Innovation braucht Innovatoren

Mehr Fachkräfte für die Digitalisierung

Deutsche Unternehmen müssen digitale Innovation vorantreiben. Doch haben sie auch das Personal dafür? Eine globale Studie von Appdynamics, einem Tochter-Unternehmen von Cisco, zeigt: Gerade in deutschen Fimen mangelt es an sogenannten „Agents of Transformation“. Und die wenigen, die es gibt, finden oft nicht das richtige Umfeld vor, um Veränderungen voranzutreiben.

Mehrere Mitarbeiter stehen in einer Reihe

Die Mitarbeiter sollten die Chance ergreifen, den digitalen Wandel mitzugestalten und Veränderungen anzustoßen.

Die technologische Entwicklung schreitet so schnell voran, dass das menschliche Vorstellungsvermögen kaum hinterherkommt. Wohin die Digitale Transformation führen wird, ist allerdings noch offen. Nur so viel scheint sicher: Es gilt jetzt, die Chance zu ergreifen, den Wandel mitzugestalten und Veränderungen anzustoßen. Um die Nase vorn zu behalten, müssen Unternehmen daher überzeugende digitale Kundenerlebnisse ins Zentrum ihrer Arbeit stellen. Denn der Anspruch moderner Verbraucher steigt. Das macht es leichter denn je, Kundenbedürfnisse vorwegzunehmen und zu bedienen. Gleichzeitig war es allerdings für Unternehmen und IT-Teams noch nie so komplex, die entsprechend notwendige Technik dahinter bereitzustellen. Daraus entsteht eine Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Die Arbeit der Unternehmens-IT wird auf der einen Seite zum tragenden Faktor für den Geschäftserfolg. Auf der anderen Seite erschwert die wachsende Komplexität es jedoch, die Tragweite technischer Veränderungen auf Geschäftsebene tatsächlich zu verstehen.

Das schlägt auf den Optimismus der Technologen rund um den Globus: Nur 22 Prozent von ihnen sind überzeugt, dass ihre Organisationen für das rasante Tempo des technologischen Fortschritts gerüstet sind, so das Ergebnis einer globalen Studie im Auftrag von Appdynamics. Doch einen Wandel von innen vermag nur eine neue Generation innovationsfreudiger IT-Experten anzustoßen. Und davon gibt es zu wenige: In Deutschland sind laut der Studie aktuell nur vier Prozent der Technologen sogenannte „Agents of Transformation“. Um die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens über die kommenden zehn Jahre zu erhalten, benötigt es allerdings 42 Prozent solcher Innovatoren.

Technologiebegeistert und mutig

Was macht Vorreiter in der IT zur Mangelware? Sogenannte Transformationsagenten verfügen über ausgeprägte Charaktereigenschaften und technische, geschäftliche sowie kommunikative Fähigkeiten, anhand derer sie Innovationen in ihren Unternehmen vorantreiben. Sie haben die Notwendigkeit des steten Wandels erkannt und sind hochmotiviert, neue Technologien optimal für das eigene Unternehmen zu nutzen. Um mit den sich ständig ändernden Anforderungen Schritt halten zu können, müssen sie in der Lage sein, agile Technologieplattformen aufzubauen. Gleichzeitig fokussieren sie die Bedürfnisse von Kunden und Mitarbeitern. Und sie sind bereit, ihre bisherige Komfortzone zu verlassen und gewisse Risiken einzugehen – anders lassen sich Transformationsprojekte nicht konsequent verfolgen.

Die Teilnehmer der Appdynamics-Studie – insgesamt 1.000 IT-Profis von CIOs über das gehobene bis zum mittleren IT-Management – sind sich der großen Chancen, die ihnen die Digitale Transformation eröffnet, durchaus bewusst. So sind 80 Prozent der Technologen in Deutschland davon überzeugt, dass neue Technologien ihnen die Möglichkeit bieten, ihre Fähigkeiten und Karriere zu entwickeln. 69 Prozent interessieren sich sehr dafür, wie moderne Technologien die Welt verändern. 64 Prozent wünschen sich, mit ihrer beruflichen Tätigkeit ein dauerhaftes und positives Vermächtnis zu hinterlassen. Und 95 Prozent können mindestens einen Aspekt nennen, der sie dazu motivieren würde, selbst zum „Agent of Transformation zu werden.

Freie Bahn für die Transformation?

Offenbar also beste Voraussetzungen, den Mangel zu beheben. Doch stoßen die Experten in ihren Unternehmen auf einige Barrieren. Zum einen denken 86 Prozent der befragten Technologen weltweit, dass ihr Unternehmen hinsichtlich Qualifikationen, Kompetenzen und Wissen hinter dem innovativsten IT-Team ihres jeweiligen Landes zurückbleibt. Fast die Hälfte (45 Prozent) schätzen den Rückstand ihrer Firma sogar auf mehr als fünf Jahre. Eine innovationsbehindernde Unternehmenskultur tut ihr Übriges: 55 Prozent der befragten IT-Manager und -Leiter geben an, dass Technologieexperten in ihrem Unternehmen nicht ausreichend gefördert und ermutigt werden, sich der kreativen, zukunftsweisenden Seite der Technologie zu widmen. Dies erklärt auch, dass nur gut ein Viertel (26 Prozent) von ihnen angeben, derzeit bereits ihr volles Potential am Arbeitsplatz auszuschöpfen.

Ein weiterer Hemmschuh sind zudem zu viele veraltete Technologien, was mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Technologen beklagt. Da nimmt es nicht wunder, dass 60 Prozent der Befragten ein Haupthindernis für ihre Innovationsarbeit darin sehen, dass sie zu viel Zeit damit verbringen, die bestehenden Systeme in ihrem Unternehmen am Laufen zu halten. Auch empfinden 58 Prozent ihre Arbeit als so reaktiv, dass sie darüber ihre Technologiebegeisterung verloren haben. Hier besteht akuter Handlungsbedarf, denn ohne echte Faszination werden sich kaum innovative Ideen entzünden.

Es ist Zeit zum Handeln

Um ein tragfähiges Fundament für Innovation zu schaffen, sollten Unternehmen also auch in technologische Grundlagen und neue Tools investieren. Sage und schreibe 85 Prozent der Studienteilnehmer haben aktuell keinen Zugriff auf Software, die ihnen erlauben würde, Daten in Echtzeit in kontextspezifische Erkenntnisse zu verwandeln. Es fehlt somit genau die Technologie, die Zusammenhänge zwischen technischen Metriken und Business-KPIs offenlegen würde. Warum sollte das Unternehmen in eine bestimmte Technologie investieren? Welche Geschäftsprobleme würde eine neue Funktion lösen? Wie wirkt sich ein neuer digitaler Service auf das Kundenerlebnis aus? Ohne eine entsprechende Analyse- und Big-Data-Strategie, fehlt den Vorreitern in der IT jede Argumentationsgrundlage. Sie benötigen fundierte Erkenntnisse darüber, wie die eingesetzten Technologien und die damit verbundenen Applikationen den Geschäftswert erhöhen.

49 Prozent der Studienteilnehmer geben zudem an, dass sie keinen Zugang zu Daten haben, anhand derer sie bestimmte Innovationsziele erreichen könnten. Das erstickt nicht nur Innovationsinitiativen im Keim, es sorgt auch für Frust. Beinahe die Hälfte (42 Prozent) der befragten IT-Experten in Deutschland gibt an, dass sie sich von ihrer Organisation übersehen fühlt. 37 Prozent werden ihren aktuellen Arbeitgeber deswegen innerhalb der nächsten beiden Jahre verlassen. Fehlen Innovatoren im Unternehmen, erschwert dies die erfolgreiche Suche nach so dringend benötigten neuen Talenten – und vorhandene Talente müssen ohne positive Vorbilder auskommen.

Eine erfolgversprechende Transformationsstrategie weiß um die Erfolgsfaktoren Mensch, Technologie sowie Prozesse und Methoden – und kennt die Wechselwirkungen dazwischen. Unternehmen sind gut beraten, die (potentiellen) „Agents of Transformation“ unter ihren Mitarbeitern ausfindig zu machen, gezielt zu fördern und ihnen die Freiräume einzuräumen, die sie für experimentelle Projekte benötigen. Dies erfordert ein Umdenken auf allen Hierarchieebenen. Im engen Schulterschluss mit ihren Vorreitern müssen die Organisationen ihre technische Ausstattung sowie ihre Strukturen und Prozesse laufend neu bewerten und konsequent modernisieren.

Werkzeuge für ein Innovationsumfeld

Einige spezifische Technologien können die Akteure der Transformation dabei schon jetzt einsetzen, um sich gezielt ein optimales Arbeitsumfeld für ihre Innovationsarbeit zu schaffen. Zum Beispiel Serverless Computing: Serverlose oder Function-as-a-Service-Plattformen (FaaS) sind der nächste Entwicklungsschritt im Cloud Computing. Sie können das Ressourcenmanagement in der Cloud übernehmen und Entwicklern damit Freiräume schaffen, die sie für die Entwicklung ihres Codes und die schnelle Bereitstellung neuer Funktionen und Anwendungen nutzen können.

Oder Edge Computing. Dieses Konzept verschiebt Anwendungsfunktionen, Daten und Ausführungsenergie weg von zentralisierten Punkten auf die logischen Interaktionspunkte wie z.B. das Amazon-Alexa-Gerät, das In-Car-Computersystem oder das Smartphone. Dies ist möglich, da die Edge-Geräte in den letzten Jahren immer leistungsfähiger geworden sind. Gleichzeitig erleichtern es Anwendungsarchitekturen wie Microservices, digitale Dienste näher zum Benutzer zu bringen. Die Anbieter sind damit unabhängiger von Netzwerken, Bandbreiten oder Komponenten der Backend-Architektur – und der Weg ist frei für bessere Leistung und einwandfreie Kundenerlebnisse.

Auch den Begriff Artificial Intelligence for IT Operations (AIOps) sollte man kennen. AIOps setzt – nach dem Verständnis von Appdynamics – Machine Learning (ML) und Artificial Intelligence (AI) gezielt ein, um häufige Anwendungs- oder Technologieprobleme automatisiert zu identifizieren und zu beheben. Dabei können verschiedene Monitoring-, Analyse- und Automatisierungslösungen zusammenspielen, um tiefe Einblicke in Anwendungsumgebungen zu gewinnen. Je mehr Störfälle sich automatisiert beheben lassen, desto besser werden die IT-Mitarbeiter von reaktiven Aufgaben entlastet – und desto mehr Zeit bleibt für experimentelle Projekte.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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