Webshops richtig aufsetzen

„Randgruppen nicht ausschließen“

Hauke Rahm, Customer Success Manager bei Commercetools, erklärt im Interview, was Unternehmen beim Aufsetzen eines Webshops beachten sollten und welche Rolle die Barrierefreiheit dabei spielt.

Hauke Rahm, Customer Success Manager bei Commercetools

„Inhalt, Struktur und Style der Seite müssen klar voneinander getrennt werden“, betont Hauke Rahm von Commercetools.

ITM: Herr Rahm, welchen Stellenwert besitzt die „Barrierefreiheit“ in Webshops und wie lässt sie sich umsetzen?
Hauke Rahm:
In Sachen „Barrierefreiheit“ gelten die klassischen Punkte, wie Inhalte auch in Blindenschrift anzubieten oder Alternativtexte zu Bildern bereitzustellen. Auch eine einfache Navigation ist sehr wichtig. Das gilt natürlich ganz generell. Denn wenn die Navigation für die Menschen leichter wird, verkauft der Händler auch mehr über die breite Masse der Konsumenten.

Zudem darf man Randgruppen nicht ausschließen. Schon aus Image-Gründen wäre das schädlich. Früher oder später zahlt sich Barrierefreiheit jedenfalls aus. Silver Surfer z.B. werden ja immer mehr zu einem relevanten Alterssegment im Online-Shopping. Ohnehin gibt es im E-Commerce den Trend zu einer intelligenten, einfachen Suche für den Käufer. Die Suche wird zwar immer komplexer, aber die Herausforderung ist es diese Komplexität den Kunden nicht spüren zu lassen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Aufbau der Seite. Inhalt, Struktur und Style der Seite müssen klar voneinander getrennt werden. Denn nur mit einer sauberen Struktur ist eine Webseite auch für jemanden, der schwerer navigieren kann und Tabs nutzt, einfach zu bedienen. Eine gute Webseite ist nicht einfach nur eine schön gestaltete Darstellung von Produkten, sondern liefert auch gute Inhalte für alle Teile der Bevölkerung.

ITM: Mit welchen Stolpersteinen ist oftmals beim Aufsetzen eines neuen Webshops zu rechnen?
Rahm:
Ein typisches Problem besteht darin, dass das Ziel unklar ist oder im Projektverlauf am Ziel herumgeschraubt wird. Es ist wichtig, ein sauberes MVP zu definieren und diese Zieldefinition nicht ständig zu verändern. Wenn man etwas verändern will, darf man die Ziele allenfalls niedriger stecken und sie auf keinen Fall ausweiten. Da gilt einfach die 80/20-Regel: Sich in nicht-essenziellen Details zu verlieren, kostet viel Zeit und Geld.

Der zweite große Problemkomplex hat mit fehlendem Know-how zu tun. Denn es ist heute wichtig, auf eine tunlichst moderne Architektur zu setzen. Microservices, APIs und „Headless“ sind eben keine bloßen Buzzwords. Sie sichern Zukunftsfähigkeit in einer Zeit, in der die Zukunft ungewisser denn je ist, gerade in der IT. Man sollte also schon ein gewisses Know-how mitbringen oder aufbauen. Sowohl funktional als auch in Sachen „Infrastruktur“ muss man eine Architektur bauen, die Weiterentwicklung zulässt und zukunftssicher macht. Aber Vorsicht: Auch hier besteht wieder die Gefahr, sich zu verzetteln.

Das dritte große Problemfeld bei neuen Webshops ist, dass man schlicht eine klassische und damit bereits veraltete Website baut. Es mag die eine oder andere Branche geben, in der das noch geht, aber in sehr vielen Branchen ist damit der Misserfolg vorprogrammiert. Am Anfang des Projekts sollte darum eine genaue Analyse stehen: Was unterscheidet mich von meinen Mitbewerbern und wo bzw. wie kann ich das durch mein E-Commerce-Angebot hervorheben?

Bildquelle: Commercetools

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