Zentrale Verwaltung gewünscht

„Physische und Cloud-Welten verbinden“

Im Interview betont Daniel Model, Senior Manager Sales Engineering EMEA bei Acronis: „Generell sollten aktuelle Backup-Lösungen zentral verwaltbar sein, um Bestandstechnologien als auch neue Technologien zu vereinbaren.“

Daniel Model, Senior Manager Sales Engineering EMEA bei Acronis

„Grundsätzlich empfehlen wir, Daten nicht ausschließlich extern z.B. in einem Cloud-Rechenzentrum abzulegen“, so Daniel Model, Senior Manager Sales Engineering EMEA bei Acronis.

ITM: Herr Model, inwieweit können (Natur-)Katastrophen wie Hochwasser, Erdbeben, Feuer oder Blitzeinschläge für Mittelständler und ihre Daten gefährlich werden?
Daniel Model:
Derartige Katastrophen sind lediglich ein Bruchteil aller Ursachen von Datenverlust. Erdbeben sind in unseren Regionen eher selten, jedoch wie aktuelle Berichte aus der Vogtlandregion belegen, nicht ausgeschlossen. Hochwasser, Feuerschäden oder Blitzeinschläge sind dagegen realistischer. Unternehmen sollten bestenfalls für alle Eventualitäten sowohl eine Datensicherungs- als auch eine Desaster-Recovery-Strategie in ihrer Schublade haben und die dazu nötigen Tools/Applikationen auf den Systemen.

ITM: Wie ernst nimmt der deutsche Mittelstand anno 2018 die Sicherung seiner Unternehmensdaten?
Model:
Datensicherungslösungen haben nahezu alle Unternehmenskunden im Einsatz, was sicher auch mit der neuen DSGVO sowie einer verpflichtenden Vorgabe aus rechtlicher Sicht zusammenhängt. Die Frage, welche sich jedoch oft stellt und teils in Unternehmen nur selten betrachtet wird: Passt mein Datensicherungskonzept noch zu aktuellen Technologien, Trends und auch rechtlichen Vorgaben? Hier sehen wir viel Potential, auch mit neuen Technologien, wie z.B. Cloud-Services, die internen Strategien und Tools zu überdenken, um somit Ausfallzeiten zu reduzieren und die Verfügbarkeit der Daten zu erhöhen. Heutzutage geht es mehr um das Thema „Data Protection“, wo Backup ein wichtiger, aber nicht einziger Bestandteil ist.

ITM: Warum geht das eine oder andere Unternehmen Ihrer Ansicht nach noch zu sorglos mit dem Thema um?
Model:
Gerade bei kleineren und mittelständischen Unternehmen sind es oft zwei Faktoren – Zeit und Ressourcen. IT-Administratoren sind nicht spezialisiert auf Themen wie Datensicherung, sondern müssen möglichst alle Technologien auch vom Know-how her abdecken. Dazu kommt, dass Datensicherung im Bestfall nur selten gebraucht wird, so dass dieses Thema auch nicht zwingend so sichtbar/notwendig erscheint, wie z.B. CRM-Systeme im täglichen Einsatz. Oft erleben wir, dass über Backup erst dann wieder ernsthaft nachgedacht wird, wenn es einen Disaster-Recovery-Fall (DR) gab und bereits Ausfälle zu beklagen sind/waren.

ITM: Wie sollte eine vernünftige Backup-Strategie grundsätzlich aussehen, um für einen IT-Ausfall und möglichen Datenverlust gewappnet zu sein?
Model:
Grundsätzlich sollten alle internen als auch externen Systemen Bestandteil des Datensicherungskonzeptes sein. Intern bedeutet aus unserer Sicht: Server sowie Clients, sowohl physische als auch virtuelle Systeme. Die Sicherungsstrategie sollte dabei auf image-basierten und hardware-unabhängigen Technologien basieren, so dass im Notfall komplette Systeme, einzelne Dateien/Verzeichnisse oder auch granulare Elemente von Applikationen wiederhergestellt werden können. Externe Systeme sind z.B. mobile Endgeräte sowie die Daten auf diesen oder auch VMs, welche in Cloud-Infrastrukturen betrieben werden (z.B. Amazon Web Services oder Microsoft Azure). Dazu kommt auch gerade beim Einsatz mobiler Endgeräte der sichere Zugriff auf Firmendaten (File Sync & Share). Weiterhin sehr wichtig ist die Ablage der Datensicherungen auf mehreren Systemen innerhalb und außerhalb des Unternehmens bzw. eines Brandabschnittes. Optimal kann eine Sicherung für schnellstmögliche Wiederherstellung z.B. auf einem NAS/SAN-Device im Netzwerk abgelegt sein, ein Replikat davon auf einem Storage in einer anderen Niederlassung bzw. einem zweiten Brandabschnitt sowie auf einem dritten Medium, was sich komplett außerhalb des Unternehmens befindet, z.B. Cloud-Speicherplatz im Rechenzentrum eines Service-Providers. Wenn man dies dann zentral verwalten und überwachen kann, hat man eine gute Basis-Strategie, welche man je nach internen Vorgaben mit den Tools umsetzen und erweitern kann. Dazu kommen sollte auch der Schutz vor Ransomware-Attacken.

ITM: Mit welchen (personellen, zeitlichen, finanziellen) Herausforderungen ist die Umsetzung solch einer Strategie oftmals verbunden?
Model:
Gerade beim Einsatz neuer Technologien bzw. der Planung, diese einsetzen zu wollen, muss Zeit investiert werden im Bereich des Aufbaus von Wissen rund um diese, aber natürlich auch in Planungsaktivitäten zur Implementierung dieser, was dann auch mit finanziellen Planungen und Budgetierungen einher geht. Solche Planungen sollten mit mehreren Zielen betrachtet werden:
- Wie kann ich die Ausfallzeit minimieren?
- ROI-Kalkulationen (Return of Investment)
- Analyse des Einsatzes neuer Technologien in Kombination mit vorhandenen Systemen
- Zentralisierung, mehr Automatismen, höhere Flexibilität auf Situationen einwirken zu können (im DR-Fall)

ITM: Welche Rolle spielt das Cloud-Backup im Vergleich zum physischen Backup?
Model:
Die Nutzung von Cloud-Services für Backup-Konzepte ist in den vergangenen beiden Jahren bereits stetig gewachsen. Gerade jetzt, durch die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung, ist vieles im Bereich von Cloud-Services transparenter und sicherer geworden (aus rechtlicher Perspektive). Cloud-Services sind in der Regel kosteneffizienter im Bezug auf die Kosten, welche Unternehmen aktuell bei Ablage der Sicherungen auf internen Medien (Storage und weitere Hardware-Kosten) haben. Die Verfügbarkeit ist dabei wesentlich höher. Zudem ist der Einsatz von Cloud-VMs in Rechenzentren (z.B. Amazon Web Services oder Microsoft Azure) verbreiteter, aber auch hierfür sind Sicherungskonzepte vonnöten. Unter Einsatz eines einfach zu nutzenden Tools mit zentralem Management ist es somit problemlos möglich, physische und Cloud-Welten zu verbinden und somit effizientere und kostenreduzierte Lösungen zu implementieren.

ITM: Worin bestehen die Vorteile und Möglichkeiten eines Cloud-Backups?
Model:
Wie bereits voran erläutert, sind Speichermedien im Cloud-Umfeld in der Regel als kosteneffizienter zu betrachten – mit einer jedoch wesentlich höheren Verfügbarkeit der Daten. In Verbindung mit entsprechenden Aufbewahrungsregeln kann man unter Verwendung neuer Subscription-Modelle lizenztechnisch auch nach Verbrauch abrechnen und nur das „zahlen“, was man nutzt. Hinzu kommen neue Disaster-Recovery-Technologien, um beispielsweise Server hochverfügbar per Cold- oder Warm-Standby in einem externen Rechenzentrum vorrätig zu halten, um im Notfall auf diese Systeme per Konsole zuzugreifen und mit diesen zu arbeiten, insofern das Quellsystem nicht mehr verfügbar ist.

ITM: Welche Daten sollten besser durch eine andere Backup-Methode gesichert werden und warum?
Model:
Grundsätzlich empfehlen wir, Daten nicht ausschließlich extern z.B. in einem Cloud-Rechenzentrum abzulegen. Dies sollte strategisch eine Mischung aus interner Datenvorhaltung für schnellstmögliche Sicherungs- und Wiederherstellungszeiten sowie der externen Auslagerung sein, um für größere Disaster-Recovery-Szenarien vorbereitet zu sein.

ITM: Was sind häufige Probleme bei der Datenwiederherstellung?
Model:
Wie bereits erwähnt, ist eine Sicherungsstrategie wesentlicher Bestandteil eines jeden Unternehmens, um schnellstmöglich auf jegliche Art von Daten zugreifen zu können. Ein dazugehöriger Aspekt sollte die Validierung dieser Sicherungen sein. Aktuelle Lösungen bieten Möglichkeiten, z.B. System-Images in einer virtuellen Umgebung testweise wiederherzustellen sowie das Betriebssystem zu starten,
um aussagekräftige Testresultate zu dokumentieren und im Worst Case sicher zu sein, dass man sich auf die Backups verlassen kann.

ITM: Welchen Einfluss üben die neuen Regeln der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) auf die Backup-Strategie der Unternehmen aus?
Model:
Einen wesentlichen Einfluss – speziell da Cloud-Services im Unternehmen eingesetzt werden bzw. implementiert werden sollen. Wie bereits erwähnt, sind Cloud-Services effizienter als noch vor Jahren und zudem haben diese viele Vorteile gegenüber „älteren“ Bestandstechnologien. Durch die neue DSGVO werden auch rechtlich wichtige Kriterien geregelt und somit der Einsatz derartiger Services sicherer gestaltet.

ITM: Auf welche Kriterien sollten Mittelständler letztlich bei der Auswahl entsprechender Backup-Lösungen achten?
Model:
Generell sollten aktuelle Backup-Lösungen zentral verwaltbar sein, um Bestandstechnologien als auch neue Technologien zu vereinbaren. Zudem sollte die Anbindung an Cloud-Services einfach zu gestalten und umsetzbar sein. Am Ende sind viele Automatismen innerhalb der Lösung sowie eine flexible Anwendung dieser wesentlicher Faktor, um bei einer ROI-Kalkulation das richtige Produkt zu wählen, auf das man sich in jedem Falle eines möglichen Datenverlustes verlassen kann – mit minimalst möglicher Ausfallzeit.

Bildquelle: Acronis

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