Arbeitsplatz der Zukunft

Kontrolle ist schlecht, Vertrauen besser

Der Arbeitsplatz der Zukunft bringt flexible Arbeitszeiten und flexible Arbeitsorte. Viele Arbeitnehmer freut der Wandel. Sie brauchen aber das Vertrauen der Arbeitgeber.

Mann sitzt entspannt mit Notebook auf dem Boden vor einem Sofa

Homeoffice-Klischee: Wenn der Job nicht mehr nach Arbeit aussieht

Die Digitalisierung verändert den Arbeitsplatz. Typische Büros gehören mehr und mehr der Vergangenheit an. Der Arbeitsplatz der Zukunft zeichnet sich vor allem durch flexible Arbeitszeiten und -orte aus. Ein Großteil der Arbeitnehmer freut sich über den Wandel: Er erhöht die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben. Aber viele Unternehmen stehen dem Homeoffice noch immer skeptisch gegenüber.

Eine neue IDG-Studie zum „Arbeitsplatz der Zukunft“ zeigt, welche Trends es gibt, was einen Arbeitgeber attraktiv macht und welche technischen Lösungen ein Arbeitsplatz bieten sollte. Eines der Ergebnisse: Das Homeoffice erhält eine immer größer werdende Bedeutung.

Homeoffice verringert die Kontrolle durch Chefs

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die meisten Mitarbeiter (52,3 Prozent) für ihren Büroplatz der Zukunft flexiblere Arbeitszeiten wünschen. 37,2 Prozent der Mitarbeiter wünschen sich zudem, mehr Homeoffice in Anspruch zu nehmen. Dennoch ist gerade das Heimbüro ein viel diskutiertes Thema und nicht viele Arbeitgeber sind dafür. Eine Erhebung der Initiative D 21 ergab, dass gerade einmal 16 Prozent der Deutschen Homeoffice oder ähnliche alternative Arbeitsmöglichkeiten nutzen können. So dürfen laut dieser Umfrage 23,8 Prozent der Befragten gar nicht im Homeoffice arbeiten.

Homeoffice und auch Mobileoffice (die Arbeit von jedem Ort aus) sind laut der IDG-Studie immerhin in jedem zweiten Unternehmen angedacht oder bereits umgesetzt. Dabei zeigt sich eine klare Tendenz: Je kleiner das Unternehmen, desto eher ist die Arbeit ohne Präsenz im Büro möglich. Voraussetzung ist aber eine mobile und vernetzte IT, was die Kosten der Unternehmen für die IT zunächst steigen lässt. Weiterhin fürchten Arbeitgeber, dass ältere, langjährige Mitarbeiter mit den anstehenden Veränderungen überfordert sind und abgehängt werden könnten.

Dank der fortschreitenden Digitalisierung ist Home- oder Mobileoffice in der Regel technisch längst kein Problem mehr. Ein wichtiger Punkt ist aber das fehlende Vertrauen der Unternehmen in ihre Mitarbeiter. Die Befürchtung: Bei nicht bestehender Präsenz im Büro ist die direkte Kontrolle der Arbeitnehmer nicht mehr möglich. Dabei hat eine in diesem Jahr erschienene Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gezeigt, dass vor allem Vertrauen die Produktivität und Zufriedenheit von Arbeitnehmern langfristig steigert.

Arbeitnehmer orientieren sich mit ihrem Arbeitstempo an Kollegen oder an Forderungen von Kunden. Direkte Kontrolle durch den Chef spielt gerade einmal für zwei Prozent der Arbeitnehmer eine Rolle. Chefs sollten selbst vertrauenswürdig sein und ihre Mitarbeiter wertschätzend begegnen, so ein Fazit der IW-Studie. Denn: Je stärker die Überwachung von oben, desto höher die Unzufriedenheit bei den Arbeitnehmern und desto mehr Konflikte mit den Vorgesetzten entstehen. Vertrauen zahlt sich also aus.

Homeoffice sorgt für zufriedene und produktive Mitarbeiter

Das Arbeiten im Homeoffice macht zudem produktiver, weil es die Work-Life-Balance verbessert. In einem Experiment der US-amerikanischen Stanford-Universität haben Wissenschaftler untersucht, welche Effekte Homeoffice auf Arbeitnehmer haben. Bei dem Versuch arbeiteten 250 Mitarbeiter von zuhause aus und 250 im Büro. Die Untersuchung zeigte, Homeoffice-Arbeiter sind produktiver, machen kürzere Pausen, werden nicht von Kollegen abgelenkt und melden sich seltener krank.

Spricht überhaupt etwas gegen die Heimarbeit? Offenbar schon, denn viele der Probanden beklagten nach mehrmonatiger Heimarbeit soziale Isolation und wollten gerne wieder ins Büro zurück. Und auch laut der IDG-Studie fürchten mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer unter 40 Jahren durch Heimarbeit vor allem die soziale Isolation; über 40 ist es nur jeder fünfte Mitarbeiter. Vielleicht ist der Mittelweg hier richtig: So empfehlen die Stanford-Wissenschaftler, an ausgewählten Tagen in der Woche Homeoffice zu gestatten, ohne dass es zur Verpflichtung wird.

Eine wichtige Erkenntnis: Für Arbeitgeber werden flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte wichtiger. Für viele Bewerber sind neben dem Gehalt die Zeit- und Ortsflexibilität die wichtigsten Kriterien bei der Jobwahl. Auch Unternehmen können davon profitieren. Sie sparen nicht nur Kosten für Büros, sondern können Fachkräfte landes- oder europaweit einstellen – und haben nicht zuletzt zufriedenere Mitarbeiter.

Bildquelle: Thinkstock

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