Zertifikate erleichtern die Auswahl

Nachhaltigkeit ist angesagt

Der Einsatz unabhängig zertifizierter IT-Produkte kann helfen, die Kosten zu senken und gleichzeitig auch Gutes für die Umwelt zu tun.

Anfang September hat die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung eine Kennzeichnung besonders umweltschädigender Produkte, unter anderem in der Elektronik gefordert. Die SZ sprach von einem „zweiten Preisschild“. Zweifellos ist eine entsprechende Kennzeichnung durchaus sinnvoll. Für die Einkäufer in den Unternehmen kann dies ein durchaus interessanter, zusätzlicher Aspekt sein, sich für oder gegen ein Produkt zu entscheiden.

Große Unternehmen sind dabei aufgrund der Abnahmemengen eher in der Lage, schnell und direkt massiven Einfluss in Richtung Nachhaltigkeit auf ihre Lieferanten auszuüben, als kleine Betriebe. Letztere sind auf die Empfehlungen ihrer IT-Systemhäuser angewiesen, die in vielen Fällen selbst kleine und mittlere Unternehmen sind. Oft verfügen sie kaum über ausreichende Ressourcen, um den recht unübersichtlichen Markt nach Preisen, Funktionalität und Verfügbarkeit zu prüfen. Außerdem können sie die herstellereigenen Angaben zur Umweltverträglichkeit von IT-Produkten nicht verifizieren – zumal deren Aussagekraft ohnehin nicht sehr groß ist, da die Hersteller ihre Zielparameter selbst definieren. Transparenz? Fehlanzeige. Dabei gibt auch die Iso (International Standards Organization) längst eine internationale Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeitsprüfungen vor. Festgehalten ist dies in Iso 14024. Dabei gehen die Ansätze deutlich weiter als der aus dem Bundesumweltministerium. Es soll die Umweltverträglichkeit des gesamten Lebenszyklus betrachtet werden. Zudem ist es wichtig, nicht alle IT-Produkte über einen Kamm zu scheren. Bei einigen Produkten fällt nicht nur der Energieverbrauch während des Betriebs als „Verbrauchsmaterial“ ins Gewicht, sondern auch andere Materialien wie Papier und Toner spielen eine Rolle.

Eine der bekanntesten Organisationen, die bei der Nachhaltigkeitsprüfung genau diese Differenzierung bereits vornimmt, dürfte wohl TCO Development aus Schweden sein. TCO Development ist die Tochter von TCO, einer schwedischen Non-Profit-Organisation, die sich u.a. um Nachhaltigkeit kümmert und international sowie herstellerunabhängig agiert. Diese Unabhängigkeit ist gleichzeitig ein wichtiges Kriterium für die Zertifizierung von Unternehmen und Produkten, denn es geht auch hier stark um Glaubwürdigkeit. Und noch etwas spielt eine wichtige Rolle: Nachhaltigkeit ist nicht nur Rohstoffverbrauch in der Produktion. Die Schweden betrachten daher den gesamten Lebenszyklus von der Herstellung über den Gebrauch bis hin zur Entsorgung der Produkte – mit Betrachtungen weit über das eigentliche Produkt hinaus.

Gibt es gesundheitsschädliche Faktoren?

Denn schon heute üben zahlreiche Verbände insbesondere in den USA und mittlerweile auch vermehrt in Europa, Druck auf die IT-Hersteller aus, dabei aber nicht nur technische Aspekte, wie dem Rohstoffverbrauch, heranzuziehen. Genauso fordern sie, sowohl soziale Aspekte als auch die Umweltverträglichkeit des Herstellungsprozesses zu berücksichtigen. Auch der nächste Abschnitt im Lebenszyklus eines IT-Produktes ist im Sinne der Nachhaltigkeit mehr als nur der Ressourcenverbrauch. Wichtig ist auch: Welchen gesundheitsschädlichen Faktoren sind Mitarbeiter ausgesetzt? Ernsthafte Tests untersuchen daher weitere Aspekte wie die Ergonomie, elektromagnetische Abstrahlung, chemische Ausdünstungen wie das langsame Verdampfen von Weichmachern oder anderen Chemikalien aus dem Kunststoff und vieles andere mehr.

Aber auch der letzte Teil des Produktlebens darf bei einer Nachhaltigkeitsprüfung nicht außer Acht gelassen werden. Dazu gehört u.a. der Entsorgungsweg mit einer möglichst hohen Recyclingquote einzelner Teile des Produkts genauso wie die fachgerechte Endlagerung oder Vernichtung der Elemente, die nicht mehr verwendet werden können. Dass eine derart umfangreiche Prüfung – mit entsprechender Zertifizierung – für IT-Produkte sehr sinnvoll ist, steht außerhalb jeder Diskussion. Für Unternehmen, die IT-Produkte einkaufen, besteht hier direkt die Möglichkeit auf höhere Nachhaltigkeit und somit mehr Umweltverträglichkeit Einfluss zu nehmen. Dies geschieht, indem sie ihre Lieferanten verpflichten, ausschließlich zertifizierte Telefone, Monitore, Desktop- oder All-in-One-PCs, Tablets, Projektoren und andere Geräte in den IT-Projekten anzubieten. Je mehr Einkäufer hier indirekt Druck auf die Hersteller ausüben, desto stärker müssen diese, um überhaupt mitbieten zu können, auf Nachhaltigkeit achten.

Nachdem es bei der Zertifizierung eben nicht nur um die Herstellung, sondern auch um den umweltfreundlichen Betrieb der Geräte geht, können Firmen auf diese Weise folglich Kosten sparen, da der Energieverbrauch eine wichtige Komponente der Tests ist. Und geringer Verbrauch bedeutet niedrige Stromkosten für die Kunden. Damit ist der Einsatz zertifizierter Produkte im eigenen Interesse des anwendenden Unternehmens. Und auch in Sachen „Image“ können die Organisationen punkten: Der Ruf eines Unternehmens wird nicht zuletzt auch durch seine Verantwortlichkeit in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit geprägt. Vielen Kunden ist daher ein guter Ruf ihres Lieferanten gerade in diesem Bereich sehr wichtig. Beispielsweise könnte ein mittelständischer Automobilzulieferer sich dafür entscheiden, wo immer möglich, für Nachhaltigkeit zertifizierte IT-Produkte zu nutzen. Durch die Kommunikation seines verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen könnte er in seinem Marktsegment positiver wahrgenommen werden.  


Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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