Konzernbosse könnten von mittelständischen Geschäftsführern lernen

Milliardenschwere Instinktlosigkeiten

Es fällt Außenstehenden zunehmend schwerer, die Entscheidungen von (deutschen) Konzernbossen nachvollziehen zu können. Auch die Kursentwicklungen an den Börsen rufen oftmals Erstaunen hervor.

schnelles Geld

Für viele Konzernober ist der Wert des Unternehmens egal – zumindest solange, wie Rendite, Dividende und Profit stimmen.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, der eigentliche Wert von Unternehmen mitsamt ihren Produkten und vor allem ihren Mitarbeitern seien vielen Konzernoberen und „Börsianern“ völlig egal – zumindest solange, wie Rendite, Dividende und Profit stimmen. Frappierend ist vor allem die verquere Selbstwahrnehmung vieler Manager, die unverhohlen und mithilfe von Juristen ihren Anspruch geltend machen, für ihr (Komplett-)Versagen auch noch fürstlich entlohnt bzw. abgefunden zu werden.

Es ist nichts anderes als instinktlos, wenn eines der größten deutschen Bankhäuser von einer Krise in die nächste schlittert, zu Milliardenentschädigungen verdonnert wird, weil beispielsweise Zinskurse manipuliert wurden, und die Mitarbeiter dennoch Boni in ungeahnter Höhe kassieren. Es ist ebenfalls instinktlos, wenn der Chef eines der größten deutschen Konzerne ein Werk in einer strukturschwachen Gegend schließen lassen will, weil angeblich die dort ansässige Produktsparte schwächelt, und er sich nur kurze Zeit später bei einem Abendessen in Davos bei dem US-amerikanischen Präsidenten mit dem hingehauchten Versprechen anbiedert, die Fortentwicklung eben genau jener Produktsparte künftig in die USA zu verlegen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.


Natürlich werden die Konzern-„Lenker“ immer irgendwelche strategischen Gründe für ihr absonderliches Tun anführen, und den Laien – also uns – das Verständnis für das Große und Ganze der globalen ökonomischen Verstrickungen absprechen. Dennoch sollten sich die Herren fragen lassen, ob man Menschen, Natur und Gemeinwesen immerzu maximal ausbeuten muss und ob es neben dem eigenen Gewinn nicht auch andere Werte gibt, die es anzustreben gilt. Eine naive Frage, klar! Wenn man aber Mittelstand und Konzerne vergleicht, sind schon deutliche Unterschiede auszumachen. Die Konzernbosse könnten von mittelständischen Geschäftsführern an dieser Stelle definitiv etwas lernen. Doch dazu müssten sie natürlich den Instinkt haben, sich nicht für unfehlbar zu halten. Und daran wird es scheitern ...

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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