Besonderheiten im Open-Source-Umfeld

„Open-Source-Dienstleister sind näher dran“

Im Interview berichtet Cornelius Weiss, Team Leader Software Engineering beim IT-Dienstleister Metaways, über die Besonderheiten im Beratungsgeschäft für quelloffene Systeme.

Cornelius Weiss ist Team Leader Software Engineering beim Hamburger IT-Dienstleister Metaways

ITM: Herr Weiss, haben mittelständische Unternehmen spezielle Anforderungen an IT-Dienstleister?
Cornelius Weiss:
Unserer Ansicht nach ist der Mittelstand budget- und leistungsbewusster. KMUs haben in der Regel nur eine sehr kleine oder gar keine IT-Abteilung und benötigen deshalb eine intensivere Beratung als Großunternehmen, die oft eigenes Know-how im Haus haben. Außerdem möchten sie nicht für jedes Spezialgebiet einen eigenen Berater beauftragen, sondern alles aus einer Hand erhalten. Mittelständische Unternehmen erwarten ein Full-Service-Angebot aus einer Hand – von der Anforderungsanalyse über Technologieberatung bis hin zur Betriebsberatung. Und das zu einem günstigeren Preis, als ihn Großunternehmen bezahlen würden.

ITM: Welche Dienstleistungen sind im Open-Source-Umfeld besonders gefragt? Mit welchen Anliegen kommen Unternehmen am häufigsten auf Sie zu?
Weiss:
Ganz typisch für dieses Umfeld sind Spezialanpassungen. Im Gegensatz zu großen proprietären Lösungen wie SAP können es sich KMUs bei Open-Source-Systemen leisten, diese exakt für ihre Prozesse maßschneidern zu lassen. Auch die Einpassung in vorhandene Systemlandschaften, die bei quelloffenen Systemen wesentlich einfacher und kostengünstiger möglich ist als bei proprietärer Software, spielt eine große Rolle. Immer wichtiger wird das Design besonders sicherer Systeme. Vor allem Unternehmen aus den Branchen Metall, Elektro, Pharma und Chemie, die ja sehr stark mittelständisch geprägt sind, kommen in den letzten zwölf bis achtzehn Monaten verstärkt mit diesem Thema auf uns zu.

ITM: Unterscheiden sich Open-Source-bezogene Dienstleistungen grundsätzlich von denen für proprietäre Systeme?
Weiss:
Von den Aufgaben her nicht, das sind genau dieselben. In beiden Fällen geht es um Dienstleistungen wie Beratung, Konfiguration, Anpassung oder 1st- und 2nd-Level-Support. Der Unterschied ist allerdings, das Open-Source-Dienstleister in der Regel eine größere Expertise haben, weil sie viel näher an der Entwicklung dran sind. Ein Unternehmen, das für eine bestimmte Open-Source-Lösung Dienstleistung erbringt, kennt die Hersteller der Software meist persönlich. Die Ökosysteme in der Community sind einfach familiärer und direkter. Da kommunizieren weniger Manager und Vertriebsmitarbeiter, sondern vor allem Techniker.

ITM: Ergeben sich aus dem Open-Source-Modell besondere rechtliche Aspekte bei der Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Ihren Kunden?
Weiss:
Es gibt eine Vielzahl von Lizenzen mit den unterschiedlichsten Rechten und Pflichten. Im Gegensatz zu proprietärer Software kann ein Unternehmen nicht einfach eine Lösung lizensieren und hat dann automatisch rechtliche Klarheit. Open-Source-Lösungen sind meist gewachsene Systeme, an denen viele Personen mitarbeiten. Deshalb muss sich der Dienstleister sehr gut mit dem Thema geistiges Eigentum auskennen. Nur dann kann er den Anwendern Sicherheit bieten und gewährleisten, dass sie am Ende nicht ein System mit unklarer Rechtslage im Einsatz haben.

ITM: Was sind die wichtigsten Motive Ihrer Kunden, sich für Open Source zu entscheiden? Nur die Kostenfrage?
Weiss:
Das ist sicherlich oft ein Motiv für Unternehmen, um sich mit dem Einsatz von Open Source zu beschäftigen. Daraus resultieren aber selten Projekte, denn allein wegen der gesparten Lizenzkosten lohnt sich ein Umstieg nicht. Entgegen der landläufigen Meinung ist Open Source nämlich nicht umsonst. Wird quelloffene Software im Unternehmen eingesetzt, kostet auch das in aller Regel Geld. Allerdings mit dem Unterschied, dass sich dieses Geld gezielter einsetzen lässt – für professionelle Services und individuelle Anpassungen, die unter dem Strich eine bessere Software ermöglichen. Und das ist ein ganz entscheidendes Motiv für Unternehmen, auf Open Source zu setzen. Immer wichtiger wird – wie schon angedeutet – die Datensicherheit. Ist der Quellcode komplett offen gelegt, kann er von jedermann gelesen und geprüft werden. Geheime Hintertüren, durch die Daten ungewollt ausgelesen und versendet werden, sind damit deutlich erschwert. Das veranlasst in Zeiten von Snowden- und NSA-Affäre immer mehr Unternehmen, Open Source zu nutzen.

ITM: Welche Rolle spielen Ihrer Erfahrung nach Cloud-Lösungen im Open-Source-Umfeld?
Weiss:
Der deutsche Markt ist hier unserer Erfahrung nach sehr defensiv. Unsere Cloud-Lösungen werden von Start-ups gerne und dankend angenommen. Der Mittelstand tut sich aber damit schwer, er möchte lieber etwas Eigenes haben. Der typische Cloud-Nutzer in Deutschland ist eher das Kleinunternehmen, das auf geringe Kosten, Unabhängigkeit, kurze Vertragslaufzeiten und große Agilität angewiesen ist. Deshalb können Unternehmen alles, was wir im Cloud-Modell bieten, ebenso als dedizierte Private-Cloud-Lösung oder Vor-Ort-Installation nutzen. Auch bei letzterer haben sie alle Vorteile von webbasierter Software wie Plattformunabhängigkeit, ständige Aktualisierung oder uneingeschränkte Mobilität und können auf einen zentralen Helpdesk zurückgreifen.




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