Open Innovation

Mehr Köpfe haben mehr Ideen

Kunden und andere Außenstehende sollten am Innovationsprozess beteiligt sein. Schließlich müssen sie sich mit dem Produkt herumschlagen. Teil 4 einer Artikelreihe über Innovation, die in lockerer Folge erscheint.

Wenn eine doofe Idee preisgekrönt wird, geht es um den "Stupid Hackathon Innsbruck". Dort werden nicht etwa die cleversten Innovationen entstehen. Statt dessen möchten die Veranstalter "das ultimative Nirwana der absoluten Nutzlosigkeit" erreichen. Ein Beispiel: Auf dem letztjährigen Stupid Hackathon New York entstand die App Holdr, die einem Nutzer akustisch verkündet, wann er sein iPhone in der Hand hält.

An solchen Sachen lassen sich zwei Dinge demonstrieren: Erstens haben Nerds einen charmant absurden Humor. Zweitens ist das Thema „Open Innovation“ inzwischen parodiefähig und damit etabliert. Denn eigentlich geht es bei einem Hackathon darum, während einer Veranstaltung kooperativ hochwertige Software oder Hardware zu entwickeln.

Grundstürzende Innovationen entstehen dabei nicht immer. Aber Hackathons werden in der Open-Source-Szene recht intensiv eingesetzt, um die Produkte weiterzuentwickeln und innovative Funktionen einzubauen. Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: Mehr Köpfe haben mehr Ideen als nur einer.

Innovationsprozesse öffnen

Diese Überlegung steckt hinter dem Konzept der Open Innovation. Unternehmen sind danach gut beraten, ihre Innovationsprozesse für Mitarbeiter, Kunden, Zulieferer und andere Geschäftspartner zu öffnen. Vor allem die Kunden haben häufig sehr viele Einfälle zu einem bestehenden Produkt. Schließlich kennen sie aus ihrem Anwenderalltag alle Lücken und Schwierigkeiten.

Diese Möglichkeiten werden nicht nur von IT-Unternehmen gerne eingesetzt. So hat beispielsweise Fiat Anfang des Jahrzehnts eine Online-Community ins Leben gerufen, die ein Concept Car mit dem Namen Fiat Mio entwickeln sollte. Fiat-Chefdesigner Peter Fassbender hat bei der Entwicklung des Wagens zahlreiche Ideen und Anregungen der Community übernommen. Damit hat er einen weltweit bestaunten und preisgekrönten Prototyp geschaffen.

Doch nur ein Teil der Unternehmen setzt auf offene Innovationsprozesse. Zwar nutzen vor allem kleinere Unternehmen ohne eigene F&E-Abteilung Impulse von außen, doch nicht alle haben ihre Vorgehensweise auf große Offenheit eingerichtet. Viel zu wenige, findet die Innovationsexpertin Prof. Dr. Sabine Brunswicker vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO.

Gemischte Innovationstrategien

Sie kritisiert das geschlossene Verständnis vom Innovationsprozess, in dem alle Aktivitäten kontrolliert werden: „Unternehmen versäumen die Potenziale außerhalb des eigenen Unternehmens und setzen sich damit Grenzen.“ Nach ihrer Ansicht definiert Open Innovation die Innovationsprozesse nicht über betriebliche Strukturen, sondern über Wissen. „Open Innovation bezieht Potenziale explizit dort mit ein, wo sie zu Verbesserung und Zugewinn für eigenes unternehmerisches Wissen beitragen“, betont die Forscherin.

Diese Botschaft ist aber noch nicht bei allen Unternehmen angekommen. Laut einer Untersuchung des Fraunhofer IAO ist die Beteiligung externer Innovation am geringsten, wenn das Unternehmen über eine eigene Organisationsstruktur für Forschung und Entwicklung verfügt. Doch es reicht nicht, einfach bloß Ideen von externen Partnern einzuholen. „Open Innovation verspricht keine Quick Wins“, warnen die Forscher.

Zudem sei eine gemischte Innovationstrategie erfolgreicher. Die Mehrheit der erfolgreichen Unternehmen nutze zur Ergänzung der internen lediglich zwei externe Innovationsquellen. Wichtig sei zudem ein funktionierendes Innovationsmanagement: Es muss die Anregungen von außen bewerten, in interne Projekte überführen und an die eigene Strategie anpassen.

Bildquelle: Thinkstock

Die Fraunhofer-Studie über Open Innovation

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok