Interview mit Phil Zamani, Deutsche Telekom

Marktplatz in der Cloud

Kürzlich erweiterte die Deutsche Telekom ihr Cloud-Angebot auf ihrem Business Marketplace. Wie es dabei um Sicherheit und Kosten bestellt ist, erläutert Phil Zamani, Senior Vice President Cloud Services.

„Wir betreiben weltweit 90 Honeypots, d.h. simulierte Locksysteme für Hacker. Die Auswertung der dort auftretenden Cyberangriffe ermöglicht es uns, frühzeitig Sicherheitslücken zu schließen“, berichtet Phil Zamani, Senior Vice President Cloud Services bei der Deutschen Telekom AG.

ITM: Herr Zamani, an welche Zielgruppe richtet sich der Marktplatz?
Phil Zamani:
Mit den Cloud-Angeboten richten wir uns an kleine und mittelständische Unternehmen, unabhängig davon, ob sie bereits unsere Kunden sind oder nicht. Wir stellen den Kunden eine Auswahl an Anwendungen zur Verfügung und unterstützen sie bei der Suche nach Geschäftsapplikationen, mit denen sie Kosten reduzieren und Prozesse effizienter gestalten können. Dabei haben die Firmen mit der Telekom für alle Fragen rund um die Cloud nur einen Ansprechpartner. Der Vertrag wird immer mit uns geschlossen, wir stellen die Rechnung für alle Applikationen und unterstützen sie mit einer kostenlosen Servicehotline.

ITM: Wie viele Apps sind momentan erhältlich?
Zamani:
Aktuell können unsere Kunden auf mehr als 40 Anwendungen von über 20 Partnern zurückgreifen. Unser Cloud-Marktplatz ist im Sommer 2012 an den Start gegangen. Seitdem haben sich schon über 10.000 Kunden registriert. Bis Ende des Jahres planen wir die Anzahl der Anwendungen zu verdoppeln.

ITM: Für welche Geschäftsbereiche sind Apps verfügbar?
Zamani:
Wir stellen den Kunden eine Auswahl an Anwendungen unserer Partner bereit. Auf der einen Seite sind das Lösungen für spezielle Branchen wie Handel, Produktion und Dienstleistung. Kunden finden auf dem Marktplatz z. B. ERP-Anwendungen wie SilvERP. Auf der anderen Seite wollen wir mit unserem Angebot alle Geschäftsprozesse abbilden. Deshalb wählen Kunden neben dem Standard-Office-Paket Microsoft Office 365 häufig auch CRM-Lösungen von Weclapp, Finanzsoftware von Scopevisio, Kollaborationslösungen von Box oder den Onlinemeetingraum iMeet. Hinzu kommen Sicherheitslösungen von Symantec zum Schutz vor Viren und Malware sowie Daten-Backuplösungen in der Cloud.

ITM: Wie teuer sind die Apps? Wie gestalten sich die Vertragslaufzeiten?
Zamani:
Kunden zahlen für die Cloud-Software einen monatlichen Festpreis pro Nutzer. Das Preisniveau liegt zwischen 3,25 Euro für Microsoft Exchange und 389,95 Euro für Padcloud – ein Produkt, mit dem Unternehmen ihre Dokumente auf mobilen Geräten verteilen können. Die Anwender können in der Regel zwischen Vertragslaufzeiten von zwölf bis 24 Monaten wählen. Sofern der Kunde nicht kündigt, verlängert sich das Vertragsverhältnis automatisch um die ursprünglich gebuchte Laufzeit. Zudem können die Anwender alle Applikationen vor einer Kaufentscheidung unverbindlich und kostenlos 30 Tage testen.

ITM: Inwiefern können die Apps auf spezifische Kundenanforderungen hin angepasst werden?
Zamani:
Wir passen die Anwendungen zunächst den Anforderungen des Marktplatzes an und bieten sie dann als standardisierte Software an. Das hat den Vorteil, dass Firmen ihre Applikationen sofort nach der Buchung direkt über den Internetbrowser nutzen können. Überdies gehen wir auf die Anforderungen der Kunden ein: Zum Beispiel, indem wir Editionen für kleine und größere Firmen ebenso anbieten wie Pakete mit Basisfunktionalität oder für Profinutzer.

ITM: Wie aufwendig sind die Implementierung der Lösungen sowie deren Einbettung in die vorhandene IT-Umgebung (z.B.  in Datenbanken oder Archive, ERP-/CRM-Systeme)?
Zamani:
Die Kunden können alle Anwendungen des Marktplatzes direkt nach der Buchung nutzen – ohne Installation oder Konfiguration. Aufgerufen werden sie direkt über den Webbrowser bzw. von unterwegs über dazugehörige Apps. Um die Daten einer bestehenden Software weiter zu nutzen, bieten wir für viele Anwendungen Importfunktionen an.
 
ITM: Stichpunkt Sicherheit: Wie gestaltet sich die App-Sicherheitsüberprüfung, bevor diese angeboten werden?
Zamani:
Wir unterziehen jede Anwendung einer Sicherheits- und Qualitätsprüfung, bevor wir sie auf dem Marktplatz anbieten. Schließlich muss die Cloud-Software für den Einsatz im Tagesgeschäft geeignet sein. Getestet werden z. B. die Funktionen und die Benutzerfreundlichkeit sowie die Sicherheit. Bei einigen Applikationen, die es bereits auf anderen Marktplätzen gibt, konnten wir mit unseren Tests Sicherheitsschwachstellen aufdecken. Erst nachdem wir diese behoben haben, veröffentlichen wir die Anwendungen. Desweiteren testen wir auch regelmäßig die Angebote, die bereits verfügbar sind, und halten so den hohen Sicherheitsstandard aufrecht.

Unsere Partner sind an Service Level Agreements gebunden, mit denen sie sich verpflichten, etwaige Sicherheitsprobleme umgehend zu beheben. Um Bedrohungen aus dem Netz besser bekämpfen zu können, betreiben wir weltweit 90 sogenannte Honeypots – also simulierte Locksysteme für Hacker. Auf diese Weise verzeichnen wir etwa 450.000 Cyberangriffe pro Tag. Unsere Honeypot-Systeme ermöglichen uns, frühzeitig Sicherheitslücken zu schließen.

ITM: Wo werden die Apps bzw. die darin gespeicherten Kundendaten vorgehalten?
Zamani:
Wir wollen unseren Kunden bei diesem sensiblen Thema größtmögliche Transparenz bieten. Alle Informationen über den Speicherort der Anwendungen und Daten finden Kunden auf dem Marktplatz. Einige Applikationen hosten wir in unseren eigenen Rechenzentren, andere Anwendungen werden aus Rechenzentren in Europa oder den Vereinigten Staaten von Amerika bereitgestellt.

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok