Hagen Rickmann und Wladimir Klitschko im Interview

Leistungssport hilft Management

Was haben Sport und die Führung mittelständischer Unternehmen gemein? Und was hat dies alles mit Digitalisierung zu tun? Hagen Rickmann und Wladimir Klitschko geben darauf entsprechende Antworten.

Hagen Rickmann, Telekom Deutschland, und Dr. Wladimir Klitschko

Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland, und Dr. Wladimir Klitschko, Unternehmer und ehemaliger Schwergewichts-Boxweltmeister

ITM: Herr Rickmann, wie kam die Zusammenarbeit mit der Klitschko Management Group zustande? Von wem ging die Initiative aus?

Hagen Rickmann: Wir arbeiten bereits seit 2007 zusammen, wobei unsere Kooperation nun eine entscheidende Wendung nimmt: Gemeinsam wollen wir die Digitalisierungs-Agenda der Deutschen Telekom voranbringen, indem wir uns auf Unternehmergeist, Veränderungs- und Challenge-Management konzentrieren.

Wladimir Klitschko: Gerade Sportler kämpfen mit einem ständigen Auf und Ab – sei es aufgrund von Niederlagen oder Verletzungen. Jeder Athlet muss sich immer wieder aufrichten, motivieren und erneut angreifen. Parallel dazu stehen auch Unternehmen vor stets wechselnden Herausforderungen und müssen im Zuge dessen notwendige Veränderungen einleiten sowie auch umsetzen.

ITM: Ist es nicht einfacher, nach einer sportlichen Niederlage wiederaufzustehen, als ein aufwendiges, gescheitertes Digitalisierungsprojekt neu anzugehen?

Klitschko: Nicht unbedingt, denn anders als im Sport können Unternehmer ihre Fehler leichter korrigieren. Sie können ihre Budgets und zeitlichen Ressourcen neu bündeln, um schnell wieder auf die Beine zu kommen. Im Sport hingegen läuft dies anders: Nach einer Niederlage weiß beispielsweise ein Boxer nicht, ob er überhaupt die Chance auf eine Revanche erhält. Zudem ist die Verletzungsgefahr in den meisten Sportarten extrem hoch. Je nach Blessur kann dies schnell das endgültige Aus für den Leistungssport und damit die Karriere bedeuten.

Rickmann: Auch wir sehen, dass sich im Geschäftsumfeld immer wieder neue Chancen ergeben. Generell raten wir Mittelständlern, die Digitalisierung Schritt für Schritt und mit kleineren Projekten in Angriff zu nehmen – ähnlich der Art und Weise wie Start-ups ihr Geschäftsmodell aufbauen. Man sollte deshalb bei der Planung von Großprojekten den sich verändernden Markt im Auge behalten, um den Fortbestand des eigenen Unternehmens nicht zu gefährden.

ITM: Inwieweit ist Digitalisierung unausweichlich?

Rickmann:
Viele mittelständische Traditionsfirmen agieren mit ihrem bisherigen Geschäftsmodell noch durchaus erfolgreich. Mittlerweile verändern sich die äußeren Faktoren jedoch massiv. Aufgrund der immer kürzeren technischen Entwicklungszyklen verändert sich das Geschäftsumfeld von Unternehmen in einer bisher unbekannten Geschwindigkeit. Vor diesem Hintergrund müssen die Verantwortlichen herausfinden, welche Veränderungen der eigene Betrieb anstoßen sollte: Welche Dinge lassen sich in die digitale Welt übertragen? Welche Stellschrauben muss man erneuern? Wo lassen sich erfolgversprechende Projekte anbahnen?

Dabei sollten Unternehmer ein gewisses Budget freimachen und durchaus etwas riskieren. Gehen diese Investitionen verloren, ist dies schmerzhaft, aber verkraftbar, da man nicht alles auf eine Karte gesetzt hat. Gleichzeitig lassen sich aus der Niederlage wichtige Erkenntnisse ziehen, sodass man beim nächsten Versuch entsprechende Korrekturen und Anpassungen vornehmen kann.

ITM: Challenge-Management kann eine der wichtigen Stellschrauben für die Digitalisierung sein. Was steckt dahinter?

Klitschko: Es gibt Probleme, die jeder schnell und bestmöglich lösen möchte. Aus dieser Zwickmühle befreit man sich nicht durch Zaudern, sondern vielmehr durch bewusstes Handeln. Es geht darum, aus negativen Vorzeichen etwas Positives zu machen und Digitalisierung als Chance und nicht als Bedrohung zu begreifen. Speziell hierfür haben wir eine Managementmethode aufgesetzt, mit der Sie die Angst vor Herausforderungen bekämpfen können:

  • Zielsetzung: Welches Ziel wird verfolgt? Wo will ich hin?
  • Konsequenzen: Was passiert, wenn ich mein Ziel nicht erreiche? Was passiert schlimmstenfalls? Oder wo stehe ich, wenn ich die Herausforderungen erfolgreich meistere?
  • Vorstellung: Mit welchen positiven Bildern verbinde ich meine Ziele?
  • Teamgeist: Welche Weggefährten sind dabei? Sie brauchen Unterstützung von Mitarbeitern, Partnern und nicht zuletzt auch von Konkurrenten, die anspornen und Sie besser machen können.
  • Besessenheit: Werden Sie besessen von Ihrem Ziel! Denn wer von einer Idee besessen ist, wird sich bei deren Umsetzung von nichts und niemandem aufhalten lassen.


Bildquelle: Telekom

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