Auch wenn sie den Arbeitsalltag erleichtert

„KI ist keine Allzweckwaffe“

Im Interview betont Dr. Heiner Pollert, CEO der Prisma Analytics GmbH, dass KI keine Allzweckwaffe ist, auch wenn die Technologie den Arbeitsalltag in vielen Fällen bereits massiv erleichtern könne.

Dr. Heiner Pollert, CEO der Prisma Analytics GmbH

„Ziel beim Einsatz von KI ist es nicht, Menschen zu ersetzen“, so Heiner Pollert, CEO der Prisma Analytics GmbH.

ITM: Herr Dr. Pollert, welche Relevanz besitzt das Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) anno 2019 im deutschen Mittelstand? Oder andersherum gefragt: Inwieweit ist KI für den deutschen Mittelstand (noch) ein Mysterium?
Heiner Pollert:
KI ist im Jahr 2019 auch im deutschen Mittelstand ein Thema, jedoch nutzen bisher nur wenige das Potential. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz nicht in jeder Branche Sinn macht, denn kognitive Systeme verursachen zunächst relativ hohe Anschaffungskosten – außerdem ist die Skepsis noch sehr groß. Dennoch bietet Künstliche Intelligenz eine enorme Chance, um große Datenmengen wesentlich schneller und vor allem in Echtzeit zu erfassen und zu verarbeiten.

ITM: Für welche mittelständischen Branchen lohnt sich der Einsatz von KI-Lösungen besonders und warum?
Pollert:
Der Einsatz von KI lohnt sich beispielsweise bei mittelständischen Unternehmen, die stetig eine Vielzahl an Daten verarbeiten und auswerten müssen oder umfangreiche Analysen erstellen. Große Vorteile der Künstlichen Intelligenz sind die kontinuierliche Erfassung und Kategorisierung von digitalen Informationen aus der ganzen Welt, die ein Mensch niemals so schnell und präzise verarbeiten könnte.

ITM: Wie sehen konkrete Anwendungsmöglichkeiten/Einsatzfelder aus?
Pollert:
Es gibt vielfältige Einsatzmöglichkeiten: In den Geschäftsfeldern Marketing oder Business Intelligence lassen sich beispielsweise große Datenmengen durch KI deutlich ergiebiger auswerten. Mithilfe einer Musterkennung kann das Nutzungsverhalten von Kunden besser erfasst werden, z.B. bei der automatisierten Steuerung von Kampagnen.

ITM: Inwieweit beeinflusst bzw. verändert Künstliche Intelligenz zugleich die Joblandschaft im Mittelstand?
Pollert:
Künstliche Intelligenz kann zu einem effektiveren Arbeiten beitragen und Arbeitsabläufe für Mitarbeiter vereinfachen – beispielsweise ist KI dazu in der Lage, Daten aus unstrukturierten Texten wie E-Mails zu filtern, diese abzulegen und mithilfe einer Big-Data-Analyse aufzubereiten. Arbeitsstellen entwickeln sich von repetitiven Aufgaben hin zu mehr Tätigkeiten in den Bereichen Programmierung und Wartung sowie Forschung und Entwicklung – Sektoren in denen es gilt, individuelle Entscheidungen zu treffen.

ITM: Und wie bewerten die Arbeitnehmer selbst den zunehmenden Einsatz von KI im Unternehmensumfeld?
Pollert:
Aktuell betrachten die meisten Arbeitnehmer den Einsatz von kognitiven Systemen noch mit großem Misstrauen. Jüngere Mitarbeiter rechnen mit maßgeblichen Veränderungen in ihrem Arbeitsumfeld, während die Altersgruppe ab 60 konservativ abwartet. Angst vor der Veränderung sollte jedoch nicht bestehen: Ziel beim Einsatz von KI ist es nicht, Menschen zu ersetzen, sondern sie zu unterstützen, beispielsweise kann Künstliche Intelligenz in der Produktion monotone oder gefährliche Aufgaben deutlich reduzieren.

ITM: An welchen Stellen übertrifft KI tatsächlich die Fähigkeiten des Menschen?
Pollert:
KI bietet grundsätzlich die Möglichkeit, Informationen strukturiert zu verarbeiten und auf dieser Grundlage aussagefähig aufzubereiten. Tools wie „Decision Point“ gehen sogar noch weiter: Es beantwortet strukturiert, in mehrdimensionalen Ebenen, konkrete sowie komplexe Fragestellungen und gibt somit fundierte Entscheidungskriterien. Durch die Analyse lassen sich kommende ökonomische, politische und soziale Phänomene vorhersagen oder auch Fake News entlarven. Permanent steigende Datenmengen können Menschen vor Probleme stellen, für die Technologie gilt eher das Gegenteil: Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto präziser gestalten sich die Analysen und Prognosen. Außerdem neigen Programme im Gegensatz zu Menschen nicht zur Überschätzung der eigenen Fähigkeiten und machen dementsprechend weniger Fehler.

ITM: Wo gibt es hingegen noch Verbesserungsbedarf bei KI-Lösungen?
Pollert:
KI ist keine Allzweckwaffe, auch wenn die Technologie den Arbeitsalltag in vielen Fällen bereits massiv erleichtern kann. Geht es darum, komplexe Entscheidungen zu treffen oder beispielsweise Fake News aufzudecken, bietet KI Analysen und unterstützt somit bei der Entscheidungsfindung, trifft jedoch nicht selbst die Entscheidung. In Zukunft gilt es daran zu arbeiten, Künstliche Intelligenz vom „exklusiven Gut“ weiterzuentwickeln, hin zu einem noch zugänglicheren Produkt für einen breiteren Nutzerkreis.

Bildquelle: Patentpool Group

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