Wo drückt der Schuh?

Rechenzentren auf dem Service-Prüfstand

Rechenzentren von kleinen und mittelständischen Unternehmen leiden unter der Hardware vieler einzelner Hersteller sowie langfristigen und teuren Wartungsverträgen. Statt dem Wechsel zu Cloud-Anbietern setzen die Unternehmen aber zunehmend auf professionelle und lebensverlängernde Services von Drittwartungsanbietern. Eine Studie zeigt, womit sich Mittelständler verstärkt auseinandersetzen müssen.

Klaus Stöckert, CEO der Technogroup

Die Server-Wartung friert laut Technogroup-CEO Klaus Stöckert wesentliche Zeitkontingente ein.

Die Wartung eines Rechenzentrums kann zu einer kostenintensiven und zeitaufwendigen Aufgabe werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Hochheimer Technogroup. Insgesamt 132 Vertreter mittelständischer Unternehmen mit IT-Entscheidungsbefugnis wurden für den Report „Data Center Maintenance 2019“ zwischen Juli und August dieses Jahres befragt.
 
Zunächst lässt sich feststellen, dass in 68 Prozent der Rechenzentren der befragten Unternehmen Hardware von mehreren Herstellern zu finden ist. Die Problematik: Jeder Hersteller sieht eigene Wartungskonzepte und -verträge vor, die sich kaum unter einen Hut bringen lassen. Im Fall von Ausfällen, die hardware-seitig nicht sofort auf eine Komponente bezogen werden können, entstehen also teure Ausfallzeiten. Zumal jeder einzelne Service-Vertrag seine eigenen Konditionen hat, die sich aufaddieren. Tatsächlich nutzen 31 Prozent der Unternehmen Laufzeitverträge mit den einzelnen Herstellern, 34 Prozent nur zum Teil. Hier ist die hauseigene IT allerdings im Problemfall auf sich alleine gestellt.

Nur 17 Prozent der Unternehmen legen den operativen Betrieb der eigenen Infrastruktur in fremde Hände. 51 Prozent hingegen verwalten die Data Center komplett alleine. Service-Verträge werden derweil nur selten überprüft: Mehr als 50 Prozent der befragten Unternehmen überprüfen diese nur alle zwei oder mehr Jahre. Die Zufriedenheit mit der OEM-Wartung ist nicht groß: Nur 17 Prozent der über 100 Firmenvertreter sind zufrieden, keiner sehr zufrieden – und 43 Prozent sind weniger zufrieden.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.


„Bei der Wartung eines Kraftfahrzeuges würde kein Autobesitzer die Lichtmaschine für 45 Euro bei Bosch warten lassen, um dann bei Denso einen weiteren Stopp zur Kontrolle und Reinigung des Klimakompressors zu machen. Bei Hardware in Rechenzentren ist das hingegen der Normalzustand und lässt sich in dieser Form kaum Service nennen. Denn im Ernstfall kostet ein solches Modell nur wertvolle Zeit“, sagt Klaus Stöckert, CEO der Technogroup. Das Analystenhaus Gartner gibt in einem Bericht ein Einsparpotenzial in der IT-Wartung von bis zu 60 Prozent an –
durch eine Maßnahme: unabhängige Drittwartung.

Kürzere Support-Zyklen bei längeren Laufzeiten

Bei Hardware setzt Gartner eine sinnvolle Unterscheidung zwischen EOL und EOSL. Dahinter verbirgt sich einmal „End of Life“ – das Ende des Produkt-Supports, der Herstellung oder Lieferung von Ersatzteilen seitens des Herstellers – und EOSL, das Ende des tatsächlichen Service-Lebens. Gerade bei Hardware in der IT sind die Modellzyklen und damit auch Support-Zyklen über die vergangenen Jahre immer kürzer geworden, während die Geräte deutlich längere Laufzeiten erreichen können. Das belegen auch die Technogroup-Studienzahlen: Server sind bis zu zehn Jahre (31 Prozent) oder sogar über zehn Jahre hinaus (28 Prozent) im Einsatz.

Sofern allerdings ausschließlich der OEM-Support genutzt wird, ist mit dem Ende des Produktzyklus‘ nicht selten auch das Ende des Produkts im Kundeneinsatz besiegelt. An dieser Stelle macht laut dem Gartner-Bericht der Einsatz von TPM – Third Party Maintenance (Drittwartung) – Sinn. Nach Angaben der Analysten werden weltweit bereits mehr als 10 Millionen Systeme von TPM-Anbietern betreut.

Längere Lebensdauer von Rechenzentren

In Deutschland ist die Möglichkeit, unabhängige Wartung von Dritten zu nutzen, noch nicht weitreichend bekannt. 57 Prozent der im Rahmen der Technogroup-Studie befragten Firmenvertreter kannten TPM nicht. Erst 31 Prozent arbeiten bereits mit einem TPM-Anbieter in einem Bereich zusammen. Besonders interessant: Die Reduzierung der Wartungskosten von Rechenzentren durch Drittwartung stellt für 67 Prozent der Unternehmen eine Alternative zum Wechsel in die Cloud dar. Die Unternehmen versprechen sich als weitere Folge mehr Zeit für das IT-Personal. „Server-Wartung friert wesentliche Zeitkontingente ein.

Welches Bauteil ist betroffen, welcher Partner ist dafür im Service zuständig, Kontaktaufnahme – der ganze Prozess ist ineffizient“, erklärt Klaus Stöckert. Laut Studie nutzen bisher 31 Prozent der befragten Unternehmen feste Service-Verträge mit einzelnen Herstellern, weitere 34 Prozent nur zum Teil. Für 71 Prozent ist daher klar, dass ein Single-Point-of-Contact als Ansprechpartner eine Alternative zu einzelnen Service-Verträgen ist. Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur am Leben halten müssen, stehen nicht alternativlos vor dieser Aufgabe. Drittwartung – oder Third Party Maintenance – ist eine valide Alternative zu langjährig laufenden OEM-Verträgen.

Bildquelle: Technogroup

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