Nachgefragt bei Stefan Heyne, Shopware

Optimierung der Shop-Usability

Interview mit Stefan Heyne, Vorstand bei Shopware

Stefan Heyne, Shopware

Stefan Heyne, Vorstand bei Shopware

ITM: Woran kranken die Online-Shops mittelständischer Unternehmen derzeit am meisten?
Stefan Heyne:
Viele Shop-Betreiber haben das Problem, dass ihr Shop über eine schlechte Usability und unzureichende Marketingmöglichkeiten verfügt, so dass Besucher nicht wirklich Spaß daran haben, dort einzukaufen. Wenn dann noch das Problem einer schlechten Performance und eines undurchsichtigen Checkout-Prozesses hinzukommt, dann wird der Shop schnell zur „Kundenvernichtungsmaschine“ – oder der Shop wird gar nicht erst gefunden, weil es eine schlechte oder gar keine SEO-Optimierung gibt.
 
ITM: Wie können mittelständische Händler ihre verschiedenen Verkaufskanäle – z.B. Webshop, stationärer Handel, Kataloggeschäft, Social Commerce – IT-seitig mit möglichst wenig Aufwand effizient miteinander verbinden?
Heyne:
Alles pauschal miteinander zu verknüpfen, ergibt im sich ständig wandelnden Internethandel nur bedingt Sinn, beispielsweise ersetzt der Online-Shop heutzutage in vielen Fällen schon den Katalog. Er ist flexibler, immer aktuell, bietet zusätzlich sinnvolle Funktionen wie Live-Shopping etc., was ein Katalog nicht kann. Natürlich gibt es auch sinnvolle Kombinationen, wie z.B. Facebook und Google+ in den Shop zu integrieren. Oder Online-Shop-Kunden mit bestimmten Aktionen in das stationäre Geschäft zu locken. Da sind den Ideen der Shop-Betreiber keine Grenzen gesetzt.

ITM: Mit welchen Maßnahmen können die Ladezeiten der Shops kostengünstig und schnell gesteigert werden?
Heyne:
Hier gibt es zwei Schrauben, an denen man grundsätzlich drehen kann:

1. Das Shop-System: Bietet es von Grund auf bereits wichtige Mechanismen, um die Ladezeiten zu minimieren, so hat man eine elementare Basis, auf die man aufbauen kann. Das Stichwort ist hier also der Einsatz neuster Webtechnologien und die Verwendung von Caches, um die Ladezeiten so gering wie möglich zu halten. In großen Umgebungen sollte das Shopsystem z.B. auch die Verwendung mehrerer Datenbanken oder Webserver unter dem Einsatz eines Loadbalancers unterstützen, je nach Ausbaustufe und Traffic.

2. Das Hostingpaket: Der Server ist die zweite Schraube, an der man drehen kann. Das Paket sollte nach oben skalierbar sein, perfekt auf die Bedürfnisse des Shops abgestimmt usw.

ITM: Worauf sollten die Anwenderunternehmen achten, damit sie ihre Shops nicht überfrachten – und den Endkunden damit überfordern? Welche Basisfunktionen sind notwendig? Auf welche Features kann man verzichten?
Heyne:
Das ist je nach Branche völlig unterschiedlich. Eine Lösung liegt meist in einer Shop-Usability-Optimierung. Denn ein übersichtlich gestalteter Shop sowie übersichtliche Prozesse steigern die Transparenz, sparen Zeit und Geld und schaffen Vertrauen bei den Kunden. Was man aber auf jeden Fall global sagen kann: Neben individuellen verkaufsfördernden Maßnahmen sind rechtliche Basisfunktionen notwendig, um die Shop-Betreiber selber vor Abmahnwellen zu schützen.

ITM: Inwieweit sollte ein Online-Shop bereits Social-Media-Funktionen integrieren? Wo liegen hierbei die Vorteile? Wo lauern die Gefahren?
Heyne:
Im heutigen Social-Media-Zeitalter ist es sinnvoll, den eigenen Shop mit einem Unternehmensprofil auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken zu vernetzen. Denn so können die Betreiber ihr Sortiment einer größeren Community zur Verfügung stellen und es teilen, kommentieren und „liken“ lassen. Natürlich besteht die Gefahr, schlechte Kritik zu bekommen, doch einen möglichen Zwist kann man dort mit einem Dialog auch schnell wieder aus der Welt schaffen.

ITM: Online-Shops zählen zu den beliebten Angriffszielen von Cyberkriminellen – wie können die Shop-Betreiber ihre Portale selbst sowie die Kunden am besten davor schützen?
Heyne:
Das Shop-System sollte eine gesunde Sicherheit bereits mitbringen und aktuell gehalten werden. Zudem sollten sichere Passwörter (z.B. FTP) vergeben und natürlich nicht jedem mitgeteilt werden.

Eine große Sicherheitslücke ist zudem meist der lokale Rechner, mit dem man am Shop arbeitet. Denn durch eine fehlende Firewall oder Virenscanner im lokalen Netzwerk, über das man am Shop arbeitet, stößt man schnell auch eine Tür für Hacker zum Shop auf, da sich Trojaner darüber Zugang zum Shopsystem verschaffen und oft großen Schaden anrichten können. Auf dem Hostingpaket selber sollten Sicherheitsupdates (z.B. von PHP) auch immer zeitnah eingespielt werden, um potentielle Lücken zu vermeiden.

ITM: Welche Gütesiegel bzw. Zertifizierungen für Online-Shops sind derzeit in Deutschland am meisten verbreitet? Wo liegen die Stärken, wo die Schwächen der einzelnen Gütesiegel bzw. Zertifizierungen?
Heyne:
Gütesiegel gibt es viele und man muss aufpassen, dass man nicht an fragwürdige Anbieter gerät. Weit verbreitet sind die Gütesiegel der Prüfstellen Trusted Shops, EHI oder TÜV. Die Siegel sind alle vergleichbar, unterscheiden sich leicht in der Fokussierung. Der TÜV setzt beispielsweise auf persönliche Beratung, EHI auch auf Preistransparenz und Trusted Shops auch auf die Bonität des Händlers.

ITM: Was muss man als Betreiber in der Regel alles tun (z.B. monetär), damit man für seinen Shop ein Gütesiegel bzw. eine Zertifizierung verliehen bekommt?
Heyne:
Man sollte als Shop-Betreiber darauf achten, sich zunächst für ein Shopsystem zu entscheiden, das von einem der etablierten Siegel vorzertifiziert ist. Damit erfüllt man dann schon einmal 99 Prozent aller Anforderungen automatisch und muss nur noch wenige Hebel in Bewegung setzen. Gesondert müssen Dinge wie die Preisangabenverordnung, Grundpreisberechnung, Button-Lösung, vernünftige AGB, Versandinformationen, Datenschutzerklärungen etc. beachtet werden. Die Kosten für den eigentlichen Service sind anbieterabhängig.

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