US-Präsident besucht Hannover Messe

Obama macht Druck bei TTIP

Am heutigen 25. April öffnet die Hannover Messe ihre Pforten. Dort geht es um Industrieautomation und natürlich um die vielbeschworenen Szenarien Industrie 4.0 und das Internet der Dinge. Sogar Barack Obama, Präsident des Messe-Partnerlandes USA, gibt sich ein Stell-Dich-ein. Er ist auf Promotion-Tour für sein „Freihandelsabkommen“.

Freiheitsstatue

US-Präsident Obama ist auf Promotion-Tour für sein Freihandelsabkommen.

Wie immer auf Technologiemessen werden mit Sicherheit die Begriffe Innovation und Zukunftsfähigkeit in jeder Pressemitteilung und in jedem Vortrag auftauchen. Wenn es gut läuft, werden auch Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit eine Rolle spielen, denn immer mehr Unternehmen entdecken ihre umweltpolitische Verantwortung. Ob das nun daran liegt, dass die Verbraucher dies – vor allem in Deutschland – erwarten und verlangen, oder ob sich die Unternehmen ihrer Verantwortung von sich aus bewusst sind, sei einmal dahingestellt.

 

Ökologische Verantwortung


Was vor diesem Hintergrund nicht passieren sollte, ist, dass der US-Präsident sich in Sachen „Freihandelsabkommen“, dem eigentlichen Grund seines Hannover-Trips, durchsetzt: TTIP, das klandestin zwischen nicht vom Volk legitimierten Vertretern der Wirtschaft ausgekungelt wird, verspricht hinsichtlich Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung nicht viel Gutes. Was auch immer Obamas Antrieb sein mag, TTIP ist für die deutsche Wirtschaft nicht (!) alternativlos. Sie sollte sich auch nicht einreden lassen, beim Thema Digitalisierung und Internet of Things den Anschluss mehr oder weniger verpasst zu haben. Auch wenn dies von US-Unternehmensvertretern immer wieder gerne behauptet wird, lässt sich getrost sagen, dass dies Unfug ist. Deutsche Unternehmen und vor allem deutsche Mittelständler können weit mehr als Digitalisierung à la Google, Air BnB, Amazon und Facebook. Sie besitzen Prozesswissen und sind ökologisch oftmals weiter als ihre globalen Konkurrenten. (Über VW und seine Abgasbetrügereien legen wir an dieser Stelle einmal dezent den Mantel des Schweigens, ist doch gerade das Land Niedersachsen mit seiner Hauptstadt Hannover Miteigentümer des Wolfsburger Autobauers.)

Warum so geheim?


Die Vehemenz, mit der Obama und auch verschiedene Wirtschaftsvertreter in Deutschland für TTIP eintreten, macht misstrauisch, denn wären die Ergebnisse wirklich so grandios für alle Parteien, warum macht man sie dann nicht gänzlich allen zugänglich? Warum die Geheimnistuerei? Das, was bisher von diesem „Freihandelsabkommen“ bekannt wurde, lässt wenig Gutes erahnen. Denn welcher Staat möchte schon gerne von multinationalen Konzernen verklagt werden, nur weil denen nicht gestattet wurde, im Naturschutzgebiet nach Öl zu bohren oder zu fracken? Genau dies ist in Rumänien bereits geschehen.

Deutsche Unternehmen sollten auf der Hannover Messe das präsentieren, was sie seit langem stark macht: Technologieführerschaft und Innovationsbereitschaft. Sie sollten aufhören, sich ständig von ihrer US-amerikanischen Konkurrenz und deren Marketing-Profis kleinreden zu lassen. Digitalisierung kann schließlich auch in besseren Dienstleistungen rund um die marktführenden Produkte münden. Und umweltpolitisch sollten sie weiter in grüne Produkte investieren. Warum Obama ausgerechnet diese Plattform nutzt, um sein undemokratisches Abkommen zu promoten, lässt sich nur erahnen. Einlullen lassen sollten sich allerdings weder die deutsche Politik noch die deutsche Wirtschaft.

Bildquelle: Thinkstock/Bananastock

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