Vertragsgestaltung mit Providern

Public Cloud: Keine festen Verpflichtungen eingehen!

„Kunden sollten bei der Vertragsgestaltung bei Public-Cloud-Angeboten darauf achten, keine festen Verpflichtungen einzugehen, ehe nicht Volumen und Ramp-up-Zeiträume klar sind“, betont Uwe Scheuber, Director Business Development Cloud & Hybrid IT bei Fujitsu Central Europe, im Interview.

Uwe Scheuber, Director Business Development Cloud & Hybrid IT bei Fujitsu Central Europe

„Multi-Cloud ist sicherlich in vielen Fällen sinnvoll, erhöht jedoch auch die Komplexität“, bemerkt Uwe Scheuber von Fujitsu.

ITM: Herr Scheuber, wie viel Vertrauen schenkt der Mittelstand anno 2019 dem Cloud Computing?
Uwe Scheuber:
Insbesondere deutsche Mittelständler waren im internationalen Vergleich lange Zeit eher zurückhaltend bei der Cloud-Nutzung. Dies hat sich mittlerweile gewandelt: Der Trend geht im Mittelstand ganz klar hin zu Hybrid-IT – also der Kombination von Eigenbetrieb und (verschiedenen) Cloud-Services.

ITM: Inwieweit hat sich hier die Einstellung der Unternehmer zu Cloud Computing in den letzten zwei, drei Jahren gewandelt?
Scheuber:
Unternehmer und IT-Verantwortliche haben mittlerweile eine sehr pragmatische Einstellung zur Cloud: Sie wird dort genutzt, wo sie sinnvoll ist, und ihr Anteil an der Unternehmens-IT wächst dementsprechend kontinuierlich. Diese Pragmatik spiegelt sich im Hybrid-IT-Ansatz wider, den die meisten Unternehmen verfolgen.

ITM: Welche konkreten Chancen und Risiken sehen die Anwender in Cloud-Lösungen?
Scheuber:
Cloud-Services haben ihre großen Stärken in schneller und einfacher Verfügbarkeit, hoher Skalierbarkeit, dem Wegfall von Anfangsinvestitionen und meist geringen Gesamtkosten. Überall dort, wo Daten im eigenen Unternehmen verbleiben sollen, sind dagegen On-Premise-Systeme gefragt – und hier zunehmend integrierte, software-definierte Systeme (Hyper Converged Infrastructure).

ITM: Welche Cloud-Variante ist für Mittelständler besonders sinnvoll und woran wird das festgemacht: Private Cloud, Public Cloud, Hybrid-Cloud, Multi-Cloud...?
Scheuber:
Ein einziger Cloud-Service kann in den seltensten Fällen alle Anforderungen eines Unternehmens erfüllen. Daher nutzen die meisten Firmen verschiedene Cloud-Angebote parallel. Sie setzen also auf Multi-Cloud.

ITM: Worauf sollten Anwender bei der entsprechenden Vertragsgestaltung achten?
Scheuber:
Kunden sollten bei der Vertragsgestaltung bei Public-Cloud-Angeboten darauf achten, keine festen Verpflichtungen einzugehen, ehe nicht Volumen und Ramp-up-Zeiträume klar sind. Vertragsformen ohne jegliche feste Abnahmeverpflichtungen und mit maximaler Flexibilität sind hier am besten geeignet. Sollten mehrere Clouds genutzt werden, ist die Beauftragung „eines“ Service-Providers auch für den Bezug von Cloud-Services verschiedener Cloud-Provider überlegenswert. Das bringt den Vorteil, dass auch bei Multi-Cloud-Umgebungen nur ein einziger Vertrag erstellt werden muss.

ITM: Was sind übliche Laufzeiten bei der Nutzung von Cloud-Lösungen?
Scheuber:
Kunden, die heute in die Cloud gehen, setzen in der Regel auf Laufzeiten von mindestens 12 Monaten. Eine kürzere Laufzeit kommt meist nur bei Start-ups oder bei Text- und Entwicklungsumgebungen zum Tragen.

ITM: Wie komplex gestaltet sich ein möglicher Wechsel zu einem neuen Cloud-Anbieter?
Scheuber:
Dies ist stark von den Einsatzszenarien abhängig. Erfahrungsgemäß ist die Migration zwischen verschiedenen Cloud-Plattformen meist komplizierter als die von klassischen IaaS-Plattformen.

ITM: Was sind hier häufige Stolpersteine hinsichtlich der Ausstiegsklauseln?
Scheuber:
Zwei klassische Stolpersteine sind die Dauer der vertraglichen Verpflichtung und der so genannte Vendor-Lock-in. Häufig sind Cloud-Lösungen an den jeweiligen Hyperscaler gebunden, so dass ein Wechsel für Kunden zu einem anderen Provider schwierig wird.

ITM: Wie kann man als Anwender sicher sein, dass auch wirklich keine Unternehmensdaten beim vorherigen Anbieter verbleiben? Wie lässt sich das überprüfen?
Scheuber:
Eine Sicherheit gibt es diesbezüglich aus unserer Sicht nicht. Wir empfehlen daher, alle Daten, die man in die Cloud bringt, mit einem eigenen Schlüssel zu verschlüsseln. Damit wird sichergestellt, dass sie nur von berechtigten Personen gelesen werden können. Mittlerweile ist die Verschlüsselung mit eigenem Schlüssel bei jedem Hyperscaler möglich und sollte auch dringend verwendet werden.

ITM: Wie wirkt sich der Brexit auf die Cloud-Nutzung in Europa aus?
Scheuber:
Wir empfehlen generell, auch bei Cloud-Services Rechenzentren zu nutzen, die in der Europäischen Union liegen.

ITM: Was raten Sie mittelständischen Anwendern, die sich anno 2019 für die Cloud entscheiden? Welche Strategie sollten sie fahren?
Scheuber:
Wir empfehlen, die Anzahl der Hyperscaler so niedrig wie möglich zu halten. Multi-Cloud ist sicherlich in vielen Fällen sinnvoll, erhöht jedoch auch die Komplexität. Entscheidend ist daher, frühzeitig eine Cloud-Strategie zu definieren und ein Cloud-Governance-Modell zu entwickeln.

Bildquelle: Fujitsu

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