Investition in die Zukunft

Rechenzentrum im Eigenbau

Colocation-Angebote sind bei vielen Mittelständlern ein gefragtes Mittel, um unkompliziert an effiziente RZ-Infrastrukturen zu gelangen. Dabei kann sich auch der Bau eines Datacenters durchaus rechnen.

Mann im eigenen Rechenzentrum

Daten immer im Blick: Im eigenen Rechenzentrum lassen sich die Sicherheitsvorkehrungen individuell planen und umsetzen.

Der deutsche Mittelstand ist der Wirtschaftsmotor der Republik. Einige Unternehmen beschäftigen mehrere hundert Mitarbeiter, andere sind unabhängig von der Zahl ihrer Angestellten in ihrer Branche sogar Weltmarktführer. Aber alle arbeiten mit wichtigen Daten, die gesichert und geschützt werden müssen. In Deutschland geschieht das bei knapp drei Viertel der Unternehmen klassisch inhouse mit Rechenzentren. Dazu zählen sowohl als eigene Gebäude errichtete Datacenter als auch Raum-in-Raum- respektive Schranklösungen. Bauen statt mieten – der Leitsatz der Häuslebauer gilt auch für RZ-Betreiber. Aber warum baut der Mittelstand lieber selbst?

Die Antwort auf diese Frage hängt zunächst von der Größe des mittelständischen Unternehmens ab. Aus IT-Sicht ist Größe dabei nicht durch die Anzahl der Mitarbeiter definiert, sondern durch die Datenmenge. Deutsche, mittelständische Unternehmen, die lieber ein Rechenzentrum bauen, als sich z. B. in eines einzumieten oder gleich in die Wolke zu ziehen, haben demnach eine Größe von mindestens zwölf Racks.

Eine Frage der Wirtschaftlichkeit

Ein treibender Grund für den Bau des eigenen RZ ist dann kurzum die Wirtschaftlichkeit. Denn: Ab zwölf Racks rechnet sich ein Datacenter nach ungefähr sechs Jahren. Auch wenn die IT erneuert bzw. modernisiert wird, bleibt das Gebäude bestehen. Zugrunde liegen zunächst Vergleichswerte für Rechenzentrumskosten, die übliche Anforderungsprofile gemäß Verfügbarkeitsklassen, Schutzklassen sowie entsprechende physische Sicherheit in Bezug auf Feuer, Einbruch, Zutritt und Vandalismus einbeziehen. Natürlich, ist die Bandbreite der RZ-Lösungen, die diese Anforderung erfüllen, groß. Sie beginnt beim Container, erstreckt sich über Outdoor-Rechenzentren in Massivbauweise bis hin zu separaten eigenständigen Gebäuden im Megawattbereich.

Folglich ist die Bezugsgröße „Kosten per Rack“ ebenso breit: Werden – leidenschaftslos und soweit zugänglich – die Kosten für den Bau eines Datacenters mit üblicher IT-Leistungsdichte inklusive der technischen Infrastruktur samt Anbindung an die Energieversorgung und Carrier ausgewertet, ergeben sich Preisunterschiede von 25.000 bis 30.000 Euro im Container, rund das Doppelte bei einem Outdoor-RZ in Massivbauweise und sogar und 75.000 bis 85.000 Euro in einem Rechenzentrum. Hinzu kommen einmalige Anschlussgebühren, Kosten für den Provider, Mietkosten für Cross-Connect, also die Anbindung vom Rack zum „Meet Me Room“, und die Energiepreise von immerhin 0,28 bis 0,30 Euro. Letztere beinhalten allerdings die Kosten für den Betrieb der IT inklusive der Infrastruktur.

Dennoch: Wird eine Power Usage Effectiveness (PUE) von 1,4 zugrunde gelegt, bedeutet das einen bereinigten Strompreis von immerhin 0,22 . Zusammengezählt ergeben sich demnach Mietkosten von knapp 500 Euro pro Rack und Monat zuzüglich der Aufwendungen für Energie, die sich in der gleichen Größenordnung bewegen. In Relation zu den Investitionen für ein Inhouse-RZ, das mit günstigen Stromkosten von 0,17 Euro/kWh betreibbar ist und eine optimierte, energieeffiziente Technik mit einer PUE von 1,3 besitzt, relativieren sich die Kosten. Der Break-Even, ab dem die Inhouse-Lösung günstiger wird, liegt bei den teuersten Rechenzentren bei rund acht Jahren. Für Rechenzentren, die für 45.000 Euro pro Rack realisiert wurden, liegt die Amortisation bei nur fünf bis sechs Jahren.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Sicherheit geht vor

Untermauert werden die rein wirtschaftlichen Aspekte, die zugegeben für bestimmte Größen und Arten von Rechenzentren gültig sind, durch die immer gültigen Argumente Sicherheit und Effizienz. Es kann nicht oft genug wiederholt werden: Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung und der Weiterentwicklung von Edge Computing oder IoT entstehen große Abhängigkeiten. Damit ergeben sich zwangsläufig Ansprüche an Sicherheit und Verfügbarkeit der stetig zunehmenden Datenmengen. Die Anforderung an die IT ist einfach und von vornherein klar: Ein Datacenter darf nicht ausfallen. Das sollten Verantwortliche bei der Planung eines Rechenzentrums von beliebiger Größe berücksichtigen.

Sind die Daten in eigener Hand, ist die Kontrolle Fakt und nicht nur ein Gefühl. Zudem gilt, dass Sicherheit individuell planbar ist, bei gleichzeitig voller Kontrolle über Redundanzen. Ein eigenes Rechenzentrum inhouse oder auf dem Firmengelände, wie es u.a. auch die Data Center Group plant und realisiert, ist stets schnell physisch erreichbar. Im Vergleich dazu gilt, dass sich manche Colocation-Datacenter beispielsweise am anderen Ende der Stadt befinden.

Schließlich gewährleisten nur neue Rechenzentren uneingeschränkt die etwaigen Absichten der jeweiligen Unternehmen: planbar, bedarfsbezogen, angepasst und – ein Trend, der sich glücklicherweise immer mehr durchsetzt – grün. Dadurch, dass Rechenzentren nachhaltiger – also effizienter – arbeiten, bleiben sie gleichzeitig zukunftsfähig. Je nach Zeitpunkt der Einmietung in eine Colocation sind beispielsweise Zertifizierungen, Löschanlagen, Brandfrüherkennung, Kühlung sowie das bestmögliche Monitoring der Infrastruktur nicht zwingend auf dem neuesten Stand der Technik.  

Colocation schafft Abhängigkeiten

Auf den ersten Blick stehen den Kosten für das eigene RZ verlockende Angebote von Colocatoren gegenüber. Manche verlangen rund 250 Euro Monatsmiete pro Rack – Wartung inklusive. Auch weitere Kriterien sprechen für eine Colocator-Lösung. Wie bei jeder ordentlichen Planung muss allerdings kritisch geklärt werden, ob das tatsächlich finanziell günstiger ist. Ab einer bestimmten Anzahl von Racks und einer erwarteten Mindestlaufzeit ist eine Colocation beispielsweise nicht mehr sinnvoll. Zumindest nicht zum einmieten. Ein funktionierendes Colocation-Modell ist zudem von der Lage des RZ abhängig. Außerdem gilt, nicht jedes mittelständische Unternehmen benötigt zwölf Racks, wünscht sich aber auch die Datenhoheit im eigenen Haus. Sie können ihre IT nur dann sicher und individuell unterbringen, indem sie eine eigene Infrastruktur dafür schaffen.

Bildquelle: GettyImages/iStock

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