Der Blick von außen – aber welcher?

Pro & Contra: IT-Freelancer oder feste Teams?

Den Blick von außen schätzen viele Unternehmensverantwortliche, besonders in langwierigen und prozessorganisatorisch anspruchsvollen IT-Projekten. Die Frage ist, ob Freelancer dieser Aufgabe gerecht werden können. Simon Alborz, Bereichsleiter beim Personalvermittler Permanent Hays, sagt Ja, wohingegen Christian Kutzner, Geschäftsführer von Kutzner Prozessoptimierung, eher festen, externen Projektteams den Vorzug gibt.

  • Freiberufler Arbeit von zu Hause

    Sind Freelancer die richtige Wahl für Unternehmen oder sollte man doch lieber auf feste Teams setzen?

  • Simon Alborz, Bereichsleiter beim Personalvermittler Permanent Hays

    Mehr Produktivität durch Freelancer.

  • Christian Kutzner, Geschäftsführer von Kutzner Prozessoptimierung

    Bei festen Teams geht Wissen nicht verloren.

Pro IT-Freiberufler, von Simon Alborz:

„Für viele Unternehmen sind externe IT-Experten mittlerweile unverzichtbar. Vor allem in Branchen, in denen durch die Digitalisierung eine enorme Nachfrage nach Top-kräften entstanden ist, etwa im Maschinenbau, im Bereich der Ingenieursleistungen oder auch der IT, greifen Personalverantwortliche gerne auf erfahrene, kurzfristig verfügbare, externe Spezialisten zurück. Dies bestätigte unlängst auch eine Hays-Studie, die den Einsatz externer Spezialisten im Kontext von Wissensarbeit untersuchte.

Darin stellten die Befragten fest, dass die Zusammenarbeit zwischen externen Spezialisten mit den festangestellten Mitarbeitern die Produktivität in ihrem Unternehmen mehr ankurbelt, als wenn ausschließlich Teams bestehend aus internen Mitarbeitern zusammenarbeiten. Schon allein diese Tatsache macht die Beschäftigung externer Spezialisten zu einem belegbaren, erfolgskritischen Faktor.

Genauer betrachtet können versierte externe IT-Experten, gerade wenn es um die software-basierte Neuentwicklung z.B. für die vernetzte Steuerung von Maschinen im Umfeld des Internet of Things geht, umfangreiche Erfahrungen in die Projekte einbringen.

Denn geht es etwa um die Software-Entwicklung für ein bahnbrechendes neues Digitalprojekt, brauchen Unternehmen Personen, die solche oder ähnliche Aufgabenstellungen schon einmal durchgeführt haben, die wissen, worauf es ankommt und nur für dieses Projekt abgestellt sind. Zudem würde es die Auftraggeber zu viel Zeit kosten, für solche Aufgaben erst einen internen Mitarbeiter anlernen zu müssen. Sie brauchen schnellen Zugriff auf spezielle Expertise, um technologisch nicht abgehängt zu werden.

Aufgrund ihrer schnellen Verfügbarkeit sowie ihres großen Erfahrungsschatzes aus anderen Projekten sind externe Projektleiter für die Software-Entwicklung heiß begehrt. Ihre Qualifikationen gibt es nicht „von der Stange“, denn meist umfasst ihr Aufgabengebiet neben den hohen fachlichen Kompetenzen auch soziale Fähigkeiten, die unabdingbar für das Gelingen ihrer Projekte sind.

Auftraggeber profitieren bei der Zusammenarbeit mit externen IT-Freiberuflern also gleich doppelt: Denn aufgrund der Erfahrungen aus der Software-Entwicklung in anderen Unternehmen in ähnlichen Industriebereichen können sich Auftraggeber ebenfalls das Wissen zur Steuerung interner Entwicklungsteams zunutze machen. Denn gerade stark eigen- und gesamtverantwortliche Spezialisten sind in der Lage, gute Impulse für die eigene Arbeitsorganisation zu geben und agiler zu werden.

Insbesondere wenn das neue Business-Modell maßgeblich von der Individualentwicklung abhängt, hinterfragen Externe gerne kritisch eingefahrene Unternehmensprozesse, die dem Erfolg im Weg stehen könnten. Solche Freiheiten würden sich Festangestellte wohl kaum herausnehmen, es sei denn, sie bekommen den offiziellen Auftrag dazu.“

Contra IT-Freiberufler, von Christian Kutzner:

„Wenn Unternehmen IT-Aufträge für hochspezialisierte Individualentwicklung zu vergeben haben, stellt sich die Frage, ob sie mit Freelancern oder eigenem Personal arbeiten. Doch daneben existiert eine weitere Form, den neu-traleren Blick externer IT-Profis mit dem Wunsch vieler Auftraggeber nach Kontinuität und Wissenserhalt zu kombinieren.

Viele Branchen verspüren durch Digitalisierungsschübe, Internationalisierung und schnelle Innovationszyklen erhöhten Bedarf an IT-Profis für die Umsetzung von Individualentwicklungen. Sinnvoll ist bei der Suche nach der passenden IT-Beratung ein Team, das neben Entwicklungskompetenz auch fundiertes Fachwissen zum IT-Einsatz im branchenbezogenen Umfeld mitbringt. Diese Doppelkompetenz können viele Freelancer nicht vorweisen.

So entsteht ein Markt für spezialisierte IT-Lösungsanbieter, die auf Digitalisierungsoffensiven, Industrie 4.0 und Change-Prozesse in gewachsenen IT-Umgebungen vorbereitet sind. Solche Häuser können ihrem Beratungsanspruch jedoch mit wechselnden Freelancern nicht gerecht werden. Daher ist es speziell zur Lösung komplexer Probleme und in festgefahrenen Projekte sinnvoll, den Anwendern einen konstanten Pool Mitarbeiter zur Seite zu stellen, die unabhängig von Projekt- und Auftragslage beim IT-Lösungsanbieter beschäftigt sind.

Der Auftraggeber profitiert von einem eingespielten, modular kombinierbaren Einsatzteam, das speziell für sein IT-Projekt zusammengestellt wird. Mit solchen Task Forces können Lösungsanbieter Experten entsenden, die mit den Anwendern fachlich auf Augenhöhe diskutieren. Eine beispielhafte Doppelkompetenz ist der Diplom-Informatiker mit Fokus auf Individualentwicklung und Performance-Analysen, der Expertisen zur Steuerung von Montageanlagen mitbringt.

Argumente für konstante Teamarbeit statt wechselnder Freelancer liegen in den Bereichen Wissensmanagement und Wirtschaftlichkeit. Bei komplexen, individuellen und wachsenden IT-Projekten entstehen enorme Datenmengen durch Dokumentationen und Erfahrungen, durch agile Projektarbeit und Prototyping. Werden solche Prozesse von Freelancern betreut, kann das entstandene Wissen seine Anschlussfähigkeit an Folgeprojekte verlieren, weil eine erneute Zusammenarbeit in gleicher Konstellation unwahrscheinlich ist. Bei Task Forces verbleibt das Wissen beim Auftragnehmer und ist auch später abrufbar.

In puncto Wirtschaftlichkeit entfallen bei festen Teams Startschwierigkeiten sowie Revierkämpfe, die bei frisch zusammengesetzten Teams häufig entstehen. Von diesem Warmstart profitieren speziell mittelständische Unternehmen, die mit knapp kalkulierten IT-Budgets aktuellen Trends wie Digitalisierung folgen müssen, um sich am Markt behaupten zu können.“

Bildquelle:Thinkstock/iStock/Permanent Hays/Kutzner Prozessoptimierung

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