenter Werkstücke und Maschinen erhalten, aber die Kommunikation wird zentral unterstützt.

ITM: Inwiefern ist das Thema schon bei den mittelständischen Anwendern/Produktionsbetrieben angekommen? Inwieweit gestalten sie ihre Unternehmensstruktur bereits „4.0“-fähig?
Deisenroth:
Uns ist kein mittelständischer Produktionsbetrieb bekannt, der sich heute schon ernsthaft mit „Industrie 4.0“ beschäftigt oder zeitnah plant, seine Fertigung entsprechend zu verändern. Mit dem Zukunftskonzept „MES 4.0“ sind wir aber schon heute bereit, interessierte Unternehmen aktiv auf dem Weg zur „4.0-Fähigkeit“ zu begleiten.

ITM: Wie kann eine durchgängige Integration des MES im Sinne von „4.0“ in die Unternehmens- und Produktionsprozesse gewährleistet werden? Wie gestaltet sich beispielsweise die Verknüpfung von MES und ERP?
Deisenroth:
Manufacturing-Execution-Systeme (MES) werden in einer „Industrie 4.0“-Umgebung die Rolle der Informationsdrehscheibe übernehmen. Durch die horizontale Integration und ein integratives Datenmanagement können alle am Produktionsprozess beteiligten Ressourcen übergreifen sowie schnittstellenfrei erfasst, geplant und ausgewertet werden. Durch eine zentrale Schnittstelle zum ERP-System wird sichergestellt, dass die Anforderungen der betriebswirtschaftlichen Welt im Produktionsprozess berücksichtigt und wichtige Informationen ins ERP zurückgespielt werden.

ITM: Welche Rolle spielt das Thema „Mobility“ bei dem Ganzen?
Deisenroth:
Mobile MES-Komponenten werden zukünftig eine immer wichtigere Rolle spielen. Daher haben wir zur Hannover Messe die Smart MES Applications (SMA) vorgestellt. Hierbei handelt es sich um ein Set von Apps, die Funktionalitäten von Datenerfassungsterminals und klassischen MES-Clients zur Datenauswertung und Fertigungsplanung auf mobilen Endgeräten verschmelzen. Da es sich bei SMA um eine Erweiterung der integrierten MES-Lösung Hydra handelt, werden keine zusätzlichen Schnittstellen geschaffen. Somit können Prozesse smarter abgebildet und Aufgaben im Produktionsalltag effizienter erledigt werden.

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok