Vorteile von ERP-Branchenlösungen

Kostenvorteil Standard-Software

In welchen Situationen die Wahl einer Standard ERP-Software für mittelständische Unternehmen ratsam ist, berichtet Benno Peters, Vertrieb Fertigungsindustrie, Kumavision AG, im Interview.

Benno Peters, Kumavision

„Jedes Unternehmen hat individuelle Stärken, mit denen es sich vom Wettbewerb abgrenzt. Diese Punkte sollten sich auch in der ERP-Software widerspiegeln", rät Benno Peters von Kumavision.

ITM: Herr Peters, nahezu jedes Unternehmen steht irgendwann einmal vor der Entscheidung „Standard oder Individualsoftware“ – dies betrifft vor allem ERP-Systeme. Anhand welcher Kriterien lässt sich eine Auswahl treffen?
Benno Peters:
Der Begriff Standard darf nicht täuschen: Es gibt eine Reihe ERP-Dienstleister auf dem Markt, die wie wir Branchenlösungen anbieten. Das heißt: Wir erweitern eine Standardsoftware wie Microsoft Dynamics NAV um zahlreiche branchenspezifische Funktionen und Workflows. So entstehen passgenaue Lösungen etwa für die unterschiedlichen Ausprägungen im Maschinen- und Anlagenbau (Auftrags-, Serien- und Variantenfertiger), den technischen Großhandel oder Ingenieurbüros. Unternehmen, die vor einer ERP-Einführung stehen, sollten diese ERP-Branchensoftware mit ihren Anforderungen abgleichen. Erst wenn es hier zu wenige Gemeinsamkeiten gibt, sollte eine Individualentwicklung in Betracht gezogen werden.

ITM: Welche grundsätzlichen Vorteile bieten die Software-Versionen? Mit welchen Nachteilen haben Mittelständler häufig zu kämpfen?
Peters:
Eine Standard-Software – auch in Form einer Branchenlösung – bietet einen klar definierten Leistungsumfang und kann im Vorfeld durch Key User, bei Referenzkunden oder bei Trainings genau unter die Lupe genommen, bewertet und verglichen werden. Die Entwicklung und Einführung einer Individualsoftware wird sowohl in finanzieller als auch personeller Hinsicht vielfach komplett unterschätzt – denn die Software-Entwicklung gehört eben nicht zu den Kernkompetenzen mittelständischer Unternehmen.

ITM: Nicht selten entscheidet sich ein Unternehmen für Standardsoftware, um dann an nicht wenigen Stellen nachzujustieren. Welche Rolle spielt das Customizing?
Peters:
Kein mittelständisches Unternehmen führt eine Software „out of the Box“ ein. Die Frage lautet vielmehr: Wie wird das Customizing umgesetzt? Welcher Aufwand ist damit verbunden? Kumavision setzt dabei auf die Parametrisierung der Software, d.h. viele Anpassungen können Kunden direkt vornehmen, ohne dass dabei Programmierkenntnisse erforderlich sind.

ITM: In welchem Umfang sind Änderungen an der Software lohnenswert bzw. ab wann ist es ratsam auf Individualprogrammierung umzusteigen?
Peters:
Jedes Unternehmen hat individuelle Stärken, mit denen es sich vom Wettbewerb abgrenzt. Diese Punkte sollten sich auch in der ERP-Software widerspiegeln. Eine individuell entwickelte ERP-Lösung kommt eigentlich nur für große, international aufgestellte Unternehmen in Frage – für den Mittelstand wäre der finanzielle und personelle Aufwand einfach zu groß. Hier sind erweiterbare Branchenlösungen die bessere Wahl.

ITM: In welchen Situationen ist es empfehlenswert, die Prozesse der Software anzupassen und nicht umgekehrt?
Peters:
Die Einführung einer ERP-Software sollte immer auch Anlass sein, die eigenen Prozesse auf den Prüfstand zu stellen und sich dort wo angebracht auch an die Software anzupassen. Denn moderne Branchensoftware bringt heute eine Vielzahl von Best Practice-Prozesse mit, die ein großes Potential für gleichermaßen effiziente wie bereichsübergreifende Prozesse und Workflows eröffnen. Argumente wie „Das haben wir immer schon so gemacht“ verhindern oft, dass Unternehmen das Potential einer neuen Software voll ausschöpfen.

ITM: Standardsoftware wird oft ein Kostenvorteil nachgesagt, trifft dies tatsächlich zu?
Peters:
Ein klares Ja – solange Unternehmen nicht aus einer Standardsoftware durch zahllose Anpassungen und Erweiterungen eine Individualentwicklung machen. Bei Standardsoftware und vor allem auch in die Weiterentwicklung. Bei Standardsoftware ist durch die Vielzahl der Anwender die Weiterentwicklung gesichert. Damit erhalten Unternehmen zeitnah Zugriff auf aktuelle Technologie und marktgerechte Funktionen. Die einfache Updatefähigkeit stellt einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Vorteil von Standardsoftware dar.

ITM: Welchen Tipp können Sie Mittelständlern geben, die vor der Entscheidung „Standard- oder Individualsoftware“ stehen geben?
Peters:
Unsere Erfahrung aus über 1.000 Projekten zeigt: Für den Großteil der Unternehmen ist eine ERP-Branchensoftware die richtige Wahl. Solche Lösungen basieren auf einer leistungsfähigen Standardsoftware wie beispielsweise Microsoft Dynamics NAV und bringen zusätzlich eine Vielzahl von branchenspezifischen Funktionen mit. Unternehmen sollten sich für einen ERP-Dienstleister entscheiden, der einerseits über die geforderte Branchen-Expertise verfügt und andererseits Investitions- und Zukunftssicherheit bietet.

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