Daten als wichtige Lebensader

Neue Generation an Data-Protection-Lösungen

Im Interview betont Sandra Adelberger, Director Product Marketing bei Acronis, dass Daten eine wichtige Lebensader für Unternehmen jeder Größe sind und man sich deshalb um die Sicherheit sorgfältig Gedanken machen sollte.

Sandra Adelberger, Acronis

„Im Alltag kämpfen vor allem Mittelständler mit der Sicherung physischer, virtueller und cloud-basierter Umgebungen sowie verschiedener Betriebssysteme“, so Sandra Adelberger, Director Product Marketing bei Acronis.

ITM: Frau Adelberger, inwieweit befassen sich Mittelständler mit dem Thema „Datensicherung“ bzw. wie ernst nehmen sie das Thema? Und welche Lösungen werden aktuell favorisiert?
Sandra Adelberger:
In den letzten Jahren wurde in der Presse häufig über Naturkatastrophen wie Erdbeben, Überschwemmungen, Orkane, Tornados und Tsunamis berichtet. Viele kleine und mittlere Unternehmen sind auf die Folgen solcher Ereignisse, wie Datenverlust, Stillstandkosten, Imageverlust bis hin zu Geschäftsverlust, aufmerksam geworden und nehmen das Thema „Datensicherung“ inzwischen sehr ernst. Außerdem sind Daten heutzutage eine wichtige Lebensader von Unternehmen jeder Größe. Doch im Alltag kämpfen vor allem Mittelständler mit der Sicherung physischer, virtueller und cloud-basierter Umgebungen sowie verschiedener Betriebssysteme. Daher ist eine Lösung, die dies berücksichtigt, dabei besonders attraktiv. Aktuelle Untersuchungen von uns in Zusammenarbeit mit IDC bestätigen, dass fast 50 Prozent der Befragten ein starkes Interesse an einer neuen Generation von Data-Protection-Lösungen haben, die einfach zu verwenden sind und die Anforderungen der hybriden Umgebungen von heute erfüllen können.

ITM: Welche Möglichkeiten bietet den Unternehmen ein Onsite-Backup, sprich eine Datensicherung vor Ort im eigenen Unternehmen?
Adelberger:
Kleine und mittlere Unternehmen müssen bei ihrer Datensicherungsstrategie verschiedene Eventualitäten berücksichtigen. Regelmäßiges Sichern auf lokalem Storage (also onsite) erlaubt beispielsweise eine schnelle Wiederherstellung nach geringfügigen Problemen, wie beschädigten oder versehentlich gelöschten Dateien. Die bereits erwähnte Studie von IDC zeigt, dass die Wiederherstellung einzelner Dateien sehr häufig vorkommt, bei 64 Prozent der Befragten mehrere Male pro Woche und bei über 30 Prozent mindestens einmal täglich. Daher ist ein erstes Backup auf ein relativ performantes Storage-Medium unerlässlich. Zudem nimmt die Wahrscheinlichkeit für eine Wiederherstellung über die Zeit auch schnell ab, so dass sich hier das Arbeiten mit einem mehrstufigen Storage-Konzept anbietet.

ITM: Wie werden die Daten in der Regel vor Ort im Unternehmen gesichert?
Adelberger:
Mehr als 70 Prozent der befragten Unternehmen verwenden mehrere Backup-Lösungen. Über 40 Prozent haben ein speziell für virtuelle Umgebungen entwickeltes Backup-Produkt erworben. Daraus ergeben sich in der Praxis die unterschiedlichsten Strategien und Umsetzungen. Wir empfehlen in der Regel eine 3-2-1-Strategie zu verwenden. Dabei werden insgesamt drei Sätze an Daten vorgehalten. Ein Satz sind die Daten, mit denen produktiv gearbeitet wird, die beiden anderen dienen zur Sicherung und sollten auf verschiedenen Speichermedien und idealerweise auch an verschiedenen Orten abgelegt werden.

ITM: Welche Probleme bringt ein Onsite-Backup mit sich? Gegen welche „Übel“ ist dieses Lösungsmodell nicht gewappnet?
Adelberger:
Ein Onsite-Backup hilft nichts mehr, wenn die komplette Unternehmenshardware und somit die ganze IT-Infrastruktur unbenutzbar wird, so wie es bei vielen Unternehmen in Deutschland letztes Jahr durch die Flutkatastrophe der Fall war. Bei einer Naturkatastrophe ist auch ein Onsite-Backup zusammen mit den Originaldaten verloren. Doch Hochwasser oder Stürme sind inzwischen auch in Deutschland keine Seltenheit mehr. In so einem Katastrophenfall kann nur ein gut geschütztes Offsite-Backup ein Unternehmen vor dem Komplettausfall und damit oft auch vor dem endgültigen Zusammenbruch bewahren. Eine externe Festplatte beispielsweise, die beim Administrator zuhause gelagert wird, wäre bei der Flut eventuell trotzdem mit betroffen gewesen.

ITM: Wie gestaltet sich im Vergleich dazu ein Offsite-Backup? Welche Methoden wenden die Unternehmen hier an, um ihre Daten außerhalb des eigenen Unternehmens zu sichern?
Adelberger:
Zielsetzung eines Offsite-Backups ist in der Regel ein Disaster Recovery. Es gibt unterschiedliche Methoden für ein Offsite-Backup außerhalb des eigenen Unternehmens. Eine traditionelle Methode, die häufig von mittelständischen Unternehmen angewendet wird, ist die Sicherung auf Tape. Vorteil dabei ist sicherlich der Kostenfaktor, denn es handelt sich bei Tape um ein recht kostengünstiges Medium. Der Nachteil besteht darin, dass es sich um ein rein sequentielles Medium handelt. Das Zurückholen von nur wenigen einzelnen Dateien dauert daher oft unverhältnismäßig lange. Und wie ja schon erwähnt, sind das in der Regel aber die häufigsten Wiederherstellungsanfragen. Auch eine externe Platte ist ein relativ kostengünstiges Medium für ein Offsite-Backup. Allerdings kann der Verwaltungsaufwand für Logistik und ordentliche Lagerung recht groß werden. Eine dritte Methode für ein Offiste-Backup ist die Sicherung in die Cloud. Manche Unternehmen adressieren das Thema „Disaster Recovery“ auch über eine Replizierung an einen anderen Standort. Da es sich dabei aber nicht um ein Backup im klassischen Sinn handelt, wird das hier nicht weiter betrachtet. Ganz egal, für welche Methode sich ein Unternehmen entscheidet: In jedem Fall ist ein regelmäßiges Testen der Wiederherstellung essentiell. Genau das wird aber in den wenigsten Unternehmen berücksichtigt.

ITM: Mit welchem Aufwand und welchen Problematiken ist ein Offsite-Backup verbunden?
Adelberger:
Der Aufwand bei Tape und externer Lagerung betrifft in erster Linie Fragen wie: Wie groß ist der benötigte Speicherplatz? Wie lässt sich das Tape/die Platte damit füllen? Passt z.B. alles auf eines, oder wesentlich relevanter, was mache ich mit dem restlichen Platz, wenn das Medium nur geringfügig befüllt wird? Wie sieht in letzterem Fall die Logistik für Hin- und Rücktransport aus? Und vor allen Dingen: Wo lagert das Unternehmen die externen Medien ordnungsgemäß? Beim Thema „Cloud“ als Offsite-Backup ergeben sich zusätzlich noch weitere Fragen wie z.B.: Wo liegen die Daten am Ende? Wer hat darauf Zugriff? Kann ich garantieren, dass nötige gesetzliche Vorgaben eingehalten werden? Welches Lizenzmodell passt für mich? Wie komme ich im Desasterfall an meine Daten? Was mache ich mit großen Datenmengen, reicht da meine Bandbreite überhaupt aus? Und wie schon erwähnt sollte ein Disaster Recovery, egal mit welchem Medium, auch regelmäßig getestet werden, damit es im Ernstfall keine bösen Überraschungen gibt.

ITM: Welche Rolle spielt das Internet beim Offsite-Backup?
Adelberger:
Beim Offsite-Backup in die Cloud spielt das Internet eine große Rolle, egal ob man eine Public oder eine Private Cloud nutzt. Sowohl eine stabile Verbindung als auch die erforderliche Bandbreite müssen gegeben sein, um ein Backup der Unternehmensdaten machen zu können und diese auch bei Bedarf wiederherstellen zu können. Ohne funktionierenden Zugriff gibt es oft auch keine Wiederherstellungsmöglichkeit.

ITM: Bei einer Cloud-Backup-Lösung kann man also im Grunde auch von einem Offsite-Backup sprechen?
Adelberger:
Ja, im Grunde kann man bei den meisten Cloud-Backup-Lösungen auch von einem Offsite-Backup sprechen. Das hängt aber sehr von der jeweiligen Lösung ab. Es gibt auch durchaus Lösungen, die sowohl eine Sicherung auf lokalem Storage als Ergänzung zur reinen Sicherung auf Cloud-Storage anbieten. Hier gilt in erster Linie, dass man die unterschiedlichen Angebote unbedingt gründlich auf die jeweiligen Bedürfnisse hin prüfen sollte. Dabei sollte man auf jeden Fall als erstes seine Anforderungen definieren. Die Angebote unterscheiden sich in der Regel in Hinblick auf Hosting-, Abrechnungs- und Servicemodelle. Und auch wenn das für einen Kunden auf den ersten Blick unrelevant erscheint, hat das große Auswirkungen auf Nutzen und Funktionsumfang eines Angebots.

ITM: Wie viel Vertrauen schenken Mittelständler der Onlinedatensicherung?
Adelberger:
Aktuelle Studien zeigen eine deutliche Tendenz zur Onlinedatensicherung. So ergab beispielsweise eine Studie von uns in Zusammenarbeit mit IDC letztes Jahr, dass knapp über 30 Prozent der Befragten mindestens 75 Prozent ihrer Daten extern sichern, um sie im Ernstfall wiederherstellen zu können; weitere 33 Prozent sichern 50 bis 74 Prozent ihrer Backup-Daten extern. Zwar findet die externe Sicherung immer mehr Anklang, doch wollen viele Unternehmen die extern gesicherten Daten in physischer Nähe, in derselben geographischen Region, aufbewahrt wissen; 85 prozent von ihnen ziehen diese Lösung wegen Performance, gesetzlicher Vorschriften und anderen Anforderungen vor. Zudem sind viele kleine und mittlere Unternehmen auf die Folgen von Naturkatastrophen aufmerksam geworden und planen jetzt Disaster Recovery, das gezielt auf virtuelle Infrastrukturen und Cloud-Dienste setzt.

ITM: Was sollten Unternehmen bei der Auswahl eines Cloud-Backup-Dienstleisters beachten? Nach welchen Kriterien sollten sie entsprechende Lösungen auswählen?
Adelberger:
Bevor sich ein Unternehmen für eine Cloud-Lösung entscheidet, sollte eine Strategie für die Einbindung der Cloud festgelegt und die genaue Anforderung an die Lösung geklärt werden. Es sollte ermittelt werden, welche Daten es gibt und wie sie in die Lösung eingebunden werden können. Habe ich vielleicht Tape im Einsatz und möchte auch diese Daten nun stattdessen mit in die Cloud sichern? Davon abgesehen sollte man sich eine Strategie in Bezug auf Sicherheit überlegen. Was möchte ich zulassen? Was möchte ich unterbinden? Und wie kann ich das mit der geplanten Lösung umsetzen? Solche Fragen sollten sich Unternehmen vorab stellen.

ITM: Welche Sicherungsmaßnahmen sind seitens der Cloud-Backup-Dienstleister unbedingt notwendig?
Adelberger:
Eine grundlegende Bedingung für die Nutzung von Cloud-Backup-Services ist die Verschlüsselung der Daten. Zusätzlich zur Verschlüsselung bei der Übertragung und Ablage empfiehlt sich unbedingt eine Verschlüsselung an der Quelle. Damit wird zuverlässig vermieden, dass Fremde auf die Unternehmensdaten zugreifen können. Darüber hinaus sollte natürlich das Datenzentrum entsprechend abgesichert sein. Hier ist beispielsweise eine SSAE-Zertifizierung wünschenswert.

ITM: Auch wenn die Cloud-Sicherung scheinbar zahlreiche Möglichkeiten bietet: Was sind gängige Probleme einer solchen Lösung? Was geschieht beispielsweise bei Internetstörungen?
Adelberger:
Mögliche Probleme, die bei einer Cloud-Sicherung auftreten können, hängen von Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit der Verbindung ab. Bei einem schnellen Netzwerk kann man im Ernstfall auch seine Unternehmensdaten schnell wiederherstellen. Bei einer Internetstörung kann beispielsweise nicht mehr auf die Daten zugegriffen werden. Damit wird auch ein Backup- oder Wiederherstellungsprozess unterbrochen und oder kann gar nicht erst durchgeführt werden. Hier sind entsprechend intelligente Mechanismen zur Wiederaufnahme der Aufgabe unbedingt erforderlich.

ITM: Welche Vertragslaufzeiten und Bezahlmodelle sind im Cloud-Backup-Bereich üblich?
Adelberger:
In Bezug auf das Bezahlmodell gibt es verschiedene Modelle auf dem Markt. Hier geht es in erster Linie um die Frage, was letztendlich abgerechnet wird. Die gängigsten sind die folgenden drei Modelle: Bei Möglichkeit A wird pro gesichertem System abgerechnet. Der Vorteil dabei liegt darin, dass Mittelständler genau wissen, mit welchen Kosten sie rechnen müssen, und sie können ihr Budget auch langfristig planen. Wenn die Daten allerdings nur in kleinen Mengen über viele Systeme verteilt sind, ist diese Variante vermutlich eher ein Nachteil, da für jedes System immer ein bestimmter Speicherplatz berechnet wird. Bei Möglichkeit B rechnet der Service-Provider nach der genutzten Storage-Menge ab. Damit bezahlt man nur für Platz, den man auch wirklich nutzt. Allerdings kann hier ein unvorhergesehener Anstieg der Datenmenge das Unternehmen kostenmäßig schnell überrollen und eine langfristige Budgetplanung sehr schwierig machen. Bei Möglichkeit C wird nach hochgeladener Datenmenge abgerechnet. Hier ist eine gute Abschätzung des zukünftigen Datenwachstums ebenso nötig wie in Modell B, um die Kosten auch längerfristig im Griff zu behalten. Ein Unternehmen sollte sich für das Bezahlmodell entscheiden, das für die eigene Kostenstruktur am besten passt. Und auch bei der Vertragslaufzeit gibt es verschiedenen Möglichkeiten. Kurze Laufzeiten bieten schnelle Wechsel- oder Erweiterungsmöglichkeiten, während lange Laufzeiten eine gewisse Planungssicherheit bieten. Auch hier sollte man sich an seiner eigenen Kostenstruktur orientieren.

ITM: Welche Schritte sollten Mittelständler letztlich bei der Erstellung einer geeigneten Backup-Strategie beachten?
Adelberger:
Es ist auf jeden Fall wichtig für Unternehmen, sich der veränderten Möglichkeiten beim Thema „Data Protection“ bewusst zu werden und die vorhandenen Backup-Strategien an neue Möglichkeiten anzupassen. Je nachdem, wie sich ein Unternehmen und seine IT-Infrastruktur in den letzten Jahren entwickelt haben, geht es heute oft nicht mehr nur um Backup als Datensicherung im klassischen Sinn. Auch die Cloud als mögliche Variante für Offsite-Backup sollte in die Strategie miteinbezogen werden. Der erste Schritt sollte auf jeden Fall eine grundsätzliche Analyse von Daten und Anforderungen sein. Bei der Suche nach einer geeigneten Lösung empfiehlt sich für die meisten Unternehmen eine Lösung, die möglichst einfach zu bedienen ist, sich flexibel an die Änderungen der IT-Infrastruktur anpassen lässt, die Absicherung und Wiederherstellung sowohl physischer als auch virtueller Systeme erlaubt, und zwar unabhängig von deren Standort, eine umfassende Sicherung von Daten erlaubt, die auf unterschiedlichen Systemen und Hypervisor gespeichert sind, sowie umfassende Funktionen für das Backup und Recovery von Daten, von kompletten Systemen sowie virtuellen Maschinen in einer Cloud-Umgebung bereitstellt.

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