Kommentar

Mit Apps zum Befreiungsschlag?

Wie ein angeschlagener Boxer taumelte die Weltwirtschaft die letzten Monate durch die Corona-Krise. Von Ein-Mann-Betrieb bis Großindustrie schleppten sich alle in einem ungleichen Kampf gegen einen unsichtbaren Gegner von Runde zu Runde.

Tracing App Symbolbild am Bahnhof

Mit der Coroan-Warn-App wieder einen Schritt nach vorn.

Einen Wirkungstreffer gegen das Virus Covid-19 könnte die von der Bundesregierung entwickelte und im Juni von der Telekom und SAP zur Marktreife gebrachte Corona-Warn-App bringen. Die mobile Anwendung soll es möglich machen, per Bluetooth nach einem Kontakt mit einem Infizierten schnellstmöglich darüber informiert zu werden, sodass eine zeitnahe Isolation der Betroffenen erfolgen und Infektionsketten unterbrochen werden können.

Mut macht, dass es scheinbar angekommen ist, digital gut aufgestellt sein zu müssen. Eine Erkenntnis, die nicht ganz neu scheint, hat sie sich durch den stetig steigenden Bedarf an digitalen Lösungen schließlich schon vor dem „Shutdown“ abgezeichnet und dann nur nochmal verstärkt. Das unterstreicht auch Deutschlands Position im gerade veröffentlichten Digitalindex der EU (DESI). Mit ihm sollen die allgemeine Leistung im Bereich der Digitalisierung und Fortschritte der EU-Mitgliedstaaten bei der digitalen Wettbewerbsfähigkeit abgebildet werden. Unter 27 EU-Mitgliedern und dem Vereinigten Königreich belegt Deutschland 2020 den Rang 12.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.



Auch wenn es von den „Ringrichtern“ der EU vergleichsweise gute Noten trotz der Kritik an Funklöchern und fehlender Breitbandanschlüsse gab, besteht besonders bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung dringender Handlungsbedarf. Hier belegt Deutschland nur Rang 21. Im Gesundheits- und Bildungssektor wurde deutlich, wie notwendig das Konjunkturpaket der Regierungsparteien ist. Um bei der Digitalisierung Schritt halten zu können, fordert der Bundesverband IT-Mittelstand daher gerade von seiner Klientel neue digitale Angebote und komplexe Lösungen. Wie Sie in dieser Ausgabe lesen können, geht der Verband mit bestem Beispiel, besser gesagt mit einer App, die die Kooperation von IT-Unternehmen erleichtern soll, voran.

Gemeinsame Stärke will auch die Bundesregierung mit der erwähnten Tracing-App zeigen. Ob deren Entwicklungskosten von rund 20 Millionen Euro allerdings für einen Befreiungsschlag ausreichen, ist fraglich. Laut aktuellen Statista-Zahlen haben gerade mal fünfzehn Millionen Menschen die App schon heruntergeladen. Die Begründung für die Zurückhaltung sind nach einer Yougov-Umfrage: Zweifel am Nutzen der Corona-Warn-App. Damit deren Schutzwirkung sich voll entfalten kann, müssten sich jedoch nach Expertenmeinung mindesten 60 bis 70 Prozent diese App installieren.

Bildquelle: Gettimages/iStock

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