Gebrauchte Software im Unternehmen

Rechtssicherheit nur über die Blockchain?

Björn Orth, Geschäftsführer von Vendosoft, spricht über Chancen, Perspektiven und Mängel der Blockchain und zeigt auf, welche Alternativen es gibt.

Geschäftsmann sitzt im Anzug vor einer Wand mit Bildern

Vendosoft-Geschäftsführer Björn Orth rät zu einem genauen Blick außerhalb der Blockchain.

Die Blockchain bringt neue Geschäftsmodelle ins Spiel und verspricht Rechtssicherheit und Anonymität bei der Abwicklung von Transaktionen, kann diese Erwartungen aber (noch) nicht immer erfüllen. Zum Glück gibt es Alternativen, die zum Beispiel dem Handel mit Gebrauchtsoftware die notwendige Sicherheit geben, findet Björn Orth, Geschäftsführer der Vendosoft GmbH.

Manches an der Diskussion über die Blockchain erinnert mich an Gespräche über das Internet in den 1990er-Jahren. Damals meinte zum Beispiel ein gewisser Bill Gates, dass das Internet „nur ein Hype“ sei. Im Gartner-Hypecycle von 2018 nähert sich die Blockchain ganz ähnlich dem „Tal der Enttäuschung“, und der Blockchain-Studie des Branchenverbands BITKOM zufolge nutzen in Deutschland nur etwa sechs Prozent der Unternehmen diese Technologie oder haben vor, das zu tun. Fazit des Bitkom: „Die Blockchain (muss) ihren tatsächlichen Mehrwert in der Praxis erst noch unter Beweis stellen.“

Dabei kann die Blockchain für bestimmte Use Cases durchaus Vorteile gegenüber herkömmlichen Technologien bieten, etwa für Unternehmen, die auf eine lückenlose und gegen gefälschte Einträge gesicherte Prozesskette angewiesen sind. Zudem bietet sie die für manche Transaktionen notwendige und häufig auch gewünschte Anonymität der beteiligten Unternehmen. Schlau ist auch die Option, die Ausführung so genannter Smart Contracts, also an Bedingungen geknüpfte Verträge, über die Blockchain zu kontrollieren. Schließlich lassen sich über eine lückenlos dokumentierte Transaktionskette zum Beispiel Produktfälschungen verhindern.

Lebenszyklus kann über die Blockchain dokumentiert werden

Gerade das letzte Szenario macht die Blockchain prinzipiell für den Handel mit Gebrauchtsoftware interessant, denn auch hier ist der Nachweis wichtig, dass die angebotenen Lizenzen dem Verkäufer gehören und rechtmäßig veräußert werden, also nicht gefälscht sind. Allerdings funktioniert dieser Nachweis auf der Blockchain nur dann, wenn der Lebenszyklus einer Lizenz von Anfang an dort abgebildet wird. Steigt ein Verkäufer oder Reseller von gebrauchter Software dagegen erst in einem bereits laufenden Lebenszyklus in die Blockchain-Verifizierung ein, entfällt genau diese Fälschungssicherheit, denn er könnte theoretisch auch mit unrechtmäßig erworbenen Lizenzen einsteigen.

Nehmen wir zum Beispiel eine Volumenlizenz von Microsoft Office 2016. Als das Programm 2015 erschien, war die Blockchain im Gebrauchtsoftware-Markt noch völlig unbekannt. Kauft ein Softwarehändler heute Office-Lizenzen auf, prüft er ihre Rechtmäßigkeit, wird jedoch nirgends kryptografisch abgesicherte Verkettungen über den Werdegang finden, weil es diese Option zum Start von Office 2016 schlicht noch nicht gab. Das hält aber Gebrauchtsoftware-Händler nicht davon ab, auf dem Markt für gebrauchte Computerprogramme das Gegenteil zu suggerieren und als Beleg für eine vollständig dokumentierte Lizenzkette die Blockchain anzuführen. Sie gaukeln damit eine Sicherheit vor, die diese Technologie überhaupt nicht bieten kann.

Verifizierte Sicherheit auch ohne Blockchain

Es gibt aber auch andere Angebote und Wege im Gebrauchtsoftware-Markt. Sie bieten für die Verifizierung gebrauchter Software dieselbe Sicherheit wie die Blockchain – können im Unterschied zu ihr aber im laufenden Lebenszyklus einer Software jederzeit starten. So ist es möglich, Lizenzen wie etwa von Office 2013, Windows Server 2016 oder der Adobe Creative Suite 6 über Wirtschaftsprüfer verifizieren zu lassen. Sie dokumentieren gegenüber Kunden, dass die angebotenen Lizenzen dem ursprünglichen Verkäufer tatsächlich gehörten und rechtmäßig veräußert wurden. Diese Lizenzen genügen den Audit-Anforderungen der Software-Hersteller bei etwaigen Plausibilitätsprüfungen.

Auch kann die gewünschte Anonymität gewahrt werden: So können u.a. die Kundendaten der veräußernden Unternehmen geschützt werden. Der Käufer erhält zwar eine verifizierte Softwarelizenzen, aber keine Daten über die Erstbesitzer.

Die Diskussion um die Blockchain stellt zweifellos die richtigen Fragen. Ein genauerer Blick kann aber durchaus zur Folge haben, dass die Antworten außerhalb dieser Technologie gegeben werden. Stand heute jedenfalls liefert die Blockchain gegenüber herkömmlichen Methoden und Technologien nicht das versprochene Plus an unabhängiger Kontrolle, Transparenz oder zusätzlicher Transaktionssicherheit.

Bildquelle: Vendosoft

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