KI als Vermittler zwischen ERP und PLM

Konkurrierende Systeme erschweren die Abläufe

Die Entwicklung und Fertigung variantenreicher Produkte bedingt den Einsatz von Informationssystemen, die Prozesse ganzheitlich und nahtlos koordinieren können. Hieraus ergibt sich ein Wettstreit zwischen PLM- und ERP-System um die Position des führenden Systems. Zur Lösung dieses Konfliktes könnte Künstliche Intelligenz beitragen.

Rennradfahrer auf einer Straße

Systeme dürfen im laufendne Betrieb nicht gegeneinander arbeiten.

Bedingt durch variantenreiche Produkte, agiles Produktmanagement und den Einsatz moderner Anlagen produzieren Unternehmen eine zunehmend hohe Dichte an Daten und Informationen. Diese müssen durch geeignete Systeme wie Product Lifecycle Management (PLM) und Enterprise Ressource Planning (ERP) koordiniert werden.

Mit dem Ziel, in der Gesamtinfrastruktur eine höhere Abhängigkeit vom eigenen System zu schaffen, erweitern die Software-Anbieter stetig die Kompetenzen der eigenen Systeme, wodurch Überschneidungen bei der Abwicklung von Aufgaben entstehen. Überspitzt könnte man sogar von einer Konkurrenzsituation zwischen den Systemwelten sprechen. Da beide Systeme notwendig sind, kommt es für die Anwender auf saubere Synchronisation an. Grundvoraussetzung hierfür ist die verlustfreie Kommunikation der zwei Systemlandschaften.

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Basierend auf Informationen über Ressourcen wie Kapital, Personal und Betriebsmittel führt das ERP-System eine rechtzeitige und bedarfsgerechte Planung und Steuerung der Auftragsabwicklung durch. Darüber hinaus ermöglichen Stamm- und Bewegungsdaten dem ERP-System eine transparente und effiziente Erstellung von Arbeitsaufträgen in Form einer Fertigungsstückliste. Als Grundlage hierfür wird die Konstruktionsstückliste aus dem PLM benutzt.

Welches ist das führende System?

Mithilfe der Fertigungsstückliste verantwortet das PLM-System die Verwaltung von Produktstammdaten und organisiert die Produktentstehung und -optimierung. Dabei hat sich der Begriff PLM, der im klassischen Sinne ausschließlich mit der Verwaltung von mechanischen Produktionsdaten verbunden wird, mittlerweile seitens der E-CAD-Anbieter auch als Management der elektronischen und elektrotechnischen (E/E) Produktdaten etabliert. Die Einbindung von CAD-Applikationen ermöglicht es den Anwendern, Prozessschritte am „virtuellen Produkt“ vornehmen zu können und dadurch Veränderungen schneller und effizienter durchzuführen.

Während die Konstrukteure für die Erstellung und Pflege der Fertigungsstückliste im PLM-System verantwortlich sind, gehört die Erstellung der Konstruktionsstückliste zum Aufgabenbereich der ERP-Anwender. Bei der Umwandlung stehen allerdings die unterschiedlichen Sichtweisen und Kompetenzen der involvierten Parteien im Konflikt. Auf der einen Seite wird bei der Aufstellung der Fertigungsstückliste häufig nicht die weitere Verarbeitung im Produktionsprozess berücksichtigt, auf der anderen Seite fehlt in der Produktion die Kompetenz bzw. das Prozesswissen aus der Konstruktion. Dies führt dazu, dass bei der Umwandlung ein erheblicher Arbeitsaufwand entsteht. Weiterhin werden Rückmeldungen und Verbesserungspotentiale aus der Produktion häufig nicht vollumfänglich in die Konstruktion zurückgemeldet oder können durch Kommunikationsschwierigkeiten nicht verwertet werden.

Die unabhängige Instanz

Hier ist eine dritte unabhängige Instanz notwendig, die die Kompetenzen beider Parteien vereint, Erfahrungen auswertet und für einen optimalen Entwicklungs- und Produktionsprozess sorgt. Als Konnektor und Transformator ist ein unabhängiger Intermediär zwischen den Systemwelten zielführend, der relevante Informationen auswertet und bedarfsgenau bereitstellt. Zur Lösung dieser Problematik könnte Künstliche Intelligenz (KI) beitragen. Durch Rückmeldedaten kann sie zur datengetriebenen Prozessmodellierung, Methoden des maschinellen Lernens und der automatisierten Modellbildung dienen, ebenso zur Offenlegung von Optimierungspotentialen in der Produkt- und Auftragsabwicklung.

Ein denkbares Umsetzungsszenario wäre die Unterstützung bei der Kommunikation von Informationen zwischen PLM und ERP-System. Dabei übernimmt KI das Umwandeln von Datenformaten, wodurch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Systemanbietern verbessert wird. Darüber hinaus können unvollständige Datensätze ergänzt und somit Wissenslücken umgangen werden. Ein weiterer Ansatz ist das Auswerten historischer Daten, wodurch Erfahrungswerte gewonnen werden und was bei der Umwandlung von der Fertigungsstückliste zur Konstruktionsstückliste hilft.

Die Gegenüberstellung der Kernkompetenzen macht deutlich, dass die Beschränkung auf eines der beiden Systeme nicht zielführend ist. Auch künftig werden ERP- und PLM-Systeme simultan laufen. Künstliche Intelligenz als Intermediär zwischen PLM und ERP scheint eine vielversprechende Lösung darzustellen, um die Überführung der Fertigungsstückliste zur Konstruktionsstückliste zu verbessern.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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