Welcher Server geht in die Knie?

Monitoring-Tools fürs Rechenzentrum

Welcher Server geht im Rechenzentrum gleich in die Knie? Welcher Router macht gerade Macken? Antworten darauf liefern entsprechende Monitoring-Tools, wie Fabian Konitzko, Partner Account Manager bei Paessler, erklärt.

Fabian Konitzko, Paessler

Fabian Konitzko, Partner Account Manager bei Paessler

ITM: Herr Konitzko, auf welche Funktionen sollten Anwenderunternehmen heute bei der Auswahl eines neuen Infrastrukturmanagements für ihre Rechenzentren und Server-Räume (neudeutsch: Data Center Infrastructure Management, DCIM) vor allem achten?
Fabian Konitzko:
Als Hersteller einer Monitoring-Lösung liegen unser Fokus und unsere Expertise auf den Monitoring-Aspekten einer DCIM-Lösung. Hier ist vor allem wichtig, dass die Lösung möglichst breit aufgestellt ist, um das gesamte Monitoring mit einer Anwendung abdecken zu können. Dazu gehören Features wie das Monitoring von Hardware ebenso wie von Applikationen. Klassische Netzwerkkomponenten wie Router, Switche oder Firewalls sollten ebenso integriert werden können wie Server und Peripheriegeräte oder auch Umgebungssensoren zur Kontrolle von Feuchtigkeit oder Temperatur. Dabei sollten möglichst viele Geräte und Protokolle im Standard unterstützt werden, allerdings kann bei der Vielzahl unterschiedlicher Geräte und Applikationen keine Lösung auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Daher ist es besonders wichtig, dass eine dokumentierte API vorhanden ist, um nichtstandardisierte Komponenten in das zentrale Monitoring einbeziehen zu können.

ITM: Inwieweit lässt sich mit DCIM-Software der gesamten Lebenszyklus eines Rechenzentrums (z.B. Planung, Konstruktion, Bau, Betrieb, Ablösung alter Hardware etc.) abbilden?
Konitzko:
Geeignete DCIM-Lösungen liefern eine Reihe von Features, die hier greifen:
o    Langfristiges Speichern und Analysieren historischer Daten
o    Abrufen von Geräteinformationen
o    Einfaches Abbilden von Strukturen in übersichtlichen Maps
o    Benachrichtigungsmechanismen im Fall von individuell definierbaren Grenzwerten

Damit können Geräte, Applikationen und Strukturen eines Rechenzentrums umfassend und übersichtlich und über Jahre hinweg abgebildet und kontrolliert werden.

ITM: Welche Analyse-Features sollte eine DCIM-Lösung auf jeden Fall aufweisen können?
Konitzko:
Neben der Unterstützung möglichst vieler Standards (SNMP, Flow, Sniffing, WMI, Eventlog-Management …) sollte die Lösung folgende Features bieten:
o    Benachrichtigungen auf Basis individuell definierbarer Grenzwerte
o    Speichern der Daten im Originalintervall (RAW-Daten) für unbegrenzte Zeit
o    Erkennen von ungewöhnlichem Verhalten („unusual Behavior“)
o    Geräte- und applikationsübergreifendes Erkennen von Verhaltensmustern um versteckte Zusammenhänge aufzudecken

ITM: Welche Herausforderungen kommen mit aktuellen Infrastrukturtrends wie Software-defined everything (Software-defined Storage, Software-defined Networks, Software-defined Data Center) auf DCIM-Anbieter und ihre Lösungen zu?
Konitzko:
Der Markt hat sich in diesen Bereichen noch nicht konsolidiert und die verschiedenen Hersteller arbeiten mit zum Teil konträren Ansätzen. Der Aufwand, alle aktuell auf den Markt drängenden Systeme zu integrieren, würde die Kosten für die DCIM-Lösung in Bereiche treiben, die für die meisten mittelständischen Unternehmen nicht mehr vertretbar sind. Hier heißt die Strategie abwarten und dann gezielt die erfolgreichen Systeme integrieren. Nachdem SDN und verwandte Trends gerade im Mittelstand noch weit von einer Marktdurchdringung entfernt sind, besteht aktuell für DCIM-Lösungen, die sich gezielt an kleinere und mittlere Unternehmen wenden aus unserer Sicht noch kein akuter Handlungsbedarf.

ITM: Stichwort Cloud Computing: Inwieweit übernehmen aktuelle DCIM-System die Verwaltung hybrider Cloud-Infrastrukturen? Worauf kommt es hierbei vor allem an?
Konitzko:
Voraussetzung zur Verwaltung hybrider Cloud-Infrastrukturen ist die Ausstattung der DCIM-Systeme mit entsprechenden Features zur Überwachung der internen Systeme auf allen Ebenen (Hardware, Virtualisierungs-Software, Applikationen) ebenso wie der gängigen Cloud-Anbieter, so dass die komplette Infrastruktur mit einer Lösung erfasst, überwacht und dargestellt werden kann.

ITM: Anbieter sogenannter „hyperkonvergenter Systeme (Hyperconvergence)“ integrieren gewisse Management-Tools bereits in Ihrer Gesamtlösung. Was bedeutet dies für den DCIM-Markt? Werden eigenständige DCIM-Tools künftig gar obsolet werden?
Konitzko:
Die meisten Hersteller hochwertiger Hard- und Software-Lösungen bieten spezielle Management-Tools für ihre Produkte an und trotzdem besteht Bedarf an einer zentralen Lösung, die den Überblick über alle Komponenten erlaubt. Ein Rechenzentrum besteht auch beim Einsatz hyperkonvergenter Systeme aus weit mehr als nur diesen: Da müssen Umgebungsparameter einbezogen werden, Applikationen, zusätzliche Netzwerkgeräte, externe Anbindungen etc. Vor allem in kleineren und mittleren Firmen werden aufgrund der Kosten kaum komplette Rechenzentren ausschließlich mit hyperkonvergenten Systemen ausgestattet werden. Aber gerade hier sind in der Regel die Teams klein und ausgelastet, so dass ein zentraler Überblick über die komplette Infrastruktur unverzichtbar ist.

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