Speicher: 3 Fragen an Gytis Barzdukas, Mozy, und Mark O´Malley, Quantum

Langfristige Datenspeicherung

Magnetband, Optische Datenträger, Cloud-Speicher – IT-MITTELSTAND hat zwei Experten führender Speicherhersteller befragt, wohin die Reise in puncto Datenspeicherung geht.

  • „In der Regel sind Firmen gut beraten, wenn sie alle neuen Daten auf Platten, Flashspeicher oder in die Cloud kopieren“, rät Gytis Barzdukas, Mozy by EMC.

  • „Optische Disks werden im geschäftlichen Gebrauch immer seltener. Der Grund liegt nahe: zu klein und zu langsam“, weiß Mark O`Malley, Quantum.

Im Zeitalter von „Big Data“ wird nicht nur die Online-Massen-Speicherung sehr schnell sehr teuer, sondern auch die nötige Datensicherung und (Langzeit-)Archivierung. Deshalb gewinnt das noch vor wenigen Jahren totgesagte Magnetband wieder an Popularität. Selbst „Big Data“-Riese Google scheut nicht vor dem Einsatz riesiger Magnetbandbibliotheken zurück, um im Fall der Fälle die Daten wiederherstellen zu können.

Für die langfristige Speicherung wichtiger Daten gibt es nach wie vor kein besseres Medium als das Magnetband. Seine Langlebigkeit, seine Transportabilität, sein zur Magnetplatte besseres Preis- Leistungs-Verhältnis beim Speicherplatz sowie der geringere Stromverbrauch lassen Kritiker schnell verstummen. Dennoch ist klar: Magnetbänder bleiben nur dort wichtig, wo Daten nicht oft und sehr schnell benötigt werden, sondern nur in seltenen Ausnahmefällen. Das ist bei der Langzeitaufbewahrung über einen Zeitraum von zehn Jahren oder länger – je nach gesetzlicher Vorgabe – der Fall. Dafür sind weder die Festplatte noch die Cloud wirklich geeignet. Nicht nur wegen der Kosten, sondern auch wegen der Compliance-Anforderungen bei der Datensicherheit. Verschlüsselung gibt es zwar auch für Festplatten und bei Cloud-Speichern, doch manch archiviertes Dokument darf aus rechtlichten Gründen nicht verändert werden, weil es sonst seine Nachweisbarkeit verliert. Dafür gibt es beim Magnetband die Worm-Funktion „Write once, read many“: Die Daten werden auf Band geschrieben und können dann zwar beliebig oft gelesen, aber nicht mehr verändert werden. Hersteller von Dokumenten-Management- und Archivlösungen umgehen das Problem gern, indem sie dem Anwender Duplikate der Originaldaten zur Wiederverwendung zur Verfügung stellen – mit der Folge, dass die Datenflut noch schneller steigt.

IT-MITTELSTAND hat zwei Experten von Mozy by EMC sowie Quantum befragt, wohin die Reise geht.

ITM: Für die Datensicherung und Langfristarchivierung setzen viele Mittelständler Magnetband und optische Datenträger/DVD ein. In welchen Szenarien bleibt das auch morgen noch sinnvoll?
Mark O’Malley:
Disk hat Tape als BackupMedium in großen Unternehmen längst ersetzt. Der gleiche Prozess findet nun im Mittelstand statt, um Backup- und Recovery-Zeiten zu verbessern. Tape besetzt aber konsequent die letzte Verteidigungslinie. Umsichtige Unternehmen werden weiterhin Sicherungskopien auf Tape vorhalten. Dagegen werden optische Disks im geschäftlichen Gebrauch immer seltener. Der Grund liegt nahe: zu klein (DVDs fassen nur 4,7 TB) und zu langsam, um sie praktisch für die Datensicherung nutzen zu können.

Gytis Barzdukas: Manche Archive liegen schon seit Jahren auf Bändern. Und es gibt Fälle, in denen es keinen Sinn macht, sie auf neuere Technologien zu transferieren. In der Regel sind Firmen aber gut beraten, wenn sie alle neuen Daten auf Platten, Flashspeicher oder in die Cloud kopieren. In den letzten Jahren hat sich die Datensicherung grundlegend verändert. Statt „Backup“ steht jetzt „Recovery“ im Vordergrund. Zudem werden die Mehrkosten von Plattenspeichern in der Regel durch eine effiziente Deduplizierung aufgewogen. Am Ende entscheiden sich auch kleinere Unternehmen meist für Platten- oder Cloudspeicher, weil sie die Kosten für die Wiederherstellung höher bewerten als die Kosten für die Backups. Daten lassen sich von Festplatten oder aus der Cloud fast immer schneller wiederherstellen als von Tapes. Das schützt Unternehmen effektiv vor kostspieligen Ausfällen.

ITM: Wann werden interne Lösungen mit schnellen Magnetplatten oder Outsourcing- bzw. Cloud-Services zu tragfähigen und wirtschaftlichen Alternativen?
O’Malley:
Die Entscheidung für eine Datensicherungsstrategie hängt von drei Parametern ab: „Recovery Time Objective“ (RTO), „Recovery Point Objective“ (RPO) und „Retention Objective“ (RO). RTO wird durch die maximale Zeit bestimmt, die Systeme offline sein dürfen. RPO hängt von der Frage ab, wie viel Datenverlust ich mir leisten kann, während RO typischerweise von einem Mix aus Vorschriften und internen Richtlinien bestimmt wird. All diese Überlegungen müssen mit dem verfügbaren Budget in Einklang gebracht werden.

Seitdem Unternehmen immer globaler agieren, sind die Ansprüche an RTO und RPO natürlich gestiegen. Eine Auszeit von 24 oder 48 Stunden kann sich kein Unternehmen erlauben. Daten und Systeme müssen binnen Minuten oder Stunden wiederhergestellt sein. Im Ergebnis sind diskbasierte Systeme mit Deduplizierung De-facto-Standard für Datensicherung. Die beständig sinkenden Diskpreise tun da ihr übriges. Cloud-Dienste sind gerade für kleine Unternehmen eine attraktive Option, weil die Sicherung so einfach ist. Allerdings kann die Wiederherstellung von Daten aus der Cloud eine extrem langwierige Angelegenheit werden; Datenwiederherstellung über das Internet ist selten mit RPO-Anforderungen vereinbar. Cloud-basiertes Backup macht aus unserer Sicht am meisten Sinn in Kombination mit einer Onsite-Kopie – in welcher Form auch immer.

ITM: Worauf ist beim Abschied vom klassischen Tape-Backup zu achten? Bleiben bewährte Verfahren wie differenzielle oder inkrementelle Sicherung weiter tauglich? Gibt es bessere Alternativen?
Barzdukas:
Die Alternativen sind schon heute durchweg wettbewerbsfähig! Wer Cloud-Services favorisiert, muss die Gesamtkosten betrachten. Häufig werden entscheidende Kostenfaktoren beim Vergleich der Backup-Lösungen weggelassen, denn es zählen nicht einfach nur die Kosten der Technologie, sondern es müssen zum Beispiel auch die Implementierung, die Energieversorgung, die Kühlung, die Gebäudeflächen und das Management einbezogen werden. Das ist bei einer Cloud-Lösung schon alles einberechnet.

Wenn Anwender selbst Zugriff auf das Backup haben, sinken auch die Kosten für die Administration. Die mit Abstand häufigste Anforderung an Mozy ist die Wiederherstellung einer einzelnen Datei. Es ist eine sehr arbeitsintensive Aufgabe, eine Datei von einem Bandspeicher wiederherzustellen. Bei einer Cloud-Lösung können die Anwender Dateien ohne Hilfe wiederherstellen. Die IT-Mitarbeiter sind entlastet und der Anwender erspart sich die Arbeit, die Datei neu zu erstellen.

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