Dach- und Fassadenspezialist Klemens Ott

Mit neuem DMS hoch hinaus

Weit über dem Erdboden gehen die Mitarbeiter des Dachdeckerbetriebs Klemens Ott ihrem Tagesgeschäft nach. Um in Zeiten des Baubooms Projekte effizienter steuern und verwalten zu können, hat sich der Mittelständler für die Einführung eines Dokumenten-Management-Systems (DMS) entschieden.

  • Peter Josef Ott und Sandra Schüßler von Klemens Ott

    „Die Digitalisierung ist im Bauwesen nicht mehr wegzudenken. So wird die Erstellung der Aufmaße zunehmend über Lasertechnologien und Software-Tools realisiert.“ Peter Josef Ott

  • Geschäftsführer Peter Josef Ott und Managerin Sandra Schüßler

    Schwindelfreies Arbeiten: Für Geschäftsführer Peter Josef Ott und Managerin Sandra Schüßler eine Selbstverständlichkeit.

  • Geschäftsführer Peter Josef Ott und Managerin Sandra Schüßler

    „Unsere Projektmanagement-Software muss intelligent ‚mitdenken‘ und nicht schlüssige Zusammenhänge selbstständig melden, beispielsweise wenn die erhobene Stundenzahl der Mitarbeiter nicht mit den Aufträgen zusammenpasst.“ Peter Josef Ott

  • Geschäftsführer Peter Josef Ott und Managerin Sandra Schüßler

    „Im Moment greifen allein unsere Mitarbeiter auf Docuware zu. Ein nächster Schritt könnte sein, das System für unsere Partner zu öffnen.“ Sandra Schüßler

Die Klemens Ott GmbH blickt auf eine lange Familientradition zurück. „Im Jahr 1960 gründete mein Vater Klemens Ott unseren heutigen Dachdeckerbetrieb. Er legte damit den Grundstein für ein erfolgreiches Unternehmen, das ich seit 1985 leite und dessen geschäftsführender Gesellschafter ich seit 1990 bin“, berichtet Peter Josef Ott im Interview mit IT-MITTELSTAND. Dabei hält die Begeisterung für Dächer in der Familie sogar schon viel länger vor: Bereits der Großvater und Urgroßvater von Peter J. Ott waren in der Region rund um Miltenberg in luftiger Höhe im Einsatz.

Anders als der durchschnittliche Handwerksbetrieb mit wenigen Angestellten beschäftigen die Unterfranken rund 50 Mitarbeiter. Während der Mittelständler noch vor wenigen Jahren hauptsächlich mit einem Papierarchiv und einer Vielzahl von Aktenordnern arbeitete, stieß er mit der Einführung des Dokumenten-Management-Systems Docuware im Jahr 2017 die Digitalisierung unternehmenskritischer Prozesse an. Neben der elektronischen Rechnungsverarbeitung punktet bei den Mitarbeitern und der Geschäftsführung vor allem die digitale Projektakte, die einen schnellen und unkomplizierten Überblick über laufende oder abgeschlossene Bauvorhaben bietet. Im Interview erläutern Peter Josef Ott und Sandra Schüßler, bei der Klemens Ott GmbH verantwortlich für das Prozess- und Qualitätsmanagement, die Details der DMS-Einführung und wie sie die interne Kommunikation künftig weiter verbessern möchten.

ITM: Herr Ott, was macht einen modernen Dachdeckerbetrieb heutzutage aus?
Peter Josef Ott:
Das Berufsbild dieses traditionellen Handwerkzweigs reicht vom Dachdecken bis zum Abdichten von Flachdächern mit verschiedensten Materialien und in unterschiedlichen Ausführungen.

Darüber hinaus bietet unser Unternehmen ein breites Repertoire: Neben dem Decken von Flach- und Steildächern übernehmen wir auch den Bau von Fassaden und sind auf den Hallen- und Industriebau spezialisiert. Wir trauen uns Bauvorhaben zu, an die sich andere Anbieter nicht heranwagen. So haben wir erst kürzlich die Fassade eines modernen Gebäudes mit großen Schieferplatten verkleidet.

ITM: Welche Besonderheiten weist Ihre Angebotspalette auf?
Ott:
In Deutschland gibt es rund 15.000 Dachdeckerbetriebe. Allein rund 20 Prozent davon sind im Flachdachsegment unterwegs. Und nur 500 können im nächsten Schritt so wie wir die als Unterlage der gesamten Dachkonstruktion notwendigen Trapezbleche mitverlegen.

Nicht zuletzt sind wir in Sachen Sanierung stark aufgestellt. In den 60er- und 70er-Jahren wurde bei vielen Industriebauten mit Asbestzement und Wellblechen gearbeitet. Diese Baustoffe gelten mittlerweile als überholt, sodass wir alte Dächer mit modernen Materialien – etwa mit Stahlelementen mit Polyurethankern – neu aufsetzen. Mitunter bauen wir dabei Dachoberlichter, Lichtkuppeln oder Entrauchungssysteme neu ein. Bei solchen Erweiterungen müssen zum einen gesetzliche Vorgaben beispielsweise seitens des Brandschutzes integriert werden. Zum anderen gilt es, ISO- oder DIN-Normen zu berücksichtigen. Da die meisten Kunden in solchen Fällen keine eigenen Architekten beauftragen, übernehmen wir auch die gesamte Beratung und Planung der Modernisierungen.

ITM: Welche aktuellen Trends gibt es hinsichtlich der Dachgestaltung?
Ott:
Nachhaltigkeit spielt auch in unserer Branche eine große Rolle, darunter die Begrünung von Dächern oder die Installation von Photovoltaikanlagen. Solche Projekte übernehmen wir jedoch nicht selbst, sondern arbeiten mit darauf spezialisierten Firmen zusammen. Ein Grund dafür ist, dass wir uns im Zuge des vorherrschenden Baubooms seit längerem nicht mehr vor Aufträgen retten können. Von daher lagern wir Aufträge, die über unsere Kernkompetenzen hinausgehen, an Subunternehmer aus. Dazu gehören auch Zimmererarbeiten und Abrisse.

ITM: Sie arbeiten mit vielen Partnern wie Herstellern, Rohstofflieferanten, Subunternehmen, Architekten, gewerblichen und öffentlichen Bauträgern sowie privaten Bauherren zusammen. Wie bilden Sie dieses Beziehungsgeflecht IT-seitig ab?
Ott:
Wir nutzen mit Hapak der CSK Software GmbH aus Schwerin eine Standard- Handwerker-Software zur Abbildung der betriebswirtschaftlichen Kernprozesse. Mithilfe der Software erstellen wir Angebote, Leistungsverzeichnisse und die dazu passenden Materiallisten. Auf diese Weise können wir Projektvorhaben schnell und vor allem punktgenau kalkulieren. Im nächsten Schritt läuft die gesamte Auftragsabwicklung – sprich die Aufmaßerstellung, die Rechnungserstellung, das Bestellwesen, die Buchhaltung, das Mahnwesen, die Zeiterfassung sowie die Nachkalkulation – über das System ab.

ITM: Frau Schüßler, worauf kommt es Ihnen hinsichtlich der Branchen-Software an?
Sandra Schüßler:
Bei Standard-Software stoßen nicht nur größere Firmen, sondern auch Handwerksbetriebe an ihre Grenzen. Denn nicht immer passt die Software für die eigenen Ansprüche. Vor der Hapak-Einführung hatten wir 25 Jahre ein anderes Programm im Einsatz, welches nicht mehr weiterentwickelt wurde. Von daher sind wir 2017 auf das neue System umgestiegen. Mittlerweile haben wir viele Funktionen speziell für unsere Bedürfnisse angepasst, etwa für statistische Auswertungen.

ITM: Wie gestaltet sich Ihre Projekt- und Ressourcenplanung?
Ott:
Unsere Projektmanagement-Software muss intelligent „mitdenken“ und nicht schlüssige Zusammenhänge selbstständig melden, beispielsweise wenn die erhobene Stundenzahl der Mitarbeiter nicht mit den Aufträgen zusammenpasst.

Hierzu nutzen wir ein spezielles Tool für das Ressourcen-Management. Dies ist extrem wichtig, da Bauprojekte nur sehr selten im ursprünglich angesetzten Budget- und Zeitrahmen ablaufen. Wir beginnen nicht am Tag X und sind auch nicht innerhalb eines garantierten Termins fertig, da wir mit unterschiedlichsten Widrigkeiten kämpfen müssen. So gibt es keine Schönwettergarantie oder die Lieferung der benötigten Materialien verschiebt sich. Hinzu kommen Verzögerungen bei den von anderen Unternehmen geleisteten Vorarbeiten oder plötzliche Fehlzeiten der Mitarbeiter.

ITM: Wie eingangs beschrieben haben Sie sich für die Einführung eines neuen Dokumenten-Management-Systems entschieden. Wie verlief der Auswahlprozess?
Schüßler:
Ich habe verschiedene Systeme gesichtet und verglichen. Manche davon konnte ich direkt ausschließen, da sie unseren Anforderungen nicht genügen. Generell war uns wichtig, dass sowohl der Anbieter als auch die Software zu uns passen. Relevant waren auch Punkte wie die Zukunftsfähigkeit des Systems und die Skalierbarkeit, um neue Anforderungen abzudecken. Umgesetzt haben wir das Projekt letztlich mit dem Docuware-Partner Docupool aus Bruchköbel bei Hanau.

ITM: Der Hersteller bietet das DMS sowohl als On-Premises- als auch als Cloud-Variante an. Warum haben Sie sich für den Eigenbetrieb entschieden?
Schüßler:
Wir betreiben bereits einen eigenen Server im Unternehmen, dessen Kapazitäten wir für den Betrieb der neuen Software nur minimal erweitern mussten.

Ott: Grundsätzlich stellt die Nutzung von Cloud-Lösungen kein Problem für uns dar. Von daher teilen wir auch nicht die Ängste anderer Unternehmen, die denken, ihre Daten wären in der Cloud nicht sicher.

Schüßler: So haben wir beispielsweise vor einiger Zeit unsere Telefonanlage auf eine Cloud-Lösung umgestellt.

ITM: Wie wurde die Lösung in die vorhandene IT integriert?
Schüßler:
Das DMS deckt heute sämtliche Unternehmensprozesse ab. Dabei werden bereits erste Anfragen und die anschließende Auftragserstellung im System erfasst und über Workflows bearbeitet. Zudem erstellen wir klassische Projektakten damit.

ITM: Wer greift auf das System zu?
Schüßler:
Im Moment greifen allein unsere Mitarbeiter in der Verwaltung wie auch im Lager auf Docuware zu. Ein nächster Schritt könnte sein, das System für unsere Partner zu öffnen. Auf diese Weise könnten wir sämtliche Ansprechpartner auf den Baustellen an das DMS anbinden.

Aktuell klappt der Zugriff auf das DMS von allen Arbeitsplätzen aus bestens, wobei über VPN-Tunnel auch remote von Zuhause aus auf das System zugegriffen werden kann.

Die Klemens Ott GmbH ...
... bietet Komplettlösungen für Dachsanierungen, Projektierung und Durchführung anspruchsvoller Abdichtungen, Dacheindeckungen, Fassadengestaltung und Bautenschutz. Der Mittelständler erstellt für private und gewerbliche Kunden nach eigenen Angaben „Dächer ohne Kompromisse“.

Branchen: Handwerk, Dienstleistungen
Standort: Miltenberg am Main
Gründung: 1960
Mitarbeiter: rund 50
www.klemensott.de


ITM: Was beinhalten die angesprochenen digitalen Projektakten?
Ott:
Nachdem eine Anfrage im DMS hinterlegt wurde, startet unmittelbar ein vordefinierter Workflow, der bestimmte Personen wie die Geschäftsführung, Arbeitsvorbereitung oder Bauleiter miteinbezieht. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass potenzielle Aufträge nicht verlorengehen. Im nächsten Schritt fließen sämtliche Informationen von der Begehung der Baustelle und den Absprachen mit Bauträgern oder Bauherren ebenfalls in die digitale Projektakte ein. Allein die Fotos, die wir im Rahmen der Begehungen und zur Dokumentation des Baufortschritts machen, werden nicht im System gespeichert.

ITM: Warum nicht?
Schüßler:
Es handelt sich um sehr viele und große Dateien, was die Darstellung und Verarbeitung im DMS erschweren würde. Von daher legen wir die ca. 150 Fotos je Bauprojekt im Windows Explorer ab.

ITM: Gibt es weitere Dateien, mit denen Sie derart verfahren?
Ott:
Ja, wir legen die komprimierten Baupläne zwar grundsätzlich in Docuware ab. Parallel dazu speichern wir die Pläne jedoch auch in der Originalgröße DIN A0 an anderer Stelle. Zudem drucken wir diese über unseren hauseigenen Plotter aus und fügen sie den „Handakten“ der Bauleiter bei.

ITM: Wie läuft die Kommunikation mit den Baustellen ab?
Ott:
Alle Baustellenmitarbeiter besitzen Smartphones und die Bauleiter darüber hinaus auch Tablets. Da die Geräte robust und bei sämtlichen Witterungen einsatzfähig sein müssen, haben wir uns gegen iOS und für die Android-Devices Galaxy Xcover 4 von Samsung entschieden.

ITM: Welche Prozesse werden mobil abgebildet?
Schüßler:
Die Mitarbeiter nehmen die Zeiterfassung in Echtzeit darüber vor. Dies ist wiederum mit einer GPS-Ortung verknüpft, wofür eine spezielle Betriebsvereinbarung getroffen wurde. Auf Basis der erhobenen GPS-Daten fließen die Arbeitszeiten der Mitarbeiter unmittelbar in die jeweilige Projektakte ein.

Ott: Während auf der Baustelle noch viele Unterlagen in Papierform vorliegen, haben wir in der Verwaltung die meisten Prozesse digitalisiert. So laufen das gesamte Bestellwesen und die Angebotserstellung digital ab. Die Dokumente werden in Docuware abgelegt, sodass man stets über die aktuellsten Informationen verfügt, um belastbare Materialkalkulationen zu realisieren.

Schüßler: Generell besitzen wir alle Möglichkeiten für ein papierloses Büro, auch da wir alle eingehenden Rechnungen digital ablegen. Überdies erfolgt die anschließende Rechnungsprüfung und -verarbeitung ausschließlich in einem von uns definierten Workflow in Docuware.

ITM: Können Sie dies näher erläutern?
Schüßler:
Die meisten Rechnungen treffen mittlerweile als PDF-Dateien bei uns ein. Sie werden von der Rechnungsprüfung auf ihre Richtigkeit hin geprüft, mit den Bestellungen abgeglichen und den entsprechenden Mitarbeitern zur Freigabe vorgelegt, wobei wir auch mit Stellvertreterregelungen arbeiten. Fällt die Freigabe positiv aus, erfolgt die Buchung automatisch. Auf diese Weise können wir mögliche Skontofristen einhalten und damit bares Geld sparen. Apropos Skonto: Unsere Buchhaltung wird aktiv darüber benachrichtigt, wenn Rechnungen mit solchen Fristen bei uns eingehen, sodass diese bevorzugt bearbeitet werden können.

Ott: Früher sind viele Rechnungen länger liegengeblieben. Befand sich darunter eine 30.000-Euro-Rechnung mit Skontofrist, dann gingen uns einfach 900 Euro durch die Lappen.

Generell sieht das DMS auch die Möglichkeit vor, Dokumente gleichzeitig von mehreren Personen bearbeiten zu lassen, ohne dass ein Versionschaos entsteht.

ITM: Inwieweit haben Sie ältere Unterlagen digitalisiert?
Schüßler:
Wir haben alle Rechnungen aus den Jahren 2017 und 2018 sowie wichtige Verträge im DMS hinterlegt.

Ott: Bereits im Jahr 2016 wollten wir mit Elo Office ein anderes Dokumenten-Management-System einführen. Allerdings sind wir dabei schnell an die Grenzen der Software gestoßen, da diese eher für kleine Betriebe mit geringerem Dokumentenaufkommen konzipiert ist.

ITM: Hat dieser Anbieter nicht auch eine Professional-Variante in petto?
Ott:
Ja, wobei wir diese nicht nutzen wollten. Unsere Mitarbeiter sollten nicht im Hinterkopf behalten, dass sie mit der vorherigen Lösung desselben Anbieters nicht sehr weit gekommen sind.

ITM: Wie verlief der Umstieg auf das DMS von Docuware?
Ott:
Wir konnten alle bereits digitalisierten Dokumente, darunter viele laufende Projektakten, reibungslos in das DMS migrieren.

Schüßler: Während es im vorherigen System eine sehr starke Gliederung und viele verschiedene Hierarchieebenen gab, wollten wir dies nun deutlich straffen. Deshalb arbeiten wir inzwischen mit so wenig Dokumententypen wie möglich. Unser Dreh- und Angelpunkt stellt die Projektnummer dar. Hinzu kommen dreizehn Dokumenttypen, besondere Betreffzeilen oder spezifische Beschreibungen der Mitarbeiter.

ITM: Wie erwähnt liegen auf den Baustellen noch einige Informationen in Papierform vor. Welches Potenzial sehen Sie hier für eine Digitalisierung?
Ott:
Wir wollen künftig sämtliche Baustellenunterlagen digital abbilden, sodass der Zugriff auf relevante Eckdaten gewährleistet ist: Wann treffen die nächsten Materiallieferungen ein? Wo lassen sich benötigte Schuttcontainer bestellen? Mit welchem Gerüstbauer wird auf der Baustelle zusammengearbeitet? Wie sind die Verantwortlichen von Bauträger und Generalunternehmen vor Ort ansprechbar?

Schüßler: In den Projekten selbst kommt es häufig zu Änderungen im Ablauf oder zu neuen Details bei der Planung. Künftig wollen wir den Beteiligten alle Neuigkeiten in Echtzeit zentral zur Verfügung stellen. Bislang arbeiten wir hier noch mit E-Mail-Verteilern. Dabei kommt es vor, dass wichtige Informationen in den Mail-Accounts versanden. Mittels standardisierter Workflows wollen wir daher die Kommunikation nicht nur innerhalb der Verwaltung, sondern auch im Zusammenspiel mit den Baustellen neu strukturieren und verbessern.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.


ITM: Welche DMS-Funktion schätzen Sie am meisten?
Ott:
Ich kann mir die Projektakten komplett ansehen, wobei mitunter mehrere hundert Dokumente in einer Akte abgelegt sind. Dank einer integrierten intelligenten Suchfunktion finde ich alle benötigten Informationen auf Anhieb.

ITM: Was würden Sie Mittelständlern, die eine DMS-Einführung planen, mit auf den Weg geben?
Ott:
Bei der Einführung handelt sich um einen längeren Prozess, in dessen Rahmen man Geduld an den Tag legen und die Nutzer eng mit einbinden muss. Wir selbst sind zunächst bei einigen Mitarbeitern auf Widerstand gestoßen. Aufgrund der hohen Zeitersparnis konnten wir diese jedoch schnell vom Vorteil der Dokumenten-Management-Lösung überzeugen.

ITM: Gibt es Sicherheitsvorgaben, denen Sie entsprechen müssen, insbesondere da Ihre Mitarbeiter in großen Höhen unterwegs sind?
Schüßler:
Die Dachdecker müssen vor Arbeitsbeginn handschriftlich eine Checkliste zur Arbeitssicherheit ausfüllen. Diese beinhaltet u.a. folgende Fragen: Werden Helme benötigt? Liegt die Gerüstfreigabe vor? Sollte etwas nicht passen, dokumentieren die Mitarbeiter dies per Foto und leiten dieses per Messenger an den Bauleiter weiter.

Ott: Leider kommen nur rund 30 Prozent dieser Checklisten in der Verwaltung an. Durch deren Digitalisierung wollen wir die Rücklaufquote enorm steigern. Dabei planen wir, dass die Mitarbeiter erst den Sicherheitscheck bestätigen müssen, um sich in die Zeiterfassung einloggen zu können.

ITM: Warum ist diese Sicherheitsabfrage so wichtig?
Schüßler:
Da wir auf den Baustellen nicht alleine arbeiten, kann es durchaus sein, dass von heute auf morgen Entscheidendes verändert wurde. So könnten die Maler Kleinigkeiten an den Gerüsten verändert haben. Oder es wurden Lichtkuppeln auf dem Dach ausgebaut, sodass dort nun Löcher klaffen, die sich schnell übersehen lassen.

ITM: Inwieweit könnten mittelständische Dachdeckerbetriebe heutzutage überhaupt noch ohne IT-Unterstützung arbeiten?
Schüßler:
Das Handwerk an sich bleibt ausführbar, allerdings würden sämtliche Prozesse in der Verwaltung und Baustellenorganisation stillstehen, z.B. wenn keine Materialien mehr nachgeordert werden könnten. Auch müsste man bei größeren Ausschreibungen passen, da manuelle Kalkulationen mit einem extrem hohen Aufwand verbunden sind.

ITM: Funktionierende IT-Prozesse sind demnach kritisch für Ihr Geschäftsmodell. Wie haben Sie vor diesem Hintergrund Backup und Hochverfügbarkeit geregelt?
Schüßler:
Wir spiegeln sämtliche Daten und Systeme. Zudem arbeiten wir hinsichtlich der Cybersicherheit mit der ITPC GmbH, einem Managed-Security-Services-Anbieter aus Miltenberg, zusammen, der unser Netzwerk und unsere Systeme mit Antiviren-Software, Firewalls etc. absichert.

ITM: Lassen Sie uns einen Blick nach vorne werfen: Welche IT-Vorhaben wollen Sie zukünftig umsetzen?
Ott:
Wir wollen die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Baustellen und der Verwaltung verbessern, sodass alle Bauleiter, Handwerker und Büromitarbeiter stets auf dem gleichen Wissensstand sind. Das Ziel ist die digitale, transparente Dokumentation sämtlicher Abläufe auf den Baustellen.

Schüßler: Momentan arbeiten wir daran, konkrete Arbeitsanweisungen für einzelne Handgriffe zu erstellen. Zum Hintergrund: Unsere Handwerker betreuen nicht immer die gleichen Bauprojekte, von daher sollten sie rund um die Dachgestaltung unterschiedlichste Aufgaben übernehmen können. Die Anweisungen erhalten die Mitarbeiter dann über herkömmliche Devices oder künftig auch über Wearables wie Smart Glasses.

ITM: Was beinhalten solche Arbeitsanweisungen?
Schüßler:
Es handelt sich um konkrete Ausführungsrichtlinien, für die wir nicht nur Fotos, sondern auch Videos nutzen wollen. Auf diese Weise kreieren wir quasi ein eigenes „Klemens-Ott-Wiki“ in unserem Intranet.

Ott: Über diese Plattform können wir Wissen konservieren. Wie wichtig dies ist, stellten wir erst kürzlich fest, als drei langjährige Mitarbeiter fast zeitgleich in den Ruhestand gegangen sind. Deren Know-how und langjährige Erfahrungen werden auf der Baustelle schmerzlich vermisst.

Ein weiteres Zukunftsprojekt sieht die Inbetriebnahme von Drohnen vor. Dafür verfügen bereits alle unsere Bauleiter über einen entsprechenden Führerschein.

ITM: Welche Vorteile versprechen Sie sich davon?
Ott:
Mit Drohnen lassen sich die Dächer mit geringem Aufwand nach Schäden absuchen. Interessant ist außerdem die Verbindung des Fluggeräts mit einem Aufmaß-Tool, womit die Berechnung der Gebäudemaße deutlich einfacher wird. Aktuell müssen wir jedoch noch jeden Drohnenflug offiziell genehmigen lassen. Hier gilt es, die Rechtslage rund um Drohnenflüge zu klären.

ITM: Alle Welt spricht aktuell von der Digitalisierung. Was fällt Ihnen zu diesem Schlagwort ein? Wie ist es um die Digitale Transformation im Handwerk bestellt?
Ott:
Die Digitalisierung ist im Bauwesen nicht mehr wegzudenken. So wird die Erstellung der Aufmaße zunehmend über Lasertechnologien und Software-Tools realisiert. Doch davon, dass Roboter unsere Arbeit übernehmen und Dachziegel anbringen werden, sind wir noch weit entfernt. Ein Trend hingegen geht in Richtung Automatisierung. So gibt es immer mehr vorgefertigte Bauelemente, die nur noch nach oben gehievt und kaum noch verarbeitet werden müssen.

Unseren eigenen Betrieb sehe ich in Sachen Digitalisierung klar als Vorreiter. Sicherlich könnten auch wir viel „digitaler“ sein, allerdings ist zum einen die Finanzierung von Digitalprojekten alles andere als günstig. Zum anderen hat auch unsere Branche mit einem zunehmenden Fachkräftemangel zu kämpfen.

Schüßler: Ein weiteres wichtiges Bauthema ist das „Building Information Modeling (BIM)“. Dahinter steckt eine ganzheitliche Planung von Gebäuden, sodass diese auf Bildschirmen als 3D-Modelle bis ins letzte Detail angezeigt werden können. Zu sehen sind u.a. alle geplanten Leitungen, Leisten, Lüftungskanäle, Steckdosen und Abwasserrohre.

ITM: Sie erwähnten im Verlauf des Gesprächs Ihre enorme Abhängigkeit vom Wetter. Wie gehen Sie damit um?
Ott:
Bauarbeiten sind von jeher stark witterungsabhängig. Ein Beispiel: Als wir diesen Sommer Temperaturen über 40 Grad verzeichneten, haben unsere Mitarbeiter morgens um 5 Uhr auf der Baustelle angefangen. Denn ab einer bestimmten Temperatur lassen sich manche Materialien nicht mehr verarbeiten. So verbiegen sich beispielsweise Metallteile bei zu großer Hitze.

Schüßler: Aktuelle Informationen zu Hitze-, Niederschlags- oder Unwetterwarnungen geben wir via Messenger an die Baustellenleiter weiter. Darüber hinaus haben die Mitarbeiter eigene Wetter-Apps und einen Regenradar auf ihren mobilen Endgeräten installiert, anhand derer sie ihre Planungen vornehmen können und dann eben keine Dächer abdecken, wenn Starkregen angekündigt wird.

ITM: Inwieweit berücksichtigen Sie mögliche Schlechtwetterperioden in der Personalplanung?
Ott:
Es gibt geteilte Arbeitszeiten. Das bedeutet, dass wir über die wärmeren, helleren Monate hinweg 42,5 Stunden die Woche arbeiten. Im Winter – in der Regel von Oktober bis März – gibt es hingegen eine Regelarbeitszeit von 37,5 Stunden.

ITM: Wie oft müssen Sie Dächer im Winter von Schnee frei räumen?
Ott:
Wir gehören der bundesweiten Vereinigung der „100 Top-Dachdecker“ an, die solche Räumarbeiten bei Bedarf übernehmen. Dabei geht es in erster Linie um große Dachflächen, etwa bei Postzentren oder Logistikhallen.

Allerdings gibt es Ausnahmesituationen. Als es im vergangenen Winter in Bayern tagelang schneite, haben Dachdecker gemeinsam mit der Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk auch die einsturzgefährdeten Dächer von Privathäusern geräumt.

ITM: Und wie sieht es mit Starkregen aus? Könnte dieser nicht insbesondere für Flachdächer gefährlich werden?
Ott:
Nein, wobei dieser Umstand dem aktuellen Klimawandel geschuldet ist: Denn gemäß baurechtlicher Vorschriften müssen in Deutschland mittlerweile in allen Dächern entsprechende Notüber- oder -abläufe eingebaut werden.

Dieses Beispiel zeigt, wie sich unser Geschäftsfeld aufgrund der immer häufiger werdenden Unwetter und dem zunehmenden Starkregen verändert hat. Anders als in den Küstenregionen gab es bei uns früher nur ab und an Aufträge zur Sturmsicherung von Dächern. Dies kommt nun viel häufiger vor. Zudem existierten vor 20 Jahren bei Dachkonstruktionen keine Notüberläufe. Heute hingegen sind Notüberläufe der Normalfall, obwohl deren Installation mit erheblichen Kosten verbunden ist. Ein Notüberlauf für eine große Industriehalle kann durchaus zwischen 80.000 und 100.000 Euro kosten.

Bildquelle: Claus Uhlendorf

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