Virtuelle IT-Infrastrukturen etabliert

Pumpenhersteller setzt auf Virtualisierung

Virtuelle IT-Infrastrukturen ermöglichen es dem Pumpenhersteller Nidec GPM nicht nur, den Just-in-time-Anforderungen der Automobilindustrie zu entsprechen, sondern auch das Unternehmenswachstum flexibel zu begleiten. Welche weiteren Vorteile die Virtualisierung der IT-Lamdschaft mit sich bringt, erläutern Björn Bodenstein, IT-Leiter bei Nidec GPM, Jens Truckenbrodt, verantwortlich für IT-Infrastrukturen und IT-Betrieb, sowie dessen Teammitgliedern im Interview.

  • Björn Bodenstein (re.) und Jens Truckenbrodt von Nidec GPM

    Über die Virtualisierung der eigenen IT-Landschaft berichten Björn Bodenstein, IT-Leiter bei Nidec GPM (re.), Jens Truckenbrodt, verantwortlich für IT-Infrastrukturen und IT-Betrieb, sowie dessen Teammitglied (im Hintergrund).

  • Derzeit erweitert der Mittelständler seinen Standort Merbelsrod um eine neue Produktionshalle.

  • „Im Rahmen unserer Produktentwicklung fallen sensible Konstruktionsdaten an, deren Auslagerung in ein externes Rechenzentrum oder in eine öffentliche Cloud für uns nicht in Frage kommt“, erklärt Björn Bodenstein (re.), IT-Leiter beim Pumpenhersteller Nidec GPM.

  • „Wir müssen generell ein breites Spektrum an CAD-Systemen einsetzen, mit denen unsere Entwicklungsabteilung sämtliche Wünsche der Automobil-hersteller umsetzen kann“ weiß Jens Truckenbrodt (mitte), verantwortlich für den IT-Betrieb bei Nidec GPM.

Das erklärte Ziel des im südthüringischen Merbelsrod ansässigen Unternehmens Nidec GPM lautet: Weniger Kraftstoffverbrauch und weniger Emissionen. Dafür entwickelt der Mittelständler – insbesondere für Automobilhersteller – schalt- und regelbare Pumpensysteme in direkter Verbindung mit der Motorsteuerung und weitere Komponenten im Bereich Thermomanagement. Die Öl- und Wasserpumpen eignen sich dabei für Personenkraftwagen und LKW- sowie für Dieselgroßmotorenanwendungen.

Vor allem in den vergangenen Jahren wuchs der 1939 gegründete Familienbetrieb rasant. Nicht zuletzt aus diesem Grund wurde der japanische Konzern Nidec auf die Thüringer aufmerksam und integrierte das Traditionsunternehmen im Februar dieses Jahres in die eigenen Firmenstrukturen. Doch auch nach dieser Übernahme agiert die in Merbelsrod zentral aufgestellte IT-Abteilung des Mittelständlers eigenständig. Besonders stolz ist die Mannschaft um IT-Leiter Björn Bodenstein dabei auf die in der Vergangenheit durchgängig etablierten virtuellen IT-Infrastrukturen. Hierfür haben Jens Truckenbrodt, verantwortlich für den IT-Betrieb, sowie dessen Teammitglieder Steffen Mitulla und Tino Schilling gemeinsam mit dem Dienstleister Transtec aus Reutlingen in den letzten Jahren sämtliche IT-Bereiche erfolgreich virtualisiert. Im Gespräch mit IT-MITTELSTAND erläutert das Team die wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Virtualisierung und berichtet über die spezifischen Anforderungen an die IT von Automobilzulieferern.

ITM: Herr Bodenstein, wie ist Ihr Unternehmen IT-seitig organisiert?
Björn Bodenstein:
Unsere IT-Mannschaft besteht aus elf Mitarbeitern und zwei Bereichen: Der Bereich „IT-Infrastrukturen und IT-Betrieb“ kümmert sich um die Hardware-Infrastrukturen, realisiert den User Support und treibt die Virtualisierung unserer IT-Landschaft mit VMware voran. Desweiteren existiert ein spezielles Team für „IT-Applikationen“, das sich auf die Anwendungsbetreuung und -entwicklung, insbesondere des ERP-Systems, konzentriert. Zudem übernehmen die Kollegen die Betreuung der Business-Intelligence-Software (BI) und CAQ-Systeme (Computer aided Quality, d.h. rechnerunterstützte Qualitätssicherung) sowie die Abbildung sämtlicher Unternehmensprozesse in unseren Softwarelösungen.

ITM: Mit welchem ERP-System arbeiten Sie?
Bodenstein:
Wir nutzen mit dem Standardsystem Foss der Firma Ordat aus Gießen eine auf mittelständische Unternehmen zugeschnittene Branchenlösung

ITM: Herr Truckenbrodt, Herr Mitulla, welche konkreten Branchenanforderungen gibt es an Ihre IT?
Jens Truckenbrodt:
Größtenteils geben unsere Kunden vor, mit welchen IT-Lösungen wir arbeiten sollen. Beispielsweise müssen wir ein breites Spektrum an CAD-Systemen einsetzen, mit denen unsere Entwicklungsabteilung sämtliche Wünsche der Automobilhersteller umsetzen kann. Darüber hinaus müssen wir den 24x7-IT-Betrieb für alle Standorte garantieren, da unsere Fertigung in drei Schichten rund um die Uhr arbeitet. Die damit einhergehende, zuverlässige Bereitstellung aller benötigten IT-Kapazitäten wird vertraglich seitens der OEMs eingefordert, etwa um Just-in-time-Lieferungen garantieren zu können.

Steffen Mitulla:
Hinsichtlich der Anforderungen seitens der Automobilhersteller spielt überdies die Rückverfolgbarkeit unserer Produkte eine wichtige Rolle. So müssen wir mittels Verfahrensdokumentation alle Prozesse sowie Qualitäts- und Prozessdaten abbilden, die an den jeweils beteiligten Produktionsmaschinen entstehen.

ITM: Wer zählt zu Ihren Kunden?
Bodenstein:
Unser größter Kunde ist der VW-Konzern sowie dessen Tochtergesellschaften Audi, Porsche, Seat und Bentley. Desweiteren bedienen wir den LKW-Hersteller MAN, der mittlerweile ebenfalls zum Wolfsburger Konzern gehört. Zu den weiteren wichtigen Kunden zählen beispielsweise die Daimler AG, General Motors, Deutz, ZF Friedrichshafen und seit neuestem auch Jaguar Landrover.

Insgesamt agieren wir in 90 Prozent aller Geschäftsfälle als Tier1-Lieferant und liefern direkt an die Automobilhersteller. Grundsätzlich werden die Anforderungen der OEMs dabei von Jahr zu Jahr höher, was sich sowohl in unseren Fertigungs- als auch in den IT-Prozessen niederschlägt. Denn in der Produktion kommen zunehmend Maschinen mit Leitsteuerung zum Einsatz, die mit dem Firmennetzwerk sowie vorhandenen Softwaresystemen gekoppelt sind. Sollte es zu einem Serverausfall kommen, stünden demzufolge auch Teile unserer Fertigung still. Können wir im Zuge eines Ausfalls die Kunden nicht rechtzeitig beliefern, wird es teuer für uns. Denn der Stillstand eines Fließbands im Werk eines Automobilherstellers kann sich keiner leisten: Für jede Minute oder Stunde gibt es feste Ausfallskosten, die wir als Zulieferer übernehmen müssen.

ITM: Welche Produkte entwickeln Sie für die Automobilindustrie?
Truckenbrodt:
Das kommt immer auf das jeweilige Projekt an. In der Regel geben uns die Kunden einen Anforderungskatalog vor – etwa welche Leistungsmerkmale die Öl- oder Wasserpumpen besitzen sollen und welcher Motorbauraum zur Verfügung steht. Anschließend müssen unsere Entwicklungen diesen Anforderungen bestmöglich – d.h. auch energieeffizient und kostengünstig – entsprechen können. Einerseits entwickeln wir Pumpen, die nachfolgend über mehr als fünf Jahre von uns produziert und an den Hersteller geliefert werden. Andererseits gibt es Pumpensysteme, bei denen wir regelmäßig Änderungen bzw. Erweiterungen durch definierte Änderungsprozesse vornehmen müssen.

ITM: Wie lange dauert die Markteinführung einer Pumpe?
Bodenstein:
Die komplette Neuentwicklung eines Öl- oder Wasserpumpensystems dauert in der Regel zwischen drei und vier Jahren. Im Anschluss daran gehen die Produkte in die Serienfertigung, was sich inzwischen deutlich komplexer gestaltet als in früheren Zeiten.

ITM: Warum ist das so?
Truckenbrodt:
Herkömmliche Pumpen setzten sich früher allein aus sieben Teilen zusammen. Inzwischen gibt es Systeme, die aus 30 bis 50 Einzelteilen bestehen und sowohl mechanisch als auch elektronisch gesteuert werden können.

Bodenstein:
Profane Wasserpumpen können heutzutage viele Anbieter herstellen, demgegenüber liegt unser Alleinstellungsmerkmal vor allem in der Herstellung schaltbarer und regelbarer Wasserpumpen. Der Hintergrund: Wird ein kalter Motor gestartet, benötigt man zunächst noch keine Kühlung. Von daher kühlen unsere Pumpsysteme erst in dem Moment, in dem der Motor warm gelaufen ist. Damit erfolgt der Start des Motors deutlich energieeffizienter, wodurch wiederum Kraftstoff gespart und der CO2-Ausstoß verringert werden kann. In der Regel besitzen unsere Wasserpumpen einen Serienlebenslauf von von vier bis sieben Jahren. Allerdings wurden die Produktlebenszyklen zuletzt immer kürzer, auch da die Automobilhersteller selbst in immer kürzeren Zeitabständen neue Motoren auf den Markt bringen.

„Wir legen großes Augenmerk auf unsere Entwicklung und beschäftigen daher rund zehn Prozent aller Mitarbeiter in diesem Bereich.“

ITM: Welchen Stellenwert besitzt die Produktentwicklung für sie als Zulieferer?
Bodenstein:
Generell legen wir großes Augenmerk auf unsere Entwicklung und beschäftigen daher rund zehn Prozent aller Mitarbeiter in diesem Bereich. Im Rahmen der Produktentwicklungen fallen stets große Datenmengen an. Da es sich hierbei um sensible Konstruktionsdaten handelt, kommt die Auslagerung der Daten in ein externes Rechenzentrum oder gar in eine öffentliche Cloud für uns grundsätzlich nicht in Frage. Im Gegenteil können wir dank unserer virtuellen Infrastrukturen selbst die benötigten Ressourcen zur Verfügung stellen und damit sichergehen, dass sensible Informationen nicht in falsche Hände geraten.

ITM: Warum sind flexible Infrastrukturen so wichtig?
Bodenstein:
Unser starkes Firmenwachstum stellte die IT-Abteilung in den vergangenen Jahren immer wieder vor große Herausforderungen. Während wir vor gut zehn Jahren etwas über 400 Mitarbeiter beschäftigten, umfasst unsere Belegschaft heute ca. 1.250 Mitarbeiter. Davon sind allein rund 1.080 in unserer Zentrale in Merbelsrod beschäftigt. Dieses Wachstum mussten wir IT-seitig sehr schnell abfedern, wobei es uns vor allem auf schnelle Reaktionsfähigkeit und hohe Verfügbarkeit ankam.

ITM: Wie realisieren Sie die geforderte Ausfallsicherheit?
Truckenbrodt:
Um den damit verbundenen 24x7-Support zu gewährleisten, wechseln sich die IT-Kollegen im Bereitschaftsdienst rund um die Uhr untereinander ab. Von Vorteil ist hier die virtuelle Infrastruktur, so können wir von zuhause oder von unterwegs aus remote auf sämtliche IT-Systeme zugreifen, um auftretende Probleme oder Störungen schnell zu beheben. Darüber hinaus betreiben wir einen professionellen Helpdesk für den Nutzersupport, in dessen Rahmen wir Anfragen priorisieren und gemäß Service Levels abarbeiten können.

ITM: Herr Schilling, stemmen Sie den Support ausschließlich aus eigener Kraft?
Tino Schilling:
Während der First Level Support von unserer IT-Mannschaft realisiert wird, setzen wir im Second Level in bestimmten Fällen auf externe Dienstleister, etwa auf unseren Infrastrukturpartner Transtec. Bei kniffligen Fragen zu bestimmten Produkten kommen – zumeist im Rahmen von Wartungsverträgen – auch die Hersteller selbst mit ins Boot.

ITM: Wie haben Sie Ihre IT vor dem Hintergrund der in der Automobilindustrie notwendigen Just-in-time-Prozesse aufgestellt?
Bodenstein:
Mittlerweile leisten alle unsere IT-Systeme die „Echtzeit“-Abbildung von Unternehmensprozessen. So haben wir beispielsweise die gesamte Supply Chain elektronisch abgebildet und über entsprechende Schnittstellen für den elektronischen Datenaustausch (Electronic Data Interchange, EDI) an das ERP-System gekoppelt. Auf diese Weise speisen die OEMs ihre elek-tronischen Lieferavis direkt in unsere Systeme ein, wodurch wir wiederum unsere Bedarfsinformationen unmittelbar an unsere Lieferanten weitergeben können.

ITM: Worauf kommt es beim Austausch der Daten an?
Truckenbrodt:
Je nach Kundenanforderung läuft der elektronische Datenaustausch über die in der Automobilbranche üblichen Standards wie Edifact, VDA oder Odette. Über entsprechende Schnittstellen erfolgt gleichzeitig die nahtlose Anbindung ans ERP-System, wofür das Team der Applikationsbetreuung zuständig ist. Sollten die Anforderungen zu komplex werden, erhalten wir Unterstützung von unserem ERP-Lieferanten.

ITM: Die Virtualisierung der Infrastrukturen ist ein wichtiger Baustein Ihrer IT-Strategie. Wie viel Hardware nutzen Sie heute noch?
Schilling:
Naturgemäß findet man auch in unseren Rechenzentren noch Hardware vor. Allerdings betreiben wir Applikationen nicht mehr auf dedizierten Servern, sondern halten sie sämtlich virtualisiert vor. Dabei arbeiten wir mit zwei großen Storage-Systemen in jeweils unterschiedlichen Brandabschnitten sowie mit mehreren ESXI-Servern von IBM, auf denen wichtige betriebswirtschaftliche Anwendungen laufen.

Truckenbrodt: Mit der Konsolidierung unserer Hardware starteten wir bereits 2007. In den darauffolgenden Jahren haben wir sie kontinuierlich vorangetrieben und mit Transtec als externem Dienstleister mehrere Infrastrukturprojekte umgesetzt. Im Rahmen eines unserer jüngsten Projekte haben wir die gesamte virtualisierte IT-Infrastruktur von HP- auf IBM-Lösungen migriert. Im Zuge dessen setzen wir inzwischen nicht mehr nur auf Speicher- und Servervirtualisierung, sondern auch auf virtuelle Desktops und Applikationen.

ITM: Was war ausschlaggebend für die Zusammenarbeit mit dem in Reutlingen ansässigen IT-Dienstleister?
Truckenbrodt:
Die Wurzeln unserer Zusammenarbeit reichen bis ins Jahr 2005 zurück, als wir ein gemeinsames Projekt erfolgreich abschließen konnten. Seitdem arbeiten wir u.a. mit den CAD-Workstations von Transtec. Der Hintergrund: Aufgrund der Vorgaben der Automobilhersteller müssen wir die verschiedensten CAD-Systeme nutzen, die sich nicht ohne weiteres auf herkömmlichen PCs abbilden lassen. Die Reutlinger hingegen konnten ihre Workstations individuell auf unsere Anforderungen hin zuschneiden.

Schilling: Im Anschluss daran haben wir in Merbelsrod zwei Rechenzentren betrieben, die im Laufe der Zeit jedoch an ihre Grenzen stießen. Als beide Data Center mehr oder weniger „überquollen“, mussten wir handeln. Nicht zuletzt um Platz zu sparen, haben wir uns für die Nutzung virtueller Ressourcen entschieden und das Projekt entsprechend ausgeschrieben. Das am besten passende Angebot – inklusive Notfallkonzept und Projektmanagement – hatte Transtec parat.

„Mithilfe unseres IT-Dienstleisters konnten wir alle Services aus einer Hand beziehen.“

ITM: Welche weiteren Punkte sprachen für den Anbieter?
Bodenstein:
Generell legen wir großen Wert darauf, Services aus einer Hand zu beziehen. Dies konnte uns der Dienstleister garantieren – angefangen von den Schulungen, über die Installation der Lösungen, deren Konfiguration und Integration in bestehende IT-Infrastrukturen bis hin zur Wartung der Systeme.

ITM: Welche Vorteile brachte die Virtualisierung mit sich?
Bodenstein:
In den vergangenen sechs Jahren konnten wir unseren Umsatz nahezu verdreifachen. Das damit verbundene Firmenwachstum wurde unter anderem durch die Flexibilisierung unserer IT gestützt. Denn dank der Virtualisierung sind unsere Server gleichmäßig ausgelastet, wodurch wir keine Server mehr betreiben, die nur zu einem gewissen Prozentsatz genutzt werden. Mittlerweile arbeiten wir mit acht IBM-ESXI-Servern, begonnen haben wir mit zwei Systemen.

Schilling: Zudem haben wir mittels Virtualisierung die Voraussetzungen geschaffen, die Speicher- und Serverumgebung einfach und schnell zu erweitern. So können wir neue virtuelle Server heutzutage innerhalb einer Stunde konfigurieren.

ITM: Haben Sie alle eingesetzten Softwaresysteme virtualisiert?
Mitulla:
Es gibt noch die eine oder andere Anwendung, die sich entweder gar nicht virtualisieren lässt oder ein gänzlich ungeeignetes Lizenzierungsmodell dafür besitzt. Hierfür setzen wir nach wie vor dedizierte Server ein.

ITM: Wie viele Rechenzentren betreiben Sie aktuell?
Truckenbrodt:
Derzeit betreiben wir auf unserem Firmengelände in Merbelsrod drei Rechenzentren in drei unterschiedlichen Brandabschnitten. Zudem bauen wir gerade eine neue Fertigungshalle, in die wir ein weiteres Rechenzentrum integrieren werden, um unsere IT-Kapazitäten aufzustocken.

Schilling: Sollte in einem Brandabschnitt etwas passieren, übernimmt automatisch das Rechenzentrum im anderen Abschnitt. Dort halten wir unsere gesamte IT gespiegelt und hochverfügbar vor. Im dritten Brandabschnitt schließlich befinden sich unsere Backup-Systeme. Alle Abschnitte sind untereinander per Glasfaser vernetzt und kommunizieren automatisiert. Bezüglich der Netzanbindung setzen wir auf die Telekom. Um eine Außenverbindung von zwei Seiten sicherzustellen, werden wir demnächst in das MPLS-Netz der Nidec Motors & Actuators aufgenommen.

ITM: Apropos Backup: Wo liegen hier die Schwerpunkte?
Truckenbrodt:
Zunächst sichern wir sämtliche Anwendungen via Backup-to-Disk, um die schnelle Wiederherstellung der Daten zu gewährleisten. Auf diese Weise können wir in weniger als 15 Minuten sowohl verlorengegangene Daten als auch virtuelle Server wiederherstellen. Im nächsten Schritt werden alle auf den Disks gespeicherten Daten automatisch auf eine Bandbibliothek gespielt und dort archiviert.

ITM: Inwieweit setzen Sie in diesem Rahmen auf aktuelle Technologien wie Solid State Disks (SSD) oder Flash-Speicher?
Truckenbrodt:
Wir nutzen solche Technologien zur Speicherung leistungsintensiver Systeme – etwa beim Zugriff auf Datenbanken und Fileserver. So speichern wir Daten, auf die verhältnismäßig oft zugegriffen wird, im Rahmen unseres Storage-Konzepts temporär auf Solid State Disks.

Schilling: Der Einsatz solcher Technologien ist vor allem in Live-Umgebungen interessant, für die klassische Archivierung jedoch eher ungeeignet. Zwar ermöglichen SSDs und Flash-Lösungen einen viel schnelleren Datenzugriff als herkömmliche Speichermedien, dafür sind sie deutlich teurer. Von daher haben wir uns für die preisgünstigeren „Backup to disk“ (SAS) und Magnetspeicher (Tape) entschieden und damit verbunden für die Backup-Software des Schweizer Herstellers Veeam.

ITM: Für die Arbeitsplätze Ihrer Mitarbeiter nutzen Sie statt der üblichen Desktop-PCs vorrangig Thin Clients – aus welchen Gründen haben Sie sich dafür entschieden?
Truckenbrodt:
Aus denselben Gründen, die auch für die Virtualisierung sprachen: Es ging uns vorrangig um die Standardisierung – etwa hinsichtlich der Softwarepaketierung sowie des Patch- und Release-Managements. Mit dem Umstieg auf Thin Clients des Anbieters Igel konnten wir überdies den internen Arbeitsaufwand und damit verbunden auch Kosten senken.

Mitulla: Zudem können wir nun innerhalb von 20 Minuten einen komplett neuen Arbeitsplatz einrichten. Denn aufgrund des erwähnten Firmenwachstums kommt es häufig vor, dass uns die Personalabteilung um die schnelle Integration eines neuen Mitarbeiters in unsere IT-Umgebung bittet.

Schilling: Nicht zuletzt spielt uns in diesem Zusammenhang in die Karten, dass wir mit Citrix XenApp, bzw. XenDesktop mittlerweile auch unsere Desktopumgebung virtualisiert haben. So können wir künftig den Mitarbeitern auch unterwegs oder an anderen Standorten auf Knopfdruck benötigte Anwendungen zur Verfügung stellen – vom ERP-System über die CAQ und BI-Lösungen bis hin zu Office-Programmen wie Mail, MS Word oder Acrobat Reader.

„Wir lassen nur eine Art von USB-Sticks zu, die an den Thin Clients ausgelesen werden können.“

ITM: Welche Rolle spielten Sicherheitsaspekte bei der Entscheidung für Thin Clients?
Truckenbrodt:
Mit den Endgeräten können wir unsere Sicherheitsvorgaben unternehmensweit standardisieren: So lassen wir nur eine Art von USB-Sticks zu, die an den Thin Clients ausgelesen werden können. Damit können wir das Eindringen fremder Geräte in unser Firmennetz vermeiden.

ITM: Lassen Sie uns einen Blick nach vorne werfen – welche Projekte stehen in naher Zukunft bei Ihnen an?
Bodenstein:
Gemeinsam mit Transtec verfolgen wir hinsichtlich unserer IT-Infrastrukturen seit langem eine klare Modernisierungsstrategie – angefangen von der Server- über die Speicher- bis hin zur Desktop-Virtualisierung mittels Thin Clients. Diese wollen wir auch künftig vorantreiben und z.B. die Virtualisierung unserer CAD-Systeme inklusive der Workstations angehen.

ITM: Wie stimmen Sie sich bei konkreten IT-Vorhaben ab?
Bodenstein:
Im Bereich von IT-Infrastrukturprojekten plant Jens Tuckenbrodt das Vorgehen und spricht es mit mir ab. Die Ergebnisse fließen anschließend in unseren Investitionsplan ein. Bei größeren Projekten erfolgt eine ROI-Berechnung. Diese stellen wir der Geschäftsleitung vor, die entweder zustimmt oder die Vorhaben nochmals überarbeiten lässt. Generell besitzt unsere IT-Abteilung ausreichend Handlungsspielraum – für anstehende Großprojekte brauchen wir jedoch stets die Zustimmung der Geschäftsleitung. Allerdings werden hier sicherlich in Zukunft durch unsere Konzernmutter verfeinerte Freigabeprozesse eingeführt werden.

ITM: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der Konzernmutter?
Bodenstein:
Durch die Übernahme von Nidec werden sich innerhalb des Konzerns sicherlich Synergien ergeben. Bislang gibt es seitens der Muttergesellschaft jedoch nur geringe Vorgaben, an denen wir uns IT-seitig ausrichten müssten. Generell sehen wir unsere IT – nicht zuletzt aufgrund der durchgehenden Virtualisierung – modern und zukunftsfähig aufgestellt.

ITM: Welche Anforderungen kommen auf Ihre IT demnächst zu?
Truckenbrodt:
Für unseren Standort in China haben wir beschlossen, ebenfalls eine durchgängige Virtualisierung der Server- und Speicherlandschaften zu realisieren. Von Vorteil ist, das wir alle internationalen Standorte von Merbelsrod aus überwachen, betreuen und warten können.

ITM: Welches Projekt haben Sie konkret mit Transtec geplant?
Mitulla:
Die CAD-Virtualisierung, da der Dienstleister hier bereits ein großes Projekt bei einem Automobilhersteller abgeschlossen hat und somit entsprechende Erfahrungen aufweisen kann. So können wir die Virtualisierung bei uns vollenden: Bislang haben wir rund 95 Prozent aller eingesetzten IT-Server-Systeme virtualisiert – angefangen von den Servern bis hin zu den Applikationen wie dem ERP-System.

 

Björn Bodenstein

  • Alter: 31 Jahre
  • Familienstand: ledig
  • Werdegang: Diplom Infor­matiker (FH), Mitarbeiter Einkauf, IT-Anwendungsmanagement, Leiter IT bei der Nidec GPM GmbH
  • Derzeitige Position: Leiter IT bei der Nidec GPM GmbH
  • Hobbys: Ausdauersport, Reisen

Jens Truckenbrodt

  • Alter: 35 Jahre
  • Familienstand: ledig
  • Werdegang: zwölf Jahre bei GPM
  • Derzeitige Position:Teamleiter IT-Infrastruktur und IT-Betrieb bei der Nidec
    GPM GmbH
  • Hobby: Motorrad

Steffen Mitulla

  • Alter: 37 Jahre
  • Familienstand: ledig
  • Werdegang: seit 2012 bei GPM, vorher Regiomed Kliniken GmbH
  • Derzeitige Position: IT-Infra­struktur und IT-Betrieb bei der Nidec GPM GmbH
  • Hobbys: Volleyball, Lesen

Tino Schilling

  • Alter: 34 Jahre
  • Familienstand: ledig
  • Werdegang: 15 Jahre bei GPM
  • Derzeitige Position: IT-Infrastruktur und IT-Betrieb bei der Nidec GPM GmbH
  • Hobby: Tischtennis

 

Über die Nidec GPM GmbH
Das auf die Herstellung von schalt- und regelbaren Öl- und Wasserpumpen spezialisierte Unternehmen blickt auf über 75 Jahre Erfahrung in der Automobilzuliefererindustrie zurück. Das Produktportfolio des Mittelständlers umfasst u.a. konventionelle, schaltbare und regelbare Wasserpumpen für Verbrennungskraftmaschinen, angefangen von Pumpen für PKW bis hin zu LKW- und Dieselgroßmotorenanwendungen. Zudem stellt man volumenstrom- und druckvariable Ölpumpen her, die direkt in das Motormanagement eingebunden werden können. Seit Februar 2015 gehört der Mittelständler mit seinen drei Auslandsstandorten zum Unternehmensbereich AMEC der japanischen Nidec Corporation.

  • Hauptsitz: Merbelsrod/Thüringen
  • Ausländische Standorte: Brasilien, China, USA
  • Gründung: 1939
  • Mitarbeiter: rund 1.250, davon ca. 1.080 in Merbelsrod

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