Software-Entwicklung

Qualitätssicherung durch Dritte

Eine Software zu ersetzen, ist eine Mammutaufgabe. Sie gestaltet sich noch einmal schwerer, wenn man sich wie die Zahnärztliche Abrechnungs-gesellschaft als Nischenanbieter in einem kleinen Marktsegment bewegt. Nach langer Suche fand sich eine Lösung.

Zahnärztin bei der Behandlung

Die Zahnärztliche Abrechnungsgesellschaft Düsseldorf AG (ZA AG) bietet maßgeschneiderte Service- und Beratungsleistungen für Zahnärzte und Kieferorthopäden. Das Spektrum umfasst die komplette Rechnungs- und Zahlungsabwicklung mit Patienten.

Der Factoring-Markt ist in Bewegung. Dabei nimmt auch die Nutzung von Factoring-Lösungen im Mittelstand zu: Kleinere und mittlere Unternehmen machten 2016 knapp 60 Prozent des Factoring-Volumens aus. Das entspricht einem Plus von fast 15 Prozent gegenüber 2015, wie der Deutsche Factoring-Verband verkündete. „Ein ordentliches Ergebnis“, fasst Verbandssprecher Joachim Secker zusammen.

Zu den etablierten Factoring-Anbietern zählt auch die Zahnärztliche Abrechnungsgesellschaft Düsseldorf AG (ZA AG). Das Unternehmen bietet maßgeschneiderte Service- und Beratungsleistungen für Zahnärzte und Kieferorthopäden. Das Spektrum umfasst die komplette Rechnungs- und Zahlungsabwicklung mit Patienten. In dieser Rolle erhöht die ZA AG die Liquidität und senkt das Ausfallrisiko für die bundesweit rund 4.000 angeschlossenen Praxen.

Kürzlich stieß das Unternehmen allerdings an die Grenzen seiner Dienstleistungskapazitäten. Nicht etwa der in vielen Bereichen grassierende Personalmangel war schuld, eine unvorhergesehene wirtschaftliche Schieflage oder gar gesetzliche Veränderungen. Es war die IT-Infrastruktur, die nicht mehr anpassungsfähig genug war. „Die Wartbarkeit einzelner Module wurde immer langwieriger, die Dokumentation einzelner Arbeitsschritte immer aufwendiger“, sagt Wolfgang Hahn, Mitglied der Geschäftsleitung der ZA AG.

Aus diesen Gründen war die Implementierung eines neuen Systems notwendig geworden. Doch obwohl der deutsche Software-Markt aktuell einen nie da gewesenen Boom erlebt und seine Umsätze laut des Statistikportals Statista innerhalb der letzten zehn Jahre verdoppeln konnte, gestaltete sich die Suche nach einer neuen, passenden IT-Lösung unerwartet schwierig.

Ein 200 Seiten starkes Lastenheft

Der Grund: Die Zahnärztliche Abrechnungsgesellschaft (ZA AG) bewegt sich in einer zu kleinen Nische der ohnehin überschaubaren Factoring-Branche, als dass deren hoch individuelle Geschäftsabläufe „einfach so“ mit einer Software von der Stange abgedeckt werden könnten. „Wir hofften, auf eine SAP-Anwendung zurückgreifen und auf unsere Bedürfnisse anpassen zu können“, sagt Wolfgang Hahn. „Doch eine solche Adaption hätte mehr Aufwand mit sich gebracht als eine Neuentwicklung. Also holten wir Angebote für Individualentwicklungen ein.“

Auf Grundlage eines 200 Seiten starken Lastenhefts sollten die neuen IT-Anwendungen von einem Systemhaus entwickelt werden. Doch nicht alle Funktionen, die das neue System später beinhalten sollte, wurden in der notwendigen Ausführlichkeit beschrieben. Die Folge: Standards, die in dem Vorgängersystem selbstverständlich waren, fehlten.

Schwierigkeiten wie diese treten bei der Entwicklung einer neuen Software häufig auf, berichtet Dr. Andreas Kotulla, Geschäftsführer der Bitsea GmbH, einem auf die Analyse, Bewertung und Optimierung von Software-Entwicklungsprozessen und Software-Architektur spezialisierten Dienstleistungsunternehmen. „Häufig haben die Fachanwender Schwierigkeiten, eine Funktion so zu beschreiben, dass die Entwickler etwas damit anfangen können.“

Nicht allein, dass Wunsch und Ergebnis dann stark voneinander abweichen. Auch unbeabsichtigte Sicherheitsrisiken können unerkannt bleiben, wenn der Endabnehmer den gelieferten Code nicht überprüfen kann. Daher empfiehlt Kotulla bei einer Neuentwicklung die Qualitätssicherung durch eine unabhängige dritte Instanz.

Gefährliche Sicherheitslecks

Generell sind Gefahren, die etwa von Sicherheitslecks ausgehen, sind nicht zu unterschätzen. In den letzten zwei Jahren wurden laut einer Studie des IT-Branchenverbands Bitkom zwei Drittel der deutschen Unternehmen Opfer von Datenklau oder Wirtschaftsspionage. Dadurch entstand ein gesamtwirtschaftlicher Schaden von rund 55 Mrd. Euro pro Jahr. „Diese Angriffe kosten nicht nur Geld. Sie schaden auch dem Firmenimage und werden daher für Unternehmen jeder Größe zu einer zentralen Managementaufgabe“, betont Kotulla.

Das erkannte auch die ZA AG und holte Bitsea als Qualitätssicherungsinstanz ins Boot. Denn trotz aller Bemühungen schafften es die eigenen Fachanwender und die Entwickler des beauftragten Software-Entwicklers nicht, die gleiche Sprache zu sprechen. Bei dem darauffolgenden Qualitätscheck traten neben den bereits bekannten Problemen Mängel im Code zutage, die auf lange Sicht zu einer schlechten Wartbarkeit, höheren Kosten und einem erhöhten Sicherheitsrisiko geführt hätten.

Inzwischen ist das „Schnee von gestern“, wie Wolfgang Hahn sich ausdrückt. Alle Mängel konnten behoben werden und die neue Software verrichtet ihren Dienst. Mit dem neuen Tool konnte die Rechnungsübermittelung von Arztpraxen zur ZA AG stärker automatisiert werden. Der Dienstleister bezieht die Rechnungsdaten nun effizienter über Schnittstellen zu der in Praxen verwendeten Verwaltungs-Software. „Ein guter Schritt“, sagt Hahn und ist sich sicher: Weitere Upgrades werden folgen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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