RZ-Neubau: Interview mit Frank Roth, Lars Wilcken, Henrik Platz, Klosterfrau Healthcare

Rechenzentrum modernisiert

Die Klosterfrau Healthcare Group ersetzte ihr in die Jahre gekommenes Rechenzentrum (RZ) durch einen RZ-Neubau inklusive modernem Equipment. In Zusammenarbeit mit einem externen RZ-Spezialisten wurden Schwerpunkte auf Energieeffizienz und IT-Sicherheit gelegt.

  • Frank Roth, verantwortlich für die IT, Lars Wilcken, Leiter IT-Service und -Betrieb, und Henrik Platz, Teamleiter RZ (v.l.n.r.), berichten im Titelinterview über den RZ-Neubau bei der Klosterfrau Healthcare Group.

  • In regelmäßigen Abständen nehmen die Verantwortlichen von Klosterfrau eine Begehung des in Eigenregie betriebenen Rechenzentrums auf dem Kölner Firmengelände vor.

  • „Zuletzt brachten wir unser Rechenzentrum im Jahr 1988 auf den neuesten Stand. Von daher war es schlichtweg an der Zeit, über eine Modernisierung nachzudenken“, erklärt Frank Roth (li.), verantwortlich für die IT bei Klosterfrau.

  • „Während wir das neue Data Center nahezu auf der grünen Wiese erbauten, lief der Betrieb im alten RZ normal weiter. Der neue Standort wurde zunächst komplett fertiggestellt und anschließend in einen Testbetrieb überführt“, berichtet Lars Wilcken (re.), Leiter IT-Service und -Betrieb bei Klosterfrau.

Nur wenige Mittelständler ­können hierzulande eine fast zweihundertjährige Historie aufweisen. Einer davon ist die Klosterfrau Healthcare Group. Der Ursprung des Kölner Traditionshauses liegt im Jahr 1826. Damals gründete die Klosterfrau Maria Clementine Martin ein kleines Unternehmen in unmittel­barer Nähe des Doms zur Herstellung ihrer Heilmittel. Noch heute gilt der Melissengeist als das bedeutendste Präparat im Sortiment, das weltweit die Arzneischränke privater Haushalte und zahlreicher Gesundheitseinrichtungen bestückt.

Bei dem einen Naturprodukt ist es jedoch nicht geblieben. Mittlerweile gehören verschiedene Tochterfirmen ebenso zu dem Mittelständler wie der Vertrieb von über 200 Produkten. Zum Angebot zählen bekannte Präparate wie Neo-Angin Halstabletten oder die Sortimente von Taxofit und Broncholind. Hinzu kommen Kooperationen mit Handelspartnern wie der Schweizer Ricola AG.

Um den Ausbau der Produktpalette und den reibungslosen Ablauf sämtlicher Geschäftsprozesse zu gewährleisten, benötigt der Mittelständler eine leistungsfähige IT-Landschaft. Die Basis hierfür bildet das hauseigene Rechenzentrum, das nach über zwanzig Jahren allerdings in die Jahre gekommen war. Daher entschieden sich die Verantwortlichen für eine Rundum-Erneuerung, wobei man auf Unterstützung seitens des externen Dienstleisters ProRZ Rechenzentrumsbau GmbH setzte. Im Gespräch erläutern Frank Roth, verantwortlich für die IT bei der Klosterfrau-Gruppe, Lars Wilcken, Leiter IT-Service und -Betrieb, sowie Henrik Platz, Teamleiter Rechenzentrum, wichtige Etappenziele ihres ehrgeizigen Modernisierungsprojekts.

ITM: Herr Roth, wie ist Ihre IT aufgestellt?
Frank Roth:
Der Hauptsitz unserer Unternehmensgruppe befindet sich in der Kölner Innenstadt und beheimatet hauptsächlich unseren gesamten Vertrieb sowie die Verwaltung. Unsere originäre Produktionsstätte befindet sich in Berlin, darüber hinaus gehört der Lohnhersteller Artesan Pharma GmbH in Lüchow zu unserer Firmengruppe. Hier stellen rund 200 Mitarbeiter Arzneimittel in Tabletten- und Salbenform, Homöopathika sowie Nahrungsergänzungsmittel her. Desweiteren betreiben wir ein zentrales Logistikcenter am Standrand von Köln. Alle Standorte bzw. Tochtergesellschaften beziehen IT-Services von unserem Rechenzentrumsstandort in der Kölner Innenstadt.

ITM: Wie groß ist die dahinterstehende IT-Mannschaft?
Roth:
Wir beschäftigen 25 IT-Mitarbeiter in Köln, die sich um zwei Hauptbereiche kümmern: Zum einen um den Service und Betrieb. Hier verantwortet Lars Wilcken den gesamten RZ-Bereich sowie alle Desktopservices. Zum anderen wird das „Application Management“ von den IT-Kollegen betreut. Es umfasst die Verwaltung unserer Anwendungslandschaft, wobei der Fokus auf dem SAP-ERP-Bereich sowie den eingesetzten Drittsystemen liegt. Hier insbesondere auf unserem CRM-System sowie Microsoft mit z.B. Sharepoint. Neben den zentralen Anwendungen  zählen dazu auch IT-Infrastrukturlösungen wie E-Mail-Systeme und Sicherheitssoftware.

ITM: Sie beschäftigen eine starke IT-Truppe und stemmen viele IT-Projekte in Eigenregie. Inwieweit gibt es innerhalb Ihrer strategischer Überlegungen über ein IT-Outsourcing?
Roth:
Diese Frage haben wir uns vor der Modernisierung unseres Rechenzentrums ebenfalls gestellt. Da ein solches Projekt immer mit einem großen Investitionsvolumen verbunden ist, mussten wir im Vorfeld prüfen, was für uns effizienter und kostengünstiger kommt – die Auslagerung des gesamten Data-Center-Betriebs oder der Neubau eines eigenen RZs, mit dem wir unsere IT selbst zentral steuern können.

ITM: Zu welchem Schluss sind Sie gekommen?
Roth:
Hinsichtlich der Kosten sowie der Qualität von IT-Services kamen wir zu dem Ergebnis, dass Outsourcing für uns keinen Sinn ergibt. Denn wir selbst agieren viel flexibler, schneller und mit einer ganz anderen Dynamik als ein externer Dienstleister. Zudem kennen wir unsere Prozesse am besten und wissen daher genau, welche Potentiale wir künftig noch heben können.

Desweiteren gestalten sich Verhandlungen mit externen Dienstleistern mitunter recht unflexibel: Das aktuelle Niveau der IT wird mit einem Wert X betitelt und für diesen Preis erhält der Kunden einen Festvertrag. Da unsere IT sehr stark vom Projektgeschäft lebt, wären die Aufwände für künftige Projekte nicht abzusehen.

Lars Wilcken: Es ist unser erklärtes Ziel, die Betriebskosten so überschaubar wie möglich zu halten. Von daher richten wir unsere Prozesse effektiv aus und arbeiten mit Tools, mit denen uns der laufende IT-Betrieb so wenig Arbeit wie möglich macht. Dann bleibt uns genug Zeit und Geld, um neue Anforderungen seitens der Fachabteilungen oder der Geschäftsführung schnell umsetzen zu können.

Nichtsdestotrotz arbeiten wir mitunter auch mit externen Beratern zusammen, um von deren Expertise zu profitieren. Bei unserer RZ-Modernisierung setzten wir beispielsweise auf das auf Planung und Bau von Rechenzentren und Serverräumen spezialisierte Unternehmen ProRZ.

ITM: Welchen Branchenanforderungen muss Ihre IT genügen?
Roth:
Die IT-Systeme müssen den Compliance-Vorgaben der Pharmaindustrie entsprechen. Da wir über eine Tochtergesellschaft auch Produkte innerhalb der USA vertreiben, spielen hier die Anforderungen der Food and Drug Administration (FDA) eine große Rolle.

ITM: Wie kompliziert gestaltet sich die Umsetzung der Compliance?
Roth:
Mit den Richtlinien will der Gesetzgeber eine gleichbleibend hohe Qualität der Pharmaprodukte sicherstellen. Dabei geht es vor allem um die Gewährleistung von Integrität, Sicherheit und Verfügbarkeit der dafür eingesetzten IT-Systeme.

Wilcken: Im Rahmen der Compliance müssen wir Nachweise für sämtliche IT-Systeme bringen, die mit der Herstellung und Qualitätssicherung unserer Produkte zu tun haben. Im Fachjargon spricht man von der Validierung der Systeme. Dieses Verfahren ist sowohl dokumentenlastig als auch zeitintensiv, da es Tests von der Infrastruktur- bis zur Applikationsebene vorsieht. Zudem reicht eine einmalige Prüfung nicht aus, sondern wir müssen in regelmäßigen Abständen sogenannte Revalidierungen durchführen.

ITM: Herr Platz, wie dokumentieren Sie diese Veränderungen?
Henrik Platz:
Mit einer stets aktuellen Betriebsdokumentation. Dabei muss jede noch so kleine Änderung am System – etwa hinsichtlich der Nutzerrollen – protokolliert werden. Im Moment dokumentieren wir dies alles noch handschriftlich. Allerdings realisieren wir gerade ein gemeinsames Projekt mit Microsoft, in dessen Rahmen sämtliche Dokumentationen der Validierungsprozesse digital abgebildet werden sollen. In diesem Zusammenhang implementieren wir auf Basis von  Microsoft eine IT-Servicemanagement-Lösung (ITSM), die u.a. alle Change-Prozesse automatisch erfassen und dokumentieren wird.

ITM: Gibt es dafür keine Lösung von der Stange?
Wilcken:
Sicherlich nutzen wir Standardsoftware, die auf die Belange der Prozessindustrie bzw. die Chargenrückverfolgbarkeit zugeschnitten ist. Der gesamte Compliance-Bereich inklusive der Anforderungen seitens der FDA oder der hiesigen Pharmavertriebsverordnung werden jedoch von jedem Pharmabetrieb individuell gehandhabt – stets abhängig von den jeweiligen Produktionsstrukturen. Von daher existieren für den Compliance-Bereich keine allgemeingültigen Standardlösungen. Speziell für die Validierung unserer IT-Prozesse erarbeiten wir das angesprochene ITSM-System, das gleichzeitig sämtliche Aspekte der IT Infrastructure Library (ITIL) berücksichtigen wird.

ITM: Wie funktioniert ITIL an dieser Stelle?
Wilcken:
Je mehr Dokumentationen wir durchführen müssen, desto größer wird der Aufwand für die IT-Abteilung. Aufgrund des hohen Betriebsaufwands vergeuden wir wertvolle Ressourcen, die wir an anderer Stelle sinnvoller einsetzen könnten. Von daher wollen wir mit den ITIL-Prozessen z. B. sämtliche Workflows und Freigabeprozesse elektronisch abbilden. Wir reduzieren damit den Papieraufwand und können die verschiedenen Standorte besser einbinden, was wiederum die Prozesse beschleunigt. Nicht zuletzt wollen wir die ITSM-Lösung auch für klassische Helpdesk-Funktionen nutzen.

ITM: Spannt man den Bogen über die Produktion hinaus, müssen Sie auch sämtliche Veränderungen im Rechenzentrum dokumentieren ...
Platz:
Genau, da dies mit unserem früheren, in die Jahre gekommenen Rechenzentrum immer schwieriger wurde, haben wir uns für einen professionellen Neubau entschieden.

ITM: Welche weiteren Gründe sprachen für einen Neubau?
Roth:
Zuletzt brachten wir unser Rechenzentrum im Jahr 1988 auf den neuesten Stand. Von daher war es schlichtweg an der Zeit, über eine Modernisierung nachzudenken. In deren Rahmen wollten wir mehr Platz sowohl für das Haupt-RZ als auch für den Backup-Standort gewinnen. Letzterer befand sich bislang in einem alten Datenträgerschutzhaus nur rund 15 Meter vom eigentlichen Serverbetrieb entfernt.

Wilcken: Neben dem Platzproblem erwies sich der alte RZ-Standort als äußerst unglückliche Wahl. Denn das RZ befand sich in einem Tiefgeschoss mit zahlreichen darüber verlaufenden Rohrleitungen. Überdies sogen sich dort die Außenwände mit Feuchtigkeit voll, da das Gebäude in den siebziger Jahren gebaut wurde und nicht mehr über die neueste Bausubstanz verfügte. Demzufolge hätten wir den alten Standort nur mit extremen baulichen und physikalischen Maßnahmen weiternutzen können, weshalb wir auf dem Firmengelände nach einer geeigneteren Stelle für ein Data Center suchten.

Platz: Nicht zuletzt mussten wir uns über die Stromversorgung Gedanken machen. Unser Hauptsitz liegt inmitten der Kölner Innenstadt, in welcher stets rege gebuddelt und gebaut wird. Entsprechend oft wurde uns in der Vergangenheit der Saft abgedreht. Vor Einführung der NEA kam es pro Jahr zu mehreren Stromausfällen seitens unseres Energieversorgers. Dauern diese weniger als eine Stunde an, so wir dies Seitens USV problemlos abgefangen. springt die USV-Anlage problemlos ein. Dank der Einführung der NEA müssen wir bei längeren Ausfallzeiten unsere IT-Systeme nicht wie vorher gezielt herunterfahren.

ITM: Mit welchen Auswirkungen auf Ihre Prozesse?
Roth:
Dies käme einem Stillstand unseres Geschäftsbetriebs gleich, da die IT für uns immer wichtiger geworden ist. Dies zeigt folgender Vergleich: Im Gegensatz zu 2002 betreiben wir heute die doppelte Anzahl an Anwendungen. Die Zahl unserer – heute vor allem virtuellen – Server hat sich gar verdreifacht.

Wilcken: Sollte unser SAP-System für längere Zeit oder gar bis zu einem Tag ausfallen, stehen Produktion und Logistik komplett still. Ein Ausfall wäre also extrem kritisch, weshalb wir vor kurzem ermittelt haben, was uns eine Stunde IT-Ausfall kosten würde. Das Ergebnis belief sich auf einen sechsstelligen Betrag.

ITM: Für welchen RZ-Standort haben Sie sich letztlich entschieden?
Wilcken:
Nach intensiven Begehungen des Firmengeländes und der Einverständniserklärung seitens unserer Geschäftsführung fanden wir in einer ehemaligen Kräuterhalle den passenden Ort. Parallel dazu bauten wir am früheren RZ-Standort im Tiefgeschoss eine Raum-in-Raum-Zelle ein, die mittlerweile unser Backup-RZ beheimatet.

Diese Variante ermittelten wir gemeinsam mit unserem Partner ProRZ, der dieses Projekt auch für uns realisierte und zudem dazu riet., das Data Center nicht mehr in einem Gebäude an der Außengrenze des Firmengeländes zu platzieren. Von daher befindet sich das neue RZ nun in der Mitte unseres Campus` und ist von außen nicht sichtbar.

ITM: Wie gingen Sie beim Neubau vor?
Platz:
Da die alte Bausubstanz des ehemaligen Kräuterlagers unseren Vorgaben nicht genügte, wurde das Gebäude komplett entkernt. Anschließend haben wir an gleicher Stelle und gemäß moderner Gebäudetechnik das neue Rechenzentrum aufgebaut.

Wilcken: Da wir unsere Systeme stark virtualisiert vorhalten, sind die Serverdichte und damit auch die Temperaturen für Netzteile, Prozessoren etc. extrem hoch. Ohne eine entsprechende Klimatisierung würden die Maschinen innerhalb weniger Minuten heißlaufen. Von daher haben wir die Klima- und USV-Anlagen im Neubau sowie redundant dazu im Backup-RZ komplett neu aufgesetzt.

ITM: Konnten Sie nicht mit der bisherigen Klimalösung weiterarbeiten?
Platz:
Nein, denn die bislang genutzte Technik war stark veraltet. Da es den Hersteller seit einiger Zeit nicht mehr gibt, gestalteten sich vor allem die Wartung sowie die Beschaffung von Ersatzteilen als recht schwierig.

ITM: Wie lief der Umzug ins neue Rechenzentrum ab?
Wilcken:
Während wir das neue Data Center nahezu auf der grünen Wiese erbauten, lief der Betrieb im alten RZ normal weiter. Der neue Standort wurde zunächst komplett fertiggestellt und anschließend in einen Testbetrieb überführt. Nach der erfolgreichen Abnahme durch ProRZ erfolgte die Umstellung auf den RZ-Livebetrieb. Erst danach zogen wir mit ersten Servern um und erhöhten peu à peu die Stromlasten. Denn trotz aller vorhandenen TÜV-Zertifizierungen und Brandschutzmaßnahmen wollten wir Vorsicht walten lassen.

ITM: Wie lange dauerte das Projekt insgesamt?
Roth:
Die ersten Planungen starteten wir gemäß des Projektmanagementstandards Prince2 im Jahr 2008. Bereits zu diesem Zeitpunkt standen wir mit ProRZ in Kontakt und sahen uns aktuelle Projekte bei Referenzkunden an. Zunächst gab es unsererseits jedoch keine Überlegungen in Richtung eines Neubaus. Vielmehr planten wir, das RZ am alten Standort zu ertüchtigen. Nach reiflicher Überlegung fiel die Entscheidung zugunsten des Neubaus und wir erhielten dafür Mitte 2010 die Budgetfreigabe seitens der Geschäftsführung. Die Umsetzung des Neubaus lief 2011 an; der Umzug erfolgte im November und Dezember desselben Jahres.

ITM: Welche Gründe sprachen für eine Zusammenarbeit mit dem externen RZ-Spezialisten?
Wilcken:
Ein Augenmerk im Auswahlprozess lag darauf, dass der Dienstleister zu einem mittelständischen Unternehmen passen sollte: Kann er Referenzen aus dem Mittelstand vorweisen? Kann er flexibel und schnell reagieren? Sind wir bei dem Anbieter ein Kunde, den er auch nach fünf Monaten noch wertschätzt oder wird man nur als eine Kundennummer unter vielen erachtet? Darüber hinaus war es uns wichtig, dass der Dienstleister einen Standort in der näheren Umgebung aufweisen konnte. Denn bei Bedarf sind Consultants oder Servicemitarbeiter so sehr schnell bei uns vor Ort.

ITM: Worauf galt es bei den Baumaßnahmen zu achten?
Roth:
Wir beauftragten unseren Hausarchitekten mit dem Neubau. Er legte dabei großes Augenmerk auf die Tragfähigkeit des Daches, da wir dort eventuell Klimasysteme installieren wollen. Nach der Errichtung des Rohbaus kamen die ProRZ-Mitarbeiter zum Zuge, die sich vorrangig auf die Innengestaltung konzentrierten.

Wilcken: Generell können bei Architekten und IT-Fachleuten zwei Welten aufeinanderprallen: Die IT hat die Sicherheit sowie die Nachhaltigkeit der IT-Investitionen im Blick, demgegenüber konzentriert sich der Architekt auf bauliche Ideen und die Gebäude-Ästhetik.

ITM: Wie funktionierte Ihre Zusammenarbeit mit dem Architekten?
Wilcken:
Gemeinsam mit ProRZ entwarfen wir einen Leistungskatalog für das neue RZ, der Aspekte wie Wassereintritt, Klimatisierung oder die elektrische Versorgung berücksichtigte. Daraus ergaben sich weitere Fragestellungen: Welche Räumlichkeiten benötigen wir überhaupt? Was sollten die erforderlichen Gewerke leisten können? Wo müssen notwendige Strom-, Wasser- oder Netzleitungen verlaufen? Welche Traglast müssen Boden und Decken aushalten? Welche Zugänge ins RZ sollten eingeplant werden? Wie regeln wir die Zutrittskontrolle und Überwachung?

Mittels Beantwortung dieser Fragen erstellten wir einen Grundflächenplan. Mit diesem sind wir anschließend mit dem Architekten in die Bütt gegangen, um die räumliche Verwirklichung anzugehen. Dabei kümmerte sich der Architekt um die Auflagen des Bauamts sowie die Integration baulicher Aspekte wie Treppenhaus oder Aufzug.

Roth: Flankierend zu diesen Maßnahmen mussten wir stets die Kostenseite im Blick behalten, damit das Bauvorhaben nicht aus dem Ruder lief. Alles in allem war es mit aufwendigen Abstimmungen verbunden, da wir mit unserer Geschäftsführung, der IT-Abteilung, ProRZ sowie dem Architekten gemeinsam daran arbeiteten. Letztlich spielte uns genau dies jedoch in die Karten, da sich so die notwendige Transparenz einstellte.

ITM: Welche Rolle spielte das Thema Energieeffizienz im Projektverlauf?
Wilcken:
Sicherlich hatten wir bei unseren Planungen auch den Punkt „Energiekosten senken“ auf der Liste stehen. Allerdings war uns von vorneherein klar, dass wir mit einem neuen RZ sowieso mit deutlich weniger Energie auskommen würden als bisher.

ITM: Wie das?
Wilcken:
Zu Projektbeginn überprüften wir den Bestand an USV-Anlagen, Klimageräten und Servern sehr detailliert. Anschließend ermittelte ProRZ die damals energieeffizientesten Geräte, die überdies sowohl unserem Budget als auch unseren Anforderungen entsprachen. Allein die neue Klimalösung senkte unsere Energiekosten drastisch. Darüber hinaus wies die Abschottung von Decken und Wänden am früheren RZ-Standort deutliche Lücken auf, was einer effektiven Klimatisierung abträglich war.

Platz: Zudem setzen wir seit langem auf Virtualisierungstechnologien: Vor zehn Jahren glich der Server für unser SAP-System noch einem großen Schrank. Heute arbeiten wir mit Bladeservern und virtualisieren so viele Anwendungen wie möglich – was den Energieverbrauch ebenfalls senkt.

Roth: Hinsichtlich der Energiekosten hätten wir sicherlich gerne einen Vergleich zwischen dem Stromverbrauch im alten und neuen RZ gezogen. Dies war uns jedoch nicht möglich. Da wir auf dem Firmengelände nur einen zentralen Stromzähler besitzen, können wir den Stromverbrauch des Rechenzentrums nicht messen.

ITM: Kann der Energieverbrauch der IT-Systeme nicht mit softwarebasierten Monitoringtools ermittelt werden?
Wilcken:
Ja, aber nur bei einzelnen Komponenten wie der USV-Anlage. Anschließend kann man die Messwerte kumulieren, wodurch man einen groben Überblick über den Verbrauch sämtlicher Systeme erhält. Um den genauen Energieverbrauch zu ermitteln, müssten wir einen eigenen Generalzähler für das Rechenzentrum installieren. Dieser stellt jedoch eine physische Sollbruchstelle und damit ein neues Einfallstor ins Rechenzentrum dar.

ITM: Welche Anforderungen stellten Sie an die physische Sicherheit?
Platz:
Seit Jahren setzen wir auf getrennte Brandschutz- bzw. Hochverfügbarkeitszonen inklusive strenger Zugangskontrolle. An diesem Konzept hat sich bis heute nichts Wesentliches verändert. Neu im RZ sind lediglich spezielle Technikräume. Dadurch stehen im eigentlichen Serverraum nur noch die Systeme, die dort auch wirklich hingehören.

Wilcken: Bezüglich des Zutrittskonzeptes orientieren wir uns an den Vorgaben des IT-Grundschutzbuches des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Dieses empfiehlt beispielsweise, Gewerke wie Strom-, Lösch- oder USV-Anlagen vom eigentlichen Serverraum zu separieren. In unserem RZ erhält man daher ab einer gewissen Zone keinen Zutritt zu weiteren Räumen. So kommen Besucher – etwa für Wartungszwecke – in den Gewerkeraum für Strom oder die Löschanlage, der eigentliche Rechnerraum bleibt ihnen jedoch versperrt.

ITM: Wie sind Service und Wartung für das RZ geregelt?
Wilcken:
Damit haben wir RZ Services, eine Tochterfirma von ProRZ, beauftragt. Der Anbieter übernimmt eine turnusmäßige Wartung an allen eingebauten Gewerken und informiert uns mit entsprechenden Protokollen darüber.

Platz: Desweiteren überwachen wir sämtliche RZ-Komponenten mit unseren Monitoringtools und führen regelmäßige Begehungen des Data Center durch.  Und nicht zuletzt haben wir Teile unserer IT-Systeme in die unternehmensweite Leitzentrale eingebunden, die wiederum direkt mit der Kölner Feuerwehr vernetzt ist – und dies rund um die Uhr.



Frank Roth

  • Alter: 52 Jahre
  • Familienstand: verheiratet, zwei erwachsene Kinder
  • Beruflicher Werdegang: u.a. Anwendungsbetreuer Logistik bei der Madaus AG, Berater IT/Logistik bei GMO Gesellschaft für Management- und Organisationsberatung, Leiter Organisation/SAP Warenwirtschaft bei der Thyssen Handelsunion AG, Leiter IT (CIO) bei der Madaus  AG
  • Derzeitige Position: verantwortlich für die IT bei der Klosterfrau-Gruppe
  • Hobbys: Joggen, Wandern, Kochen mit Freunden


Lars Wilcken

  • Alter: 47 Jahre
  • Familienstand: verheiratet, zwei Töchter
  • Beruflicher Werdegang: u.a. IT-Mitarbeiter beim Deutschen Bundestag, Leiter IT bei der Brainpool TV AG, IT-Koordinator bei der Bertelsmann RTL2 TV GmbH, Leiter IT und Operations bei der TDMI AG sowie Leiter RZ bei Klosterfrau
  • Derzeitige Position: Leiter IT-Service und Betrieb
  • Hobbys: Fotografie, elektronische Musik


Henrik Platz

  • Alter: 50 Jahre
  • Familienstand: verheiratet, ein erwachsener Sohn
  • Beruflicher Werdegang: Abschluss des Studiums der Allgemeinen Elektrotechnik, Consultant bei der Computer Partner GmbH sowie der Einsteinet AG; stellvertretender Leiter Rechenzentrum sowie Teamleiter Rechenzentrum bei Klosterfrau
  • Derzeitige Position: Teamleiter Rechenzentrum



Die Klosterfrau Healthcare Group

Das bekannteste Produkt des Pharmaherstellers im Bereich der Selbstmedikation ist der Klosterfrau Melissengeist. Das Em­blem mit den drei Nonnen im gotischen Spitzbogen hat Umfragen zufolge einen Bekanntheitsgrad von 94 Prozent in Deutschland.

Basierend auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und verbunden mit der Erschließung neuer Märkte, baute das Unternehmen sein Sortiment in der Vergangenheit deutlich aus. Heute zählt man national wie international zu den führenden Anbietern im Bereich der Selbstmedikation. Neben den bekannten Produkten wie Melissengeist, Nasic und Mobilind Franzbranntwein vertreibt der Mittelständler über 200 weitere Produkte, darunter von prominenten Handelspartnern wie etwa der Ricola AG. Darüber hinaus gehören bekannte Präparate wie Neo-Angin Halstabletten, Bronchicum Hustenlöser oder die Sortimente von Taxofit und Broncholind zum Angebot. 

  • Branche: Pharma
  • Gründung: 1826
  • Hauptsitz: Köln
  • Mitarbeiter: rund 1.300

www.klosterfrau.de

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