Fachkräftemangel

Mehr Frauen in die Chefetage

Silke Sünder ist Bereichsleiterin für das Produktmanagement bei der Software-Firma Cape IT. Im Interview erläutert die seit mehr als 20 Jahren in der IT-Branche tätige Expertin, warum Frauen trotz Fachkräftemangels immer noch unterrepräsentiert sind.

  • Es ist nicht von der Hand zu weisen: Deutschlandweit sind nur 17 Prozent der Beschäftigten weiblich.

    Es ist nicht von der Hand zu weisen: Deutschlandweit sind nur 17 Prozent der Beschäftigten weiblich.

  • Silke Sünder, Cape IT

    „Die traditionellen Rollenbilder sind einfach nicht mehr zeitgemäß, insbesondere in Berufen, in denen es keine körperlichen Voraussetzungen gibt.“ (Silke Sünder, Cape IT)

ITM: Frau Sünder, 2019 gab es 124.000 offene Stellen im IT-Bereich, ein Anstieg von 51 Prozent im Vergleich zu 2018. Wie spüren Sie diesen Fachkräftemangel?
Silke Sünder:
In unserer Branche spüren wir ihn leider an allen Ecken und Enden, sei es in der Administration, der Software-Entwicklung oder im Projektmanagement. Offene Stellen bleiben meist viel zu lange unbesetzt, was natürlich dem gesamten Betriebsablauf schadet. Den Bewerbern fehlt es dabei meist nicht nur an der fachlichen Qualifikation, sondern oft auch an sozialen Skills, die ebenso wichtig für eine erfolgreiche Arbeit sind.

ITM: Worin sehen Sie die Gründe hierfür?
Sünder:
In Deutschland wurde die Digitalisierung einfach viel zu lange verschlafen. Jetzt versucht quasi der gesamte Wirtschaftssektor, dieses Versäumnis nachzuholen, und sucht händeringend nach Fachkräften. Ausländische Experten sollten wir deshalb mit offenen Armen empfangen, aber ebenso müssen wir weibliche Nachwuchskräfte fördern, davon gibt es in der Branche zu wenige.

ITM: Wie viele Kolleginnen haben Sie in Ihrem Unternehmen und im weiteren beruflichen Umfeld?
Sünder:
In meinem Unternehmen arbeiten mit mir insgesamt 17 Frauen, davon sind fünf direkte Kolleginnen in meiner Abteilung. Die Leitungsebene ist bereits fast zur Hälfte weiblich. Wir liegen damit in einem guten Schnitt, deutschlandweit sind nur 17 Prozent der Beschäftigten weiblich.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.



ITM: Woran liegt es, dass die Branche noch immer von Männern dominiert wird?
Sünder:
Ich sehe weniger ein Geschlechterproblem, sondern eher ein Generationsproblem. In vielen Unternehmen herrschen noch veraltete Strukturen und Hierarchien, es gibt einfach zu wenige Frauen in Führungspositionen. Ältere Männer haben oft ein Problem mit selbstbewussten jungen Frauen, dabei könnten beide Seiten viel voneinander lernen. Einigen Studien zufolge sind Frauen meist sogar stärker motiviert als ihre männlichen Kollegen, wodurch jedes Unternehmen einen frischen Wind erfahren könnte.

ITM: Wie könnten mehr Frauen für den IT-Bereich begeistert werden?
Sünder:
Die Zahl der Universitätsabsolventen von IT-Studiengängen stagniert seit Jahren und der Anteil von Studentinnen liegt bei nur rund 20 Prozent. Meiner Meinung nach sollte das Interesse von Mädchen und jungen Frauen an Technik und IT bereits in der Schule geweckt, gefördert und aufrechterhalten werden. Die traditionellen Rollenbilder sind einfach nicht mehr zeitgemäß, insbesondere in Berufen, in denen es keine körperlichen Voraussetzungen gibt. Dies wäre ein erster Schritt, der zweite müsste in den Unternehmen erfolgen. Vor allem im Bereich der flexiblen Arbeitszeiten und -strukturen, etwa um das Familienleben zu managen, gibt es meiner Erfahrung nach großen Nachholbedarf, und davon würden auch die männlichen Kollegen profitieren. Ein letzter Punkt wäre, wie bereits erwähnt, mehr Frauen in die Chefetagen zu bringen. Dies kann die Hemmschwelle für potenzielle Bewerberinnen deutlich senken.

Bildquelle: Gettyimages/iStock / Cape IT

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