Duferrit setzt auf das intelligente Testing

Manuell ist teuer

Mittelständler, die SAP einsetzen, haben meist nicht die Zeit oder Ressourcen, das System permanent zu warten. Oftmals müssen sie auf Bugfixes und neue Funktionalitäten verzichten – das Mannheimer Unternehmen Durferrit setzt deshalb auf das intelligente Testing.

Umweltfreundliche Salzbadprozesse aus Mannheim: Am baden-württembergischen Standort von Duferrit sind rund 70 Mitarbeiter tätig.

Ein SAP-Update-Projekt bindet die IT-Abteilung wochenlang. Vor allem die umfangreichen Tests im Vorfeld der Aktualisierung sind sehr zeitintensiv, dabei aber unverzichtbar. Denn nur sie gewährleisten ein fehlerfrei laufendes Produktivsystem nach dem Upgrade. Die derzeit gängigste Methode ist das manuelle Testen. Ein typisches Test-Best-Practice-Beispiel verläuft dann folgendermaßen: Nach der Implementierung des Systems in SAP Solution Manager oder HP Quality Center gilt es, eine Test-Library zu erstellen. Dazu identifizieren Businessexperten und IT-Manager die zu testenden Businessprozesse – meist Hunderte pro Unternehmen – und dokumentieren diese Geschäftsabläufe von Hand in einem Spreadsheet.

Festgehalten wird die genaue Abfolge der Schritte, die ein Anwender vornimmt – am Beispiel eines Bestellungsvorgangs: 1. Eingabe Vorgangsnummer; 2. Eingabe Lieferant; 3. Eingabe Produktnummer; 4. Eingabe Mengenangabe; 5. Sicherstellen, dass korrekte Währung verfügbar ist etc. Dann identifizieren die Testingenieure die Komponenten, die für die Durchführung eines Prozesses nötig sind, und überprüfen sie auf Kompatibilität mit anderen Komponenten. Nun fehlen noch Error-Handling und die Testreports. Die IT-Manager überprüfen die Skripte mit funktionalen Tests. Anschließend führen die Businessexperten Akzeptanztests durch: Testet das Szenario auch, was es testen soll? Es folgt die Analyse der Log-Files nach unerwünschten Nebeneffekten, Bugs im ERP-System und Fehlern im Testszenario. Müssen Szenarien angepasst werden, beginnt der Prozess von vorne. Gleichzeitig steigt die Fehleranfälligkeit durch den Faktor Mensch. Alle Szenarien durch manuelles Testen abzudecken, ist kaum möglich. Was also tun? An Umfang und Qualität der Tests zu sparen, bedeutet, die Funktionsfähigkeit des SAP-Produktivsystems aufs Spiel zu setzen. Folgen können sein: Ärger bei den Anwendern, weil Standardabläufe wie ein simpler Bestellvorgang nicht mehr funktionieren, oder sogar Downtime und Verstöße gegen Compliance-Vorgaben.

Eine weitere Möglichkeit ist das automatisierte Testen. Hier werden Updates direkt auf einer Plattform für Qualitätssicherung getestet. Die Tests laufen automatisch in kurzer Zeit ab. Durch die höhere Testtiefe und -genauigkeit können mehr Problemverursacher eliminiert werden. Allerdings: Bis zum allerersten Testlauf betragen die Kosten meist schon bis zu 250.000 Euro. Neben Soft- und Hardwarekosten benötigt man geeignetes Personal: Programmierer für Eigenentwicklungen sowie Testprogrammierer für die Skripte und einen Administrator für das Gesamtprojekt. Die Implementierungszeit liegt bei ungefähr einem Jahr.

Intelligentes ERP-Testing

Die Firma Durferrit stand vor einem Upgrade ihrer Version 4.7 auf ECC 6.0 SPS 20. Die Rahmenbedingungen: 7.790 eigene, zum Teil sehr alte Objekte und eine geringe Anzahl von Testplänen oder -skripten. Dabei sollte das Upgrade parallel zum Tagesgeschäft ablaufen und die 50 Anwender sollten so wenig Aufwand wie möglich damit haben. Ressourcen: ein Systemadministrator, zwei SAP-Anwendungsbetreuer und zwei Key User. Weder mit der manuellen Methode noch dem automatisierten Testen war das Projekt für Durferrit im vorgegebenen Zeitrahmen zu stemmen. Deshalb suchte das Unternehmen nach Unterstützung und entschied sich nach einem Webinar, einer Simulation mit Daten aus dem Testsystem und der Präsentation der Ergebnisse für „SAP Upgrade Automation“ des Anbieters Panaya. Dabei handelt es sich um eine Software-as-a-Service-Lösung, die Test- und ERP-Upgrade-Risiken sowie Kosten und Aufwand reduzieren soll.

„Mit einer Impact-Analyse identifizierte das Tool, welche Teile unseres SAP-ERP-Systems inklusive der eigenen Entwicklungen vom Upgrade betroffen sind“, erklärt Richard Pešek, Leiter IT bei Durferrit. 1.311 Aufgaben standen an – die SaaS-Lösung bearbeitete bereits automatisch rund 1.000 selbst. Die verbleibenden Tasks wurden an die IT von Durferrit gemeldet, die den fehlerhaften Code dann manuell bearbeitete.

Im nächsten Schritt mussten geeignete Testskripte entwickelt werden. „Unsere Geschäftsprozesse konnten wir mit dem Testrecorder direkt aufzeichnen und die Lösung generierte automatisch entsprechende Testszenarien daraus“, erläutert Pešek. „Unsere Anwender mussten dazu nur den ‚Record‘-Knopf anklicken und ganz normal einen Geschäftsprozess durchlaufen – direkt am Produktivsystem. Und schon hatten wir ein passendes Testskript.“

Sind die Skripte einmal erstellt, kann jeder User die Testszenarien über die Weboberfläche starten. Die Anwendung dokumentiert die Ergebnisse selbstständig. Durferrit durchlief die insgesamt 169 Testszenarien einmalig komplett auf dem Sandboxsystem, teilweise auf dem Testsystem und schließlich auf dem Produktivsystem. Mit positivem Ergebnis. „Ohne die Testing-Software wäre das Upgrade nicht in diesem Zeitrahmen und mit diesem Aufwand möglich gewesen“, so der IT-Leiter. „Gerade wenn wenig Zeit und wenige Ressourcen für ein Upgrade zur Verfügung stehen – so wie bei uns –, ist intelligentes Testen eine gute Alternative. Jetzt können wir unser System ohne großen Aufwand stets aktuell halten“, resümiert Pešek.


Das ist die Durferrit GmbH

  • Standort: Mannheim
  • Mitarbeiter: ca. 70
  • Tätigkeitsfeld: Umweltfreundliche Salzbadprozesse für die Fertigungstechnik. Seit August 2001 gehört die Durferrit GmbH zur HEF Groupe und bietet heute ca. 450 unterschied­liche Salze und Hilfsstoffe für die Wärmebehandlung von Stahl, für die das Unternehmen bereits internationale Aus­zeichnungen erhielt. Zudem bietet Durferrit Anlagen für die ­Wärmebehandlung und die Salzbadvulkanisation an.

www.durferrit.de

Bildquelle: © Duferrit GmbH

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