Einzelhändler setzt auf cloud-basierte Managed IT-Services

Outsourcing der IT-Infrastrukturen

Beim Outsourcing seiner IT-Infrastrukturen legte der Einzelhändler Butlers GmbH & Co. KG großes Augenmerk auf Kosten, Datensicherheit und Verfügbarkeit. Geschäftsführer Jörg Funke und IT-Leiter André Martens erklären im Interview, warum das mittelständische Unternehmen auf cloud-basierte Managed IT-Services setzt.

Outsourcing-Projekt im Einzelhandel: Im Interview berichten Jörg Funke(li.), Geschäftsführer der Butlers GmbH & Co. KG, und IT-Leiter André Martens, wie der Mittelständler seine IT-Abteilung entlasten konnte.

Was im 19. Jahrhundert in Neuss mit einem Kaufhaus für Haushaltwaren begann, hat sich mittlerweile zu einem international erfolgreichen Handelsunternehmen für Wohnaccessoires, Geschenkideen und Möbelstücke entwickelt. Neben einem umfangreichen Onlineshop und dem klassischen Kataloggeschäft eröffnete das Familienunternehmen seit 1999 – nunmehr vom neuen Hauptsitz in Köln aus – rund 160 Filialen im In- und Ausland. „In manchen Jahren etablierten wir bis zu 30 neue Standorte pro Jahr, was unsere Organisation mitunter an ihre Grenzen brachte“, erklärt Geschäftsführer Jörg Funke im Gespräch mit IT-MITTELSTAND. Um die IT-Abteilung im Tagesgeschäft zu entlasten, setzt man daher seit zwei Jahren auf die cloud-basierten Managed IT-Services der Deutschen Telekom. Im Zuge dessen konnte sich der Mittelständler vom aufwendigen Hardwarebetrieb verabschieden und gleichzeitig „volle Konzentration auf die Entwicklung innovativer, IT-gestützter Geschäftsprozesse legen“, wie IT-Leiter André Martens ergänzt.
 
ITM: Herr Funke, wer trifft bei Butlers die IT-Entscheidungen?
Jörg Funke:
Unsere Ansprechpartner für Hard- und Software bündeln anstehende Themen, bereiten diese auf und tragen sie schließlich an mich als IT-Verantwortlicher der Geschäftsleitung heran. Gemeinsam mit meinem Team treffen wir kleinere Entscheidungen sofort. Größere Vorhaben, bei denen es um hohe Investitionssummen oder die grundsätzliche strategische Ausrichtung geht, besprechen wir hingegen im Kreis der gesamten Geschäftsleitung. In der Regel fallen die Entscheidungen auch dort recht schnell, denn kurze Wege und flache Hierarchien zeichnen unsere Unternehmensphilosophie aus.
 
ITM: Können Sie ein Beispiel für flache Hierarchien nennen?
Funke:
Bei uns gilt das Prinzip, dass bei allen Mitarbeiteranfragen der jeweilige Vorgesetzte innerhalb von 24 Stunden reagieren sollte. Kommt er dem nicht nach, darf der Fragensteller im Sinne des Unternehmens selbst entscheiden. Damit wollen wir bewusst die Eigenverantwortlichkeit unserer Mitarbeiter fördern.
 
ITM: Welchen Stellenwert besitzt die IT für Ihre Geschäftsabläufe?
Funke:
Einen sehr großen, denn ohne eine zeitgemäße IT würden unsere Prozesse kaum funktionieren. Gerade als Einzelhändler sind wir auf innovative Technologien angewiesen, etwa bei der Vernetzung unserer Kassensysteme. Denn erst dadurch wird ein kontinuierlicher Onlinezugriff möglich, wodurch unsere Führungskräfte aktuelle Daten auch von unterwegs aus abrufen können. Auf diese Weise erkennen sie sofort, welchen Umsatz eine Filiale generiert, welche Produkte sich wie verkaufen und welcher Bestand dort verfügbar ist.
 
ITM: Herr Martens, welche Devices nutzen Sie dafür?
André Martens:
Jedem Entscheidungsträger wurde ein Endgerät zur Verfügung gestellt. Er durfte jedoch selbst entscheiden, ob er sich für ein iPhone oder ein Android-Modell, beispielsweise von HTC oder Samsung, entscheidet. Da unsere mobilen Softwarelösungen als Webapps programmiert sind, spielt das darunterliegende mobile Betriebssystem keine Rolle.
 
ITM: Wie realisieren Sie die Anbindung der Filialsysteme an Ihre zentrale IT?
Martens:
Bereits vor vier Jahren haben wir unsere gesamte EDV-Landschaft modernisiert und im Zuge dessen ein neues ERP-System eingeführt. Dieses ist rein webbasiert und kann sämtliche Daten unmittelbar verarbeiten, weshalb nächtliche Batchläufe seitdem der Vergangenheit angehören. Parallel dazu haben wir unseren strategisch immens wichtigen Onlineshop erneuert, wodurch wir andere Plattformen wie Amazon, Otto oder Ebay unkompliziert anbinden können.
 
ITM: Welche Software nutzen Sie dafür?
Funke:
Wir arbeiten mit den auf unsere Belange hin angepassten Standardsystemen von Sage Bäurer im ERP-Umfeld sowie dem Onlineshop von Demandware.
 
ITM: Was genau wurde auf Ihre Bedürfnisse hin zugeschnitten?
Funke:
ERP-seitig beispielsweise die Anbindung der webfähigen Kassensysteme. Generell sind wir hinsichtlich notwendiger Anpassungen mittlerweile nicht mehr auf den Hersteller angewiesen, sondern greifen auf eigene Programmierer zurück, die mit ihrem ERP-Know-how das System pflegen und ausbauen können. Diese Vorgehensweise spielt uns in die Karten, da wir auf teure externe IT-Fachkräfte, verzichten können.
 
ITM: Welche weiteren Aufgaben obliegen der IT-Abteilung?
Martens:
Wir realisieren den Support für unsere Standorte und Filialen – inklusive der Kassensysteme und Bondrucker. Des Weiteren werden alle ERP-Komponenten – z.B. die Lagersteuerung und Kommissionierung per Handhelds – von unserer internen IT betreut. Wichtig ist dabei vor allem, dass sämtliche Softwaresysteme integriert sind.
 
ITM: Wie groß ist Ihr IT-Team?
Martens:
Inklusive der Auszubildenden beschäftigen wir in der IT-Abteilung aktuell 14 Mitarbeiter. Das ist nicht schlecht für einen Mittelständler, für den am zentralen Verwaltungsstandort in Köln inklusive der IT-Mannschaft rund 70 Personen tätig sind.
 
ITM: Wie viele Beschäftigte haben Sie insgesamt?
Funke:
Wir beschäftigen rund 1.200 Mitarbeiter, die einen jährlichen Umsatz von ca. 120 Mio. Euro erwirtschaften – und dies an mehr als 130 eigenen Standorten in unterschiedlichen Ländern, darunter Österreich, Schweiz, Spanien und Großbritannien. Überdies arbeiten wir in Staaten wie der Ukraine, der Tschechischen Republik oder in Griechenland mit Franchisepartnern zusammen, die ebenfalls an unsere IT angebunden werden müssen.
 
ITM: Was müssen Sie bei der internationalen Ausrichtung beachten?
Funke:
Die Softwaresysteme müssen Fremdwährungen unterstützen sowie mehrmandantenfähig sein. Weitere Herausforderungen liegen in der Kompatibilität aller Daten, die Integration der ERP-Systeme unserer Franchisepartner sowie deren Anbindung an unseren Onlineshop.
 
ITM: Wie sind Ihre Vertriebskanäle organisiert?
Martens:
Unsere Kunden können wählen, ob sie in der Filiale bzw. im Webshop einkaufen oder eine Katalogbestellung vornehmen. Sie können im Internet bestellte Artikel in einer Filiale abholen und dort auch Retouren abgeben. Die dahinterstehende Logistik wird dabei von unserem ca. 25.000 Quadratmeter großen Zentrallager in Neuss aus gesteuert.
 
ITM: Wie viele Artikel haben Sie insgesamt im Sortiment?
Funke:
Rund 4.000 Wohnaccessoires und Geschenkideen sowie bis zu 500 Möbelstücke. Insbesondere bei den Accessoires erfinden wir jährlich etwa die Hälfte aller Artikel neu. Dabei müssen wir einerseits innovativ sein, da unsere Kunden in den Filialen stets Neues vorfinden wollen. Andererseits gilt es, klassische Artikel wie Gläser und Geschirr in neutralen Farben vorzuhalten.
 
Nicht selten ist die Pflege unseres Artikelsortiments auch mit wechselnden Lieferanten verbunden – sei es aus Qualitäts- oder modischen Gründen, etwa wenn Farben nicht mehr angesagt sind oder sich Technologien verändern, wie derzeit etwa beim Trend hin zu Kunststoffmessern.
 
ITM: Mit wie vielen Lieferanten arbeiten Sie zusammen?
Funke:
wir arbeiten durchschnittlich mit rund 400 Partnern zusammenarbeiten. Darüber hinaus müssen wir immer alternative Produzenten in petto haben. So gab es beispielsweise Strafzölle auf Porzellanartikel aus China in Europa. Hier haben wir alternative Lieferanten aufbauen müssen und schließlich zeitnah in Europa gefunden.
 
ITM: Wie verläuft der Weg der Artikel bis in die Filialen?
Martens:
Für den gesamten Produktlebenszyklus ist die Einkaufsabteilung zuständig. Sie legt den Artikel im Bestand an und erfasst dabei sämtliche Details: Es müssen Begleitpapiere sowie Herkunftsnachweise für die Behörden erstellt werden. Zudem gilt es, alle Abmessungen, genaue Farbnuancen sowie das Gewicht in verschiedenen Sprachen zu dokumentieren, damit die nachgelagerten IT-Systeme damit arbeiten können. Speziell hierfür haben wir erst kürzlich eine Metadatenbank aufgebaut, um z.B. die Suchfunktion im Onlineshop zu verbessern. Daneben betreiben wir ein Data Warehouse, das unseren Führungskräften wichtige Auswertungen liefert. Dieses befindet sich auf einem eigenen Server, damit keine ERP-Hardware lahmgelegt wird, wenn ein Kollege eine Datenbankabfrage starten möchte.
 
ITM: Apropos Hardware – Ihre IT-Infrastruktur haben Sie komplett ausgelagert, warum?
Martens:
Im Zuge der Modernisierung unserer EDV stellte sich die Frage, ob wir die Server für die Warenwirtschaft sowie die Terminalserver für das Lager weiterhin selbst in der Kölner Zentrale betreuen wollen. Bislang war unsere Hardware in Büroräumlichkeiten untergebracht, wobei nur rudimentäre Hochsicherheits- sowie Brandschutzvorkehrungen existierten. Von den Standards eines klassischen Rechenzentrums waren wir meilenweit entfernt.
 
Überdies gestaltete sich der Betrieb der Hardware recht aufwendig und teuer. Da wir eigene USV-Anlagen sowie eine entsprechende Klimatisierung vorhalten mussten, waren auch die Stromkosten sehr hoch. Hinzu kommt, dass unser IT-Team die Hardwarewartung ebenso stemmen musste wie das regelmäßige Monitoring und das Einspielen von Updates. Letzteres konnten wir allein sonntagsmorgens zwischen 5 und 9 Uhr realisieren, da die Systeme fast rund um die Uhr für die Filialen, das Lager und den Webshop verfügbar sein müssen.
 
Funke: Da unsere bisherige Hardware über sechs Jahre alt war, wäre im Rahmen der Modernisierung die Anschaffung neuer Server vonnöten gewesen. Von daher haben wir genau berechnet, was die eigene Betreuung der IT-Infrastruktur kosten würde und wie teuer ein Outsourcing wäre. Das Auslagern gestaltete sich auf jeden Fall deutlich günstiger, weshalb wir nach einem geeigneten Dienstleister Ausschau hielten.
 
ITM: Stand neben der Hardware auch die Auslagerung des Applikationsbetriebs zur Debatte?
Funke:
Nein, die Betreuung unserer Softwaresysteme wollten wir nach wie vor selbst übernehmen. Deshalb war schnell klar, dass unser Outsourcing nur den Betrieb der darunterliegenden Infrastrukturen betreffen würde.
 
ITM: Als Partner haben Sie sich für die Telekom entschieden. Was sprach dafür?
Martens:
Wir arbeiten bereits seit langem mit den Bonnern zusammen, die in der Vergangenheit beispielsweise eine sichere VPN-Struktur für die Filialvernetzung realisiert haben. Überdies entsprach das Private-Cloud-Angebot „Managed IT-Services“ der Telekom genau unseren Anforderungen. Im nächsten Schritt konnten wir das Data Center vor Ort besichtigen und uns selbst von den hohen Sicherheits- sowie Verfügbarkeitsstandards überzeugen.
 
ITM: Welche Systeme haben Sie ausgelagert?
Martens:
Im Rechenzentrum werden unser Datenbankserver sowie zehn weitere Applikationsserver u.a. für das Warenwirtschafts-, Kassen-, Logistik- sowie Versandsystem betrieben. Des Weiteren laufen dort unsere Terminal- sowie Printserver.
 
ITM: Welche weiteren Gründe sprachen für ein Outsourcing?
Funke:
Es stimmten sowohl der Preis als auch die garantierte Hochverfügbarkeit. Der Dienstleister bietet uns eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent, die Angebote der anderen Anbieter lagen zwischen 99,5 und 99,8 Prozent. Dies hätte eine jährliche Ausfallszeit von bis zu drei Tagen bedeutet, was für uns indiskutabel ist.
 
Generell kann der IT-Dienstleister das operative Tagesgeschäft viel günstiger und effektiver erledigen als wir selbst. Darüber hinaus müssen wir uns weder um die Datensicherheit noch um die Kapazitäten kümmern, denn sollten wir ad hoc mehr Ressourcen benötigen, können wir diese einfach hinzubuchen.
 
ITM: Wofür benötigen Sie zusätzliche Ressourcen?
Funke:
Unsere Datenmenge wird weiterhin überproportional steigen, etwa aufgrund gesetzlicher Vorgaben. Denn in Verbindung mit der geforderten Rückverfolgbarkeit von Artikeln nehmen die Informationen über unser Artikelsortiment stetig zu. Außerdem kommen weitere Anforderungen unserer Kunden wie beispielsweise das Bezahlen per Handy hinzu, was wiederum mehr Datenverarbeitung mit sich bringt.
 
Martens: Zudem müssen wir im Onlineshop sowie in den Filialen insbesondere im Vorweihnachtsgeschäft extreme Lastspitzen abfedern. So auch im vergangenen Jahr, als wir das erste Mal bei unserem IT-Dienstleister anriefen und innerhalb von 30 Minuten mehr Leistung für unsere Systeme erhielten, so dass ein Performance-Engpass vermieden werden konnte.
 
ITM: Wie haben Sie den Umstieg Ihrer Systeme ins Rechenzentrum gemeistert?
Martens:
Wir haben dies im Big Bang realisiert und unsere Systeme per Knopfdruck auf die neue RZ-Umgebung umgestellt. Bereits vier Wochen zuvor wurde uns die Infrastruktur zur Verfügung gestellt, so dass wir unsere Systeme in Ruhe aufspielen und etwa hinsichtlich der benötigten Performance ausgiebig testen konnten. Parallel dazu hat die Telekom den erforderlichen VPN-Tunnel ins Rechenzentrum aufgebaut. Zwei Wochen vor dem Umstieg begannen wir mit den Konfigurationen für den Live-Betrieb und installierten alle Applikationsserver im Stand-by-Modus. Gleichfalls fand eine regelmäßige Synchronisierung der Datenbank statt.
 
Der eigentliche Umstieg erfolgte an einem Samstagabend, wobei wir am nächsten Morgen um 8 Uhr den Umstieg abschließen und um 10 Uhr die ersten Filialen in Großbritannien wieder problemlos mit den Systemen arbeiten konnten.
 
ITM: Hakte es an einer bestimmten Stelle?
Martens:
Wir hatten während des Umstiegs kleinere Probleme mit der Firewall, die der Support des Dienstleisters jedoch schnell beheben konnte. Im Rahmen eines Notfallszenarios hätten unsere Filialen zunächst auch noch im Offline-Modus arbeiten können.
 
ITM: Betreiben Sie heute keine IT mehr in Ihrer Firmenzentrale?
Martens:
Dort laufen noch einige alte Server, die wir bei Bedarf zu Testzwecken oder als Notfallsystem nutzen können. Zudem realisieren wir eine Echtzeitspiegelung der Datenbank in unsere Zentrale. Nicht zuletzt steht hier unser E-Mail-Server, den wir künftig ebenfalls auslagern wollen, eventuell in Form von Managed E-Mail-Services.
 
ITM: Als Einzelhändler arbeiten Sie mit Kundendaten. Wie stimmt die Nutzung einer externen Lösung mit gesetzlichen Bestimmungen etwa hinsichtlich Datenschutz oder Herstellerhaftung überein?
Martens:
Wir arbeiten mit einer Cloud-Lösung, die auf auch von anderen Kunden genutzten IT-Ressourcen basiert. Bei unserer Lösung handelt es sich jedoch um ein abgeschottetes System, auf das außer uns nur noch der Dienstleister selbst Zugriff nehmen kann. Die Infrastruktur basiert auf Vblock, einer von Vmware, EMC sowie Cisco gemeinsam entwickelten Virtualisierungslösung. Nicht zuletzt ist das Rechenzentrum des Dienstleisters nach sämtlichen Datenschutzstandards zertifiziert, was er auch jährlich neu überprüfen lässt.
 
Funke: Darüber hinaus war es uns wichtig, dass sowohl der Sitz des Rechenzentrums als auch der Gerichtsstand in Deutschland liegen. Im Auswahlprozess hatten wir auch Anbieter wie Amazon auf der Liste. Das Problem: Deren RZ-Standorte befinden sich außerhalb Deutschlands und es wäre recht undurchsichtig, wo man unsere Daten letztlich vorhalten würde.
 
ITM: Wer haftet für die Daten in der Cloud?
Funke:
Jeder Vertragspartner für sich, wobei wir hinsichtlich der Einhaltung des Datenschutzes nach folgender Devise handeln: Die sichersten Daten sind diejenigen, die erst gar nicht gesammelt werden. Von daher wollen wir nicht alle erdenklichen Informationen über unsere Kunden sammeln.
 
ITM: Welche Informationen müssen Sie dennoch sammeln?
Funke:
Wir besitzen umfangreiche Artikelstammdaten und wissen genau, wie unsere Abverkäufe aussehen. Allerdings wissen wir nicht, welcher Kunde in der Filiale was gekauft hat. Sollte dieser bar in unserer Filiale bezahlt haben, bleibt er sowieso anonym – ebenso, wenn er dort mit seiner EC-Karte bezahlt hat.
 
ITM: Ermitteln Sie keine Bankdaten?
Funke:
Nein, denn wir haben den kompletten Bezahlprozess aus der Hand gegeben: Die EC- oder Kreditkarteninformationen aus den Filialen oder dem Onlineshop gehen zu spezialisierten Providern, darunter Telecash und Concardis. Auf diese Weise kennen wir selbst bei den Onlinekäufern allein den Namen, ohne Kenntnis über Kontoinformationen zu haben. Demgemäß muss unsere IT für entsprechende Schnittstellen sorgen, mit denen die Provider einen anonymisierenden Datenaustausch vornehmen können.
 
Stand heute wissen wir allerdings nicht genau, ob wir dem Prinzip, so wenige Daten wie möglich zu sammeln, auch in Zukunft treu bleiben können. Denn viele Kunden möchten bestimmte Services in Anspruch nehmen und geben dafür freiwillig persönliche Daten preis.
 
ITM: Halten Sie keine Kundeninformationen in einem Customer-Relationship-Management-System (CRM) vor?
Funke:
Wir haben uns erst kürzlich wieder gegen die Nutzung von CRM-Software entschieden.
 
ITM: Aus welchen Gründen?
Funke:
Im Gegensatz zu anderen Handelsunternehmen wollen wir keine gläsernen Kunden, sondern konzentrieren uns lieber auf die Emotionalität unserer Produkte und Filialen. Vielmehr wollen wir unsere Kräfte auf die eigene Kreativität und auf attraktive und hochwertige Artikel konzentrieren.
 
ITM: Sie halten nicht viel von detaillierten Kundenanalysen?
Funke:
Natürlich kennen wir unsere Kunden sehr gut und analysieren die Bedürfnisse der Kunden sehr genau. Aber die ausschließliche Nutzung von Big-Data-Analysen in unserer Branche bekommt schnell einen manipulativen Anstrich. Denn damit würde allein der Computer ermitteln, was ein Kunde wann kaufen möchte und was nicht. Solche Algorithmen und mathematische Berechnungen sind vielleicht im Börsenhandel essentiell, Handelsunternehmen hingegen sollten damit eher vorsichtig agieren. Von daher glauben wir, dass die Emotionalisierung von Artikeln und des Angebotes deutlich wichtiger sind als die elektronische Analyse des Kaufverhaltens und damit das Digitalisieren rein privater Informationen.
 
ITM: An welchen Stellen würden Sie anonymisierte Daten erheben?
Martens:
Bereits heute könnten wir in unseren Filialen die iBeacons-Technologie einsetzen, mit der wir anonym die Laufwege der Kunden nachverfolgen und entsprechende Bewegungsprofile ermitteln könnten. Die Technologie dafür ist bereits an allen Standorten vorhanden, da wir im vergangenen Jahr gemeinsam mit der Telekom sämtliche Filialen mit den entsprechenden WLAN-Routern ausgestattet haben. Damit sind wir in der Lage aufzuzeichnen, wie lange ein Kunde etwa vor einem bestimmten Regal ausgeharrt hat.
 
ITM: Was sprach noch für die WLAN-Ausstattung der Filialen?
Martens:
Zum einen nutzen wir das WLAN für eigene Zwecke, etwa zur Anbindung der Kassensysteme, zum anderen wollen wir unseren Kunden künftig kostenfreie Hotspots zur Verfügung stellen.
 
Überdies statten wir unsere Filialmitarbeiter zunehmend mit iPads aus. Mit der darauf installierten App „Online Operator“ können sie eine detaillierte Beratung zu unseren Wohnstücken vornehmen, wobei dies dank einer Anbindung zum Webshop auch per Video möglich. Dabei können sich Onlinenutzer per Videochat direkt mit den Mitarbeitern in unseren Wohnstücke-Filialen in Berlin und Köln verbinden und das dort aufgebaute Möbelstück live von allen Seiten begutachten lassen.
 
ITM: Lassen Sie uns abschließend einen Blick nach vorne werfen. Welche IT-Projekte stehen bei Butlers demnächst an?
Funke:
Wir wollen unsere Softwarelandschaft weiter optimieren, wobei wir generell beobachten, dass Webshop-Anbieter zunehmend ERP-Funktionen in ihre Systeme integrieren und die ERP-Anbieter selbst verstärkt auf die Cloud setzen – Stichwort „Software as a Service“. Hinzu kommen Projekte im Bereich des bargeldlosen Bezahlens. Hier setzen wir uns bereits intensiv mit Mobile Payment auseinander.
 
Martens: Auch innerhalb unserer Logistik wollen wir Prozesse weiterentwickeln und vereinfachen. Erst vergangenes Jahr haben wir unser Logistiksystem um eine Sonderkommissionierung ergänzt, die im Lager eine Performancesteigerung von rund 50 Prozent ermöglichte. Seitdem kommissionieren wir nicht mehr pro Auftrag, sondern pro Auftragsgruppe. Die installierte Software fügt automatisch die am besten zusammenpassenden Aufträge zusammen, bei denen sich die gewünschten Artikel am selben Platz oder in unmittelbarer Nähe befinden.
 
ITM: Warum besitzen die Logistikprozesse für Sie einen so hohen Stellenwert?
Funke:
Wir beziehen sehr viele Artikel aus Fernost und benötigen daher Transparenz entlang der Lieferkette. So können wir mit den entsprechenden IT-Systemen sämtliche Warenbewegungen zurückverfolgen – bis hinein in die tiefste chinesische Provinz. Denn dort werden Weihnachtskugeln produziert, die uns in Deutschland pünktlich für das Weihnachtsgeschäft zur Verfügung stehen müssen. Vor diesem Hintergrund wachsen die Datenschnittstellen und Kommunikationsprozesse entlang der Lieferkette immer stärker zusammen, was letztlich für uns zu einer besseren Prognosefähigkeit führen wird.
 
ITM: Die Ideen scheinen Ihnen kaum auszugehen. An welchen Stellen könnte es in den geplanten Projekten dennoch haken?
Funke:
Eine Herausforderung liegt im Fachkräftemangel. Wir sind kontinuierlich auf der Suche nach jungen IT-Mitarbeitern und Programmierern, wobei viele Bewerber ein Handelsunternehmen als potentiellen Arbeitgeber gar nicht auf ihrer Liste haben. Dabei verfügen wir über ein solides IT-Budget und sind uns der großen Bedeutung der IT für unsere Geschäftsprozesse bewusst. So suchen wir beispielsweise zurzeit drei neue IT-Mitarbeiter für den Support, die Entwicklung und Projektarbeit.
 
ITM: Warum suchen Sie nach Fachkräften, wenn Sie doch Teile Ihrer IT bereits ausgelagert haben ...
Funke:
Wir haben ja ausschließlich den Betrieb der IT-Infrastrukturen ausgelagert, die Betreuung sämtlicher softwarebasierter Kernprozesse übernehmen wir nach wie vor selbst.
 
Martens: Überdies ist unser IT-Team im Zuge des Outsourcings auch nicht geschrumpft, vielmehr haben sich die Aufgabenfelder der Kollegen verschoben. Unser Fokus liegt auf der Weiterentwicklung unserer Softwaresysteme. Klassische Infrastrukturthemen hingegen betreuen wir kaum noch. Einzig der Support für die Filialen sowie Franchisepartner läuft noch über uns. Sollte in der Wiener Filiale der Bondrucker nicht funktionieren, klingelt in unserer IT-Abteilung in Köln das Telefon. Solche Belange wollen wir bewusst nicht über das Ticketsystem eines externen Dienstleisters regeln, da wir selbst schneller reagieren können und der Verkauf in der Filiale daher nur für kurze Zeit stillsteht.
 


Jörg Funke

  • Alter: 50 Jahre
  • Familienstand: verheiratet, drei Kinder
  • Werdegang: Diplom-Kaufmann, Stationen u.a. bei der Glunz AG, Gildemeister AG und Controllingpartner GmbH 
  • Derzeitige Position: Geschäftsführer bei Butlers verantwortlich für den Bereich Finanzen, IT und Personal
  • Hobby: Segeln

 
André Martens

  • Alter: 26 Jahre
  • Familienstand: ledig
  • Werdegang: Ausbildung Fachinformatiker Systemintegration bei Butlers, Fortbildung zum IT-Projektkoordinator (IHK), Fortbildung zum Operative Professional (IHK)
  • Derzeitige Position: IT-Leiter bei Butlers
  • Hobbys: Basketball, Lesen

 
Die Butlers GmbH & Co. KG
Im Jahr 1829 wurde in Neuss die Firma „Wilhelm Josten Söhne“ gegründet, zu der auch das Kaufhaus Josten gehörte: Über 150 Jahre lang zählte dies im Rheinland zu den ersten Adressen für Haushaltwaren – von feinem Porzellan über Töpfe bis hin zum Staubsauger. Aus dem Familienunternehmen wächst die „Butlers GmbH & Co. KG“. Im Zuge dessen eröffnete man 1999 die erste Butlers-Filiale in Köln, die auf Anhieb eine begeisterte Kundenschar fand. Nach der Eröffnung von 50 deutschen Filialen expandierte das Unternehmen 2005 erstmals ins europäische Ausland, kurze Zeit später folgten Franchise-Standorte in Dubai sowie der Ukraine. Darüber hinaus eröffneten die Rheinländer 2007 einen neuen Webshop. Seitdem ist das gesamte Sortiment des Mittelständlers auch online verfügbar.

  • Branche: Einzelhandel
  • Gründung: 1999
  • Hauptsitz: Köln
  • Mitarbeiter: rund 1.200

www.butlers.de


Bildquelle: © Mike Henning

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