Vernetzung in der Cloud

„Mehrwert ist untertrieben“

Die vernetzten Abteilungen sind ein Dauerthema: Vertrieb, Marketing, Produktion und Logistik arbeiten nicht mehr autark, sondern können transparent auf aktuelle Daten aus anderen Abteilungen, auch auf die von Dienstleistern, zugreifen. Florian Gehring, Managing Director und Mitgründer der Salesfive Consulting GmbH, erklärt, was sich hinter diesem Wandel verbirgt.

„Mehrwert ist untertrieben“

Laut Florian Gehring von Salesfive sorgen vernetzte Cloud-Lösungen für entspanntes und effizientes Arbeiten.

ITM: Herr Gehring, beschreiben Sie den Istzustand bei ERP-Systemen in den Unternehmen und deren Nutzen.
Florian Gehring: Letztlich verfügen alle Mitarbeiter und Dienstleister rund um die Uhr über alle relevanten Informationen, die ihre eigenen Arbeitsprozesse in irgendeiner Form tangieren. Der Vertriebsmitarbeiter weiß, was das Marketing macht, und vice versa sieht die Logistik alle aktuellen Verkäufe, der Kundenbetreuer kennt die komplette Kommunikation von A bis Z. Voraussetzungen dafür sind ein vollumfänglich in der Cloud digitalisiertes Unternehmen und die Zusammenarbeit mit entsprechend fortschrittlichen Dienstleistern.

ITM: Konkretisieren wir dies am Beispiel Logistik: Was sind die häufigsten Probleme, wenn Vertriebsmitarbeiter Aufträge nicht direkt in eine Cloud-Lösung einpflegen, die an das ERP angebunden ist?
Gehring: Mitarbeiter übertragen dann beispielsweise Notizen aus einem vorherigen Verkaufsgespräch im Nachgang manuell in ein Cloud-System. Das ist nicht nur reine Zeitverschwendung, sondern erhöht auch die Fehlerwahrscheinlichkeit und führt damit zu Retouren und unzufriedenen Kunden. Etwa wenn ein Komma falsch gesetzt wird, eine Zahl ins falsche Kästchen kopiert wird oder eine Produktangabe beim Übertragen übersehen wird. Im Worst Case scheitern dann bereits abgeschlossene Verkäufe und Kunden gehen auch für Folgeaufträge verloren.

ITM: Wie wirken sich vernetzte Cloud-Lösungen auf die Zusammenarbeit und den Arbeitsalltag aus?
Gehring: Bleiben wir beim Beispiel Vernetzung von ERP, CRM und Sales: Der Vertriebsmitarbeiter weiß noch während des Verkaufsgesprächs, welche Waren verfügbar sind und wann sie geliefert werden können. Sind bestimmte Features nicht kompatibel, wird dies sofort angezeigt. Sobald der Kunde sich dann für ein bestimmtes Produkt entschieden hat, reicht ein Klick für die Auftragsbestätigung. Im Nachgang ist kein weiterer Arbeitsschritt erforderlich. Der Vertriebsmitarbeiter muss sich keinen Reminder einstellen, Daten nochmals übertragen oder Rückfragen mit der Produktion halten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Müssen Drittanbieter angebunden werden oder reicht die Funktionalität von CRM-Systemen aus?
Gehring: Das hängt ganz von den angebotenen Produkten ab. Beispielsweise verwalten wir als Dienstleister unsere Stundensätze ausschließlich mit Salesforce. Die Funktionalität der Plattform reicht dafür vollkommen aus. Anders sieht es aus, wenn Produkte in unterschiedlichen Versionen verfügbar sein sollen. Aktuell erleben wir einen Trend weg von der 08/15-Ware von der Stange hin zu stark auf die eigenen, individuellen Vorstellungen angepassten Wünsche. Nicht immer aber sind alle Features miteinander kompatibel. So passt ein bestimmter Autositz nicht in alle verschiedenen Karosserien eines Herstellers. Die produzierende Industrie wird daher kaum um das Anbinden eines ERP-Tools an die CRM-Infrastruktur herumkommen.

ITM: Wie beurteilen Sie die oft bemühte Formulierung „360-Grad-Sicht auf den Kunden“ – Luftschloss oder realer Mehrwert?
Gehring: Mehrwert ist wahrscheinlich noch untertrieben! Wenn die kompletten Prozesse in der Cloud vernetzt sind und die Mitarbeiter alle Informationen stets aktuell einpflegen, sieht der Arbeitsalltag eines jeden einzelnen Mitarbeiters viel entspannter und effizienter aus. Mit einem Klick sind alle für ihn relevanten Informationen verfügbar – ohne intern hin und her zu telefonieren, ohne E-Mails zu schreiben und ohne stundenlange Meetings. Außerdem spart jeder Einzelne sehr viel Zeit, weil sich die manuelle Pflege von Excel-Tabellen auf ein absolutes Minimum reduziert, im Idealfall sogar ganz entfällt. Die 360-Grad-Sicht krempelt unseren kompletten Arbeitsalltag – glücklicherweise zum Guten für alle Beteiligten – um. 

Bildquelle: Salesfive

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