Viel Aufwand fürs auslagernde Unternehmen

Migration birgt Stolpersteine

Jeder beauftragte IT-Provider weiß, dass ein Wechsel für das auslagernde Unternehmen mit enormem Aufwand verbunden ist. Laut Stefan Wendt, Partner bei der Microfin-Unternehmensberatung, beansprucht allein die Migration zum Provider oft neun bis zwölf Monate. Stolpersteine hierbei seien z.B. unsaubere Service-Beschreibungen, in denen Verantwortungszuweisungen nicht klar definiert sind.

Stefan Wendt, Partner bei der Microfin-Unternehmensberatung

„Der Auf- und Ausbau von digitaler Kompetenz aus eigener Kraft steht häufig dem Fachkräftemangel gegenüber“, meint Stefan Wendt, Partner bei der Microfin-Unternehmensberatung.

ITM: Herr Wendt, was sind dabei die hauptsächlichen Outsourcing-Motive der Firmen?
Stefan Wendt:
Am Anfang des IT-Outsourcing standen vor allem Kostenreduktion und Variabilisierung im Vordergrund. Inzwischen spielt auch der demographische Wandel eine Rolle. Insbesondere bei mittelständischen Unternehmen beobachten wir schon seit längerem eine Trendwende: Der Mittelstand öffnet sich vor allem wegen des Fachkräftemangels dem Thema IT-Outsourcing. Die prosperierende Wirtschaft und das damit verbundene Wachstum verstärken diesen Trend.

ITM: Welche Sourcing-Strategie verfolgen die Entscheider: Full-IT-Outsourcing oder eher ein selektives Auslagern?
Wendt:
Ganz klar selektives Outsourcing. Die Zeiten der „One-Fits-All“-Modelle sind vorbei. Auch wenn eine Multi-Provider-Strategie ein höheres Maß an Steuerung, Koordination und Kontrolle durch das Unternehmen verlangt. Full-IT-Outsourcing-Anbieter haben in der Vergangenheit nur selten alles aus einer Hand bereitstellen können. Und so zahlten Kunden Management-Fees ohne direkten Durchgriff auf den dahinterstehenden, spezialisierten Sub-Dienstleister. Inzwischen gibt es sogar eine ganze Reihe von IT-Leistungen, bei denen eine mittelbare Beauftragung eines Full-Service-Anbieters keinen Sinn mehr macht. Ich denke da z.B. an Druck, Helpdesk oder Telekommunikation. Denn in diesen Bereichen ist der Markt inzwischen sehr speziell.

ITM: In welchen konkreten Bereichen benötigt der Mittelstand die Unterstützung externer IT-Spezialisten? Sprich: Was wird i.d.R. häufig ausgelagert?
Wendt:
Das fängt beim Housing und den damit verbundenen Server- und Speicherleistungen an, erstreckt sich über den Arbeitsplatz bis hin zum technischen Betrieb der Applikationen. Die Grenze des IT-Outsourcing verläuft häufig dort, wo in Unternehmen individuelle Wertschöpfung und Marktdifferenzierung stattfinden. Hierbei setzen Unternehmen weiterhin auf Eigenfertigung. Denn erfahrungsgemäß rechnet sich der erforderliche Know-how-Transfer auf den Provider einfach nicht.

ITM: Welche Risiken und Stolpersteine sollten beim IT-Outsourcing und den entsprechenden Verträgen im Hinterkopf behalten werden?
Wendt:
Ein typisches Risiko liegt im „Lock-In-Effekt“. Jeder beauftragte IT-Provider weiß, dass ein Wechsel für das auslagernde Unternehmen mit enormem Aufwand verbunden ist. Oft beansprucht allein die Migration zum Provider neun bis zwölf Monate. Stolpersteine sind vor allem unsaubere Service-Beschreibungen, in denen Verantwortungszuweisungen nicht klar definiert werden und Service-Anforderungen unvollständig sind. Häufig sind Outsourcing-Verträge außerdem überladen. Das bedeutet, dass (im Vorfeld) um Regelungen und Inhalte gestritten wird, die in der Praxis des späteren Auslagerungsbetriebs gar nicht beachtet werden.

ITM: Welche Rolle spielt für Anwender die digitale Kompetenz der IT-Dienstleister?
Wendt:
Eine sehr große. Denn der Auf- und Ausbau von digitaler Kompetenz aus eigener Kraft steht häufig dem Fachkräftemangel gegenüber. Insofern erhoffen sich immer mehr Unternehmen einen Innovationsschub durch das IT-Outsourcing an einen Provider. Unserer Beobachtung nach kann der derzeitige Markt diese Erwartung aber kaum erfüllen.

Bildquelle: Microfin

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