Günter Velten im Interview

Langfristig denken und handeln

IT-MITTELSTAND befragt die Verantwortlichen der großen IT-Anbieter. In dieser Ausgabe: Günter Velten, Gründer und Geschäftsführer des ERP-Anbieters Nissen & Velten Software in Stockach.

Günter Velten, Gründer und Geschäftsführer des ERP-Anbieters Nissen & Velten Software in Stockach.

Um als IT-Spezialist im Mittelstand Erfolg zu haben, bedarf es eines guten Teams von Fachleuten, die die Branche und Prozesse der Kunden kennen, ihre Sprache sprechen und auf Augenhöhe agieren, so Günter Velten, Gründer und Geschäftsführer des ERP-Anbieters Nissen & Velten Software.

Unter Mittelstand verstehe ich ...

… kleine und mittlere Unternehmen mit 25 bis 500 Mitarbeitern, die typischerweise inhabergeführte Familienunternehmen sind.

Der Mittelstand hebt sich von Großkonzernen dadurch ab, dass ...

… die Geschäftsführungen – im Gegensatz zu den von Quartalsberichten getriebenen Aktiengesellschaften – oft sehr langfristig denken und handeln. Zudem sind die Entscheidungswege meist kürzer als in komplexen Konzernen: Wer eine Investitionsentscheidung etwa für ein neues ERP-System trifft, verantwortet sie zumeist auch selbst. Viele Unternehmer bzw. Unternehmensnachfolger sind heute sehr aufgeschlossen für neue Technologien.

In Branchen wie etwa dem Produktionsverbindungshandel stellt sich diese Frage auch ganz konkret: Wie hebt man sich etwa von Amazon Business gegenüber dem Kunden ab? Die Antworten fallen von Fall zu Fall unterschiedlich aus. IT-gestützte, optimierte Prozesse sind allerdings ein Teil der Antwort.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Um als IT-Spezialist im Mittelstand Erfolg zu haben, bedarf es ...

… eines guten Teams von Fachleuten, die die Branche und Prozesse der Kunden kennen, ihre Sprache sprechen und auf Augenhöhe agieren. Letzteres fällt einem mittelständischen Software-Haus womöglich leichter als manchem Global Player. Außerdem erwarten Unternehmen heute, dass Anbieter moderne Branchenlösungen mitbringen, die einen hohen Prozentsatz an branchentypischen Anforderungen abdecken.

Was die IT anbelangt, ist der Mittelstand ...

… anspruchsvoll und kostenbewusst. Die Investitionszyklen in ERP-Software waren bisher relativ lang. Hier findet ein Umdenken statt. Gerade in unserer Hauptzielbranche, im B2B-Handel, wird nach dem Markteintritt von großen Online-Playern über die Geschäftsmodelle nachgedacht. Wir als ERP-Anbieter bauen deshalb unser Angebot in der Breite und in der Tiefe aus. Dazu zählt der Webshop Enventa „eGate“ und Anbindungen an Online-Marktplätze ebenso wie neue CRM-Tools wie unser Beratungsassistent, mit dem wir auch Brücken zwischen Webshop und Telefonverkauf schlagen. Nicht zuletzt werden wir unsere Anwender in Kürze mit weiteren CRM-Werkzeugen unterstützen, die maschinelles Lernen, eine Teildisziplin der Künstlichen Intelligenz, anwenden.

Die durchschnittliche IT-Grundausstattung im Mittelstand besteht aus ...

… einem ERP-System. Je nach Ausprägung und Zielgruppe des Unternehmens sind auch Lagerverwaltungssysteme und Webshops zu finden. Schnittstellen zu Verbundgruppen beziehungsweise Einkaufsverbänden sind ebenfalls weit verbreitet.

Charakteristisch für IT-Investitionsentscheidungen im Mittelstand ist, dass ...

… die Fachabteilungen mit einbezogen werden und der Auswahlprozess strukturiert vorgenommen wird. Bei größeren Investitionen ist das auch notwendig. Die Budgets erlauben es in der Regel nicht, hier erst mit dem „zweiten Schuss“ zum Ziel zu kommen. Wir beo-bachten allerdings gelegentlich auch, dass die Notwendigkeit von Investitionen in die Zukunft von der Sorge, eine Fehlentscheidung zu treffen, überlagert wird.

Die typischen IT-Probleme des Mittelstands sind ...

… häufig historisch gewachsene IT-Landschaften und Insellösungen, wodurch Prozesse nicht durchgängig digitalisiert sind. Generell bergen knappe Ressourcen in der IT-Abteilung die Gefahr, dass das Tagesgeschäft die Zeit für längerfristige, in die Zukunft gerichtete Projekte frisst. In vielen Unternehmen ist zudem die Datenqualität zu lange vernachlässigt worden.

Als Lösung für diese Probleme favorisiere ich, dass ...

… IT tatsächlich Chefsache wird, wobei der Begriff IT hier fast zu kurz greift. Es geht um die Entscheidung über die strategische Ausrichtung eines Unternehmens und die dafür benötigten Prozesse. Was hier passiert, sei es der Ausbau des E-Commerce, die Beteiligung an Marktplätzen oder der Ausbau des Kundenservice, zieht IT-Investitionen nach sich. Hier kommen dann moderne, integrierte Unternehmenslösungen zum Zug, die ERP, CRM, Rechnungswesen, E-Commerce, Lagerverwaltungssystem und Datenmanagement aus einer Hand bieten.

Handlungsbedarf auf IT-Seite im Mittelstand sehe ich ...

… bei der Pflege und Anreicherung der Stammdaten. Artikelstamm-
daten und Artikelmerkmale sind die Basis für erfolgreiche E-Commerce-Lösungen. Zudem erhöht ein großer Artikelstamm die Verkaufschancen. Hierbei spielt auch der Artikeldatenimport von Herstellern und Verbundgruppen eine große Rolle. Auf dem Gebiet CRM spielen Daten ebenfalls eine Schlüsselrolle. Generell sind die Daten ein Schatz, den Unternehmen pflegen und nutzen sollten.

Günter Velten

  • Alter: 55 Jahre
  • Familienstand: verheiratet
  • Hobbys: Segeln, Musizieren


Karriere

  • Ausbildung: Diplom-Wirtschaftsinformatiker
  • Beruflicher Werdegang: Günter Velten gründete 1989 mit Jörg Nissen den Vorläufer der Nissen & Velten Software GmbH. In den 90er-Jahren gelang der Durchbruch mit dem ERP-System SQL-Business. 2007 kam mit Enventa ERP die aktuelle Software-Generation auf den Markt.
  • Derzeitige Position: geschäftsführender Gesellschafter der Nissen & Velten Software GmbH

Bildquelle: Nissen & Velten Software

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok