Zukunftssichere Plattform

Mit Open-Source-CMS Kosten sparen

Im Interview meint Kian T. Gould, Gründer und CEO der AOE GmbH, dass sich manche Unternehmen noch von einem wahrgenommenen Mangel an Sicherheit bei Open-Source-CMS abschrecken lassen. Diese Legende einer eher schlechteren Security sei aber in der Zwischenzeit widerlegt worden.

Kian T. Gould, AOE

„Der CMS-Markt verändert sich gerade schleichend, aber trotzdem fundamental“, meint Kian T. Gould, Gründer und CEO der AOE GmbH.

ITM: Herr Gould, welchen Stellenwert haben heutzutage Open-Source-Content-Management-Systeme (CMS) im Vergleich zu Standard-Content-Management-Software?
Kian T. Gould:
Open-Source-Content-Management-Systeme haben einen sehr hohen Stellenwert. Derzeit werden mehr als 80 Prozent aller CMS-basierten Websites mit Open-Source-Lösungen verwaltet.

ITM: Wie gestaltet sich das derzeitige Interesse des Mittelstands an Content-Management-Systemen auf Open-Source-Basis?
Gould:
Mittelständische Betriebe favorisieren in der Mehrheit klar Open-Source-CMS-Lösungen über proprietäre Systeme.

ITM: Was hält das eine oder andere Unternehmen noch von Open-Source-Modellen im CMS-Bereich ab?
Gould:
Manche Unternehmen lassen sich noch von einem wahrgenommenen Mangel an Sicherheit bei Open-Source-CMS abschrecken. Diese Legende einer eher schlechteren Security ist aber in der Zwischenzeit widerlegt worden. So hat beispielsweise das Deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bereits 2013 in einer Studie zum Thema festgestellt, dass die Umsetzung des Sicherheitsprozesses bei den untersuchten Open-Source-CMS-Lösungen einen technischen Stand erfüllt, „den selbst viele unter Zeitdruck erstellten kommerzielle Softwarepakete nicht erreichen“. Ein anderes Thema, das Unternehmen bezüglich Open Source zögern lässt, ist das ganze Thema Haftbarkeit. Wer ist in der Open-Source-Konstellation zuständig, wenn irgendetwas schief geht? Da aber die meisten Open-Source-Projekte von Webagenturen oder -Dienstleistern implementiert werden, erübrigt sich diese Frage meist.

ITM: Welche Vorteile und Möglichkeiten bieten sich jenen Unternehmen, die auf Open-Source-CMS vertrauen?
Gould:
Open-Source-Lösungen bieten wichtige Vorteile gegenüber proprietären Systemen. Hier wäre zuerst das Thema Vendor-Lock-in zu erwähnen. Bei einem proprietären System sind sie vom Hersteller der Software abhängig und können z.B. nur sehr schwer – wenn überhaupt – individuelle Anpassungen der Lösung vornehmen lassen. Darüber hinaus sind proprietäre CMS oft kostspieliger als Open-Source-Lösungen, u.a. auch deswegen, weil bei proprietären Systemen in der Regel hohe Lizenzgebühren anfallen. Ein weiterer Nachteil von proprietären Systemen ist die fortschreitende Marktkonsolidierung; es kann einem Unternehmen passieren, dass das eingesetzte CMS nicht mehr unterstützt wird oder dass der Hersteller bzw. Entwickler der Software ganz verschwunden ist. Bei den etablierten Open-Source-Lösungen besteht diese Gefahr nicht. Positiv betrachtet können Unternehmen mit einem Open-Source-CMS Kosten sparen und wesentlich schneller auf Marktentwicklungen reagieren. Außerdem verfügt ein Unternehmen mit Open Source über eine zukunftssichere und skalierbare Plattform.

ITM: Inwiefern bedeutet „Open Source“ tatsächlich Kostenfreiheit und mehr Flexibilität?
Gould:
Eines der wichtigsten Merkmale eines Open-Source-CMS ist tatsächlich die Flexibilität. Als Anwender ist man unabhängig von einem einzigen Hersteller und kann die Software so einsetzen, wie man es für richtig hält, unabhängig von Lizenzauflagen von proprietären Systemen. Für mich ist dies wichtiger als die Kosteneinsparung, die mit den nicht vorhandenen oder geringeren Lizenzgebühren einhergeht. Dennoch gilt es zu betonen, dass auch Open-Source-Projekte nicht kostenfrei sind. Dadurch, dass die Lizenzkosten wegfallen oder zumindest erheblich tiefer sind, steht mehr Budget für Individualanpassungen zur Verfügung. Unter dem Strich entsteht so für den Kunden ein besseres Endprodukt.

ITM: Was sind die Nachteile und Hürden von Open-Source-CMS im Vergleich zu Standardsoftware?
Gould:
Sowohl proprietäre wie Open-Source-CMS sprechen je nach Produkt unterschiedliche Zielgruppen an und decken dabei verschiedene Anforderungen ab. Pauschale Nachteile gibt es bei Open-Source-Lösungen nicht; der Kunde sollte aber immer vergleichen und abwägen, was für ihn am geeignetsten ist. Eine lizenzkostenfreie Open-Source-Lösung kann deutlich besser sein als ein proprietäres System, das 250.000 Euro kostet, aber es ist immer sehr produktabhängig. Bloß weil ein CMS aber Open Source ist, gibt es keinerlei Nachteile, die die Vorteile überwiegen würden.

ITM: Welche Kriterien sollte ein gutes CMS erfüllen?
Gould:
Für mich sind drei Punkte entscheidend: Ein gutes CMS muss leicht zu bedienen sein. Es muss sauber strukturiert sein, damit die Integration in die vorhandene IT-Infrastruktur so einfach wie möglich umgesetzt werden kann. Und ein CMS ist dann gut, wenn der Endanwender gar nicht merkt, dass es überhaupt da ist.

ITM: Wie gestaltet sich die jeweilige Kompatibilität/Integrierbarkeit zu/mit anderen Systemen?
Gould:
Manche CMS bieten Standard-APIs, mit denen umliegende Systeme eingebunden werden können. Die meisten CMS sind durch Extensions und Module erweiterbar und stellen für gebräuchliche Anbindungen entsprechende Funktionalität zur Verfügung.

ITM: Welche Anforderungen stellen Open-Source-CMS an die Leistungs- und Konfigurationsfähigkeit eines verwendeten Servers?
Gould:
Diese Frage kann nicht allgemein beantwortet werden. Die Anforderungen sind jedoch vergleichbar mit denen, die auch ein proprietäres System an die Serverumgebung stellt.

ITM: Wonach entscheidet sich, ob ein Open-Source- oder Standardmodell für ein Unternehmen in Frage kommt?
Gould:
Die Grundlagen einer solchen Entscheidung sind heute nicht mehr so klar zu greifen, da es keine objektiven Gründe mehr gibt, nicht auf Open Source zu setzen. So entscheidet meist der Funktionsumfang der Lösung, welches System ausgewählt wird.

ITM: Wie sollten Mittelständler bei der Anbieter- bzw. Lösungsauswahl vorgehen?
Gould:
Mittelständler – und auch größere Unternehmen – sollten systematisch vorgehen. Ein Prozess, der sich für alle bewährt hat, läuft in etwa wie folgt ab. Als erstes erarbeitet das Unternehmen einen „Anforderungskatalog“. Danach sollten firmenpolitische und juristische Fragen geklärt werden, etwa welche Technologie aus internen Motiven favorisiert werden soll oder ob bestehende Rahmenverträge einen Hersteller begünstigen. Als drittes trifft die Firma eine Vorauswahl von maximal sieben Anbietern, die sogenannte „Long List“, und fordert Informationen an (RFI = Request for Information). Nach Erhalt der Informationen wird die Liste auf maximal drei Anbieter reduziert („Short List“), von denen dann umfangreiches Material angefordert wird (RFP = Request for Proposal). Abschließend werden diese drei Anbieter für eine Präsentation des Unternehmens, des Vorgehens und des Lösungsansatzes eingeladen. Für die richtige Entscheidung ist es essenziell, dass Dienstleister und Lösung gleichermaßen berücksichtigt werden. Es nützt nichts, ein gutes System auszuwählen, aber grundsätzliche Differenzen mit dem Anbieter zu haben. Umgekehrt gilt natürlich auch, dass es wenig sinnvoll ist, einen Anbieter auszuwählen, bloß weil er einem sympathisch ist, man aber nicht von den Qualitäten der Lösung überzeugt ist.

ITM: Mit welchem Aufwand ist die Einführung eines Open-Source-CMS verglichen zu einem Standardsystem verbunden?
Gould:
Der Aufwand ist bei der Einführung vergleichbar – ganz gleich, ob man eine proprietäre oder eine Open-Source-Lösung implementiert. In der Regel trifft es jedoch zu, dass die Gesamtkosten bei Open-Source-Projekten leicht geringer sind.

ITM: Wie ist es um die Sicherheit sowie Zukunftsfähigkeit von Open-Source-CM-Modellen bestellt?
Gould:
Wie bereits erwähnt, sind Open-Source-CMS sowohl sicher als auch zukunftssicher. Open Source wird sich mittel- bis langfristig als das erfolgreiche Modell für CMS-Lösungen durchsetzen.

ITM: Wie gestaltet sich der Support durch den Hersteller bzw. Entwickler bei Open-Source-Modellen?
Gould:
Manche Hersteller bzw. Entwickler bieten ihren Kunden Support an. Meist ist jedoch so, dass Unternehmen mit Agenturen zusammenarbeiten – oft über Jahre. Diese Agenturen bieten auch den notwendigen Support an. Darüber hinaus besteht durch die langjährige Geschäftsbeziehung ein Vertrauensverhältnis, das beiden Seiten zugutekommt. Dies wirkt sich auch positiv auf das Projekt an sich aus.

ITM: Welcher Trend ist im CMS-Bereich abzusehen? Wohin geht es zukünftig?
Gould:
Der CMS-Markt verändert sich gerade schleichend, aber trotzdem fundamental. CMS sind in den letzten drei Jahren mehr und mehr zur Massenware geworden. Sozusagen die Basis, von der man als Unternehmen startet. Viel wichtiger sind mittlerweile Funktionalität und Prozessunterstützung auf Webplattformen. Wir beobachten dabei, dass die traditionellen CMS eher in den Hintergrund treten und E-Commerce-, PIM- und CRM-Systeme wichtige Funktionalität übernehmen.

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok