IoT im Einzelhandel

Optimierung der Abläufe

Stefan Lenz, Senior Consultant Retail Industry bei Fujitsu, im Gespräch über die Möglichkeiten von IoT-Technologie im stationären Handel.

Optimierung der Abläufe

Das größte und am schnellsten umsetzbare Potential von IoT liegt laut Stefan Lenz in der Optimierung der Abläufe in der Filiale.

ITM: Auf welchem Stand ist der mittelständische Handel in Deutschland bei der Implementierung von IoT-Technologie?
Stefan Lenz: Auf den gesamten Markt bezogen ist der mittelständische Handel noch am Anfang der IoT-Implementierung, obwohl schon mehr IoT-fähige Komponenten in den Filialen verbaut sind als den meisten Händlern bewusst ist. 

ITM: Welche konkreten Anwendungsfälle aus der Praxis sind Ihnen bekannt, bei denen die Technologie bereits erfolgreich von mittelständischen Händlern eingesetzt wird?
Lenz: Die Anwendungsfälle vervielfachen sich, je breiter und tiefer IoT implementiert wird. Den Anfang machen oft isolierte Systeme wie z.B. Leergutautomaten im Lebensmitteleinzelhandel. Diese melden Störungen oder das Erreichen bestimmter Schwellwerte an ein spezielles Endgerät.

Die nächste Stufe sind dann IoT-Plattformen, an die ein Vielzahl unterschiedlicher Sensoren, z.B. aus Kühlmöbeln oder Eingangszählern, angeschlossen sind. Diese Plattformen sammeln die Daten aller angebundenen Sensoren und verwalten auch deren Software- und Firmware- Stände. Hier kann dann das Erreichen eines vorgegebenen Wertes einen Alarm, z.B. in Form einer Nachricht, auslösen, beispielsweise wenn die Temperatur eines Kühlmöbels einen bestimmten Wert übersteigt. 

Die Veränderung der mehrfach täglich vorgeschriebenen Temperaturkontrollen in einen automatisierten und sensorbasierten Prozess stellt bereits eine Optimierung dar: Die Kontrollen werden nun häufiger und nachvollziehbarer durchgeführt, die Mitarbeiter können im Falle einer Störung sofort reagieren.

Die letztendlich anzustrebende Stufe integriert die IoT-Plattformen noch tiefer in die Arbeitsabläufe der Filiale. Dies ermöglicht komplexere Regeln zu implementieren, z.B.: „Befinden sich aktuell weniger als sieben Kunden pro offener Kasse in der Filiale und der Füllstand des Leergutautomaten liegt unter 70 Prozent, wird eine Kasse geschlossen und der Mitarbeiter mit der Entleerung des Automaten beauftragt.“  

ITM: Mit IoT lassen sich auch Aspekte wie Kundenansprache, Bestandsmanagement oder Zahlungsabwicklung beeinflussen. Wo liegt Ihrer Meinung nach das größte Potential?
Lenz: Das größte und am schnellsten umsetzbare Potential liegt tatsächlich in der Optimierung der Abläufe in der Filiale. Durch die Nutzung von Sensorinformationen und die damit möglichen, optimierten Arbeitsabläufe können Personalaufwand als auch allgemeine Betriebskosten, wie beispielsweise Energieverbrauch, deutlich reduziert werden. Die dadurch erzielten positiven Effekte ermöglichen einen effizienten Filialbetrieb und haben Auswirkungen in allen genannten Bereichen. Davon profitiert letztendlich auch der Kunde: Die Ware ist durch rechtzeitige Nachbestellung vorrätig und die Regale stets ausreichend befüllt. Die Kassen können bedarfsgerecht besetzt werden, bereits bevor sich lange Schlangen bilden. Die Zufriedenheit der Kunden zahlt sich langfristig aus. 

ITM: Welche Bedingungen muss IoT-Software für eine erfolgreiche Implementierung erfüllen?
Lenz: Oft sind IoT-Projekte vor allem technikgetrieben. Es gilt aber zunächst die richtigen, das heißt werthaltigen, Anwendungsfälle zu definieren. Dies erfolgt im Rahmen von Workshops mit den Geschäftsbereichen und der IT, auf Basis einer von Fujitsu und Partnern entwickelten Methodik. Aus diesem praxisnahen Ansatz ergibt sich die weitere IoT-Strategie und Roadmap. Erst dann werden geeignete Technologien festgelegt. 

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Wie gestaltet sich der Wartungs- und Instandhaltungsaufwand bei IoT-Netzwerken im Handel?
Lenz: Eine moderne Filialausstattung enthält in sehr vielen Fällen bereits geeignete Sensorik und ist über die Software des Geräteherstellers administrierbar. Dies wird aber oft nur punktuell genutzt. Größerer Nutzen entsteht, wenn man diese Systeme über eine IoT-Plattform technisch zusammenzubringt und dann Prozesse mit einer Anwendung wie die Fujitsu Store Operation Plattform REA optimiert und steuert. Dadurch sinken Supportaufwände deutlich und der Filialbetrieb gewinnt an Effizienz und Qualität.     

ITM: Wie gewährleistet man die Einhaltung der DSGVO in vernetzten Filialen, insbesondere bei der Analyse und Ansprache der Kunden?
Lenz: Zunächst ist die Analyse des Kundenverhaltens nur ein Baustein in der Digitalisierung der Filiale. Elementar zur Einhaltung der DSGVO ist, keine personenbezogenen Daten ohne das Einverständnis der Person zu erheben. Dieses Einverständnis können Sie beispielsweise durch die Nutzungsbedingungen einer App erreichen oder während der Einwahl des Kunden in ein frei zugängliches WLAN-Netz des Händlers. 

Darüber hinaus wird konform zur DSGVO mit pseudonymisierten bzw. anonymisierten Daten gearbeitet. Neben der rein rechtlichen Sphäre spielen persönliche Einstellungen des Kunden zur Datennutzung eine wichtige Rolle. Hier bedarf es sensibler und authentischer Kommunikation durch den Händler, um Zustimmung zu erzeugen.

ITM: Wie können neben Händlern und Kunden auch die Mitarbeiter vor Ort, also etwa Verkäufer oder Lageristen, von der Technik profitieren?Lenz: In dem Filialabläufe mithilfe der IoT Store Operations Plattform optimiert werden. Wenn sensorbasierte Statusabfragen orchestriert genutzt werden, können Mitarbeiter schneller dort eingesetzt werden, wo es gerade notwendig und effizient ist. 

ITM: Inwiefern könnte die Einführung von 5G das Thema weiter popularisieren?
Lenz: 5G „öffnet die Türen“ und ermöglicht die Vernetzung von Sensoren auch außerhalb von Gebäuden. Alle baulichen Barrieren für den Datenverkehr fallen weg. Für eine solche Erweiterung der IoT-Anwendungsbereiche wie z.B. beim autonomen Fahren, muss das Netz allerdings hochverfügbar und flächendeckend ausgebaut sein. 

Bildquelle: Fujitsu

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