Einsatz von Industrierobotern

Roboterprogrammierung ganz einfach

Die Automobilindustrie bestellt ein Drittel aller Industrieroboter weltweit und führt damit die Branchenliste an. Immer mehr Aufgaben in der Produktion werden von Robotern übernommen. Doch mit den neuen Einsatzbereichen steigt auch der Bedarf an Flexibilität.

Industrieroboter bei der Autombilherstellung

Die fertigen Programme können über die Cloud mit anderen Industrierobotern des Unternehmens geteilt und aufeinander abgestimmt werden.

Die Erstellung von Roboterprogrammen läuft momentan nach verschiedenen Verfahren ab – abhängig vom Hersteller, von dem geplanten Einsatz und der nötigen Flexibilität des Industrieroboters. Zu den bekannten Verfahren zählen u. a. das Einlern- bzw. „Teach-in“-Verfahren mit einem Programmierhandgerät, das Vorgeben von Bewegungen durch Zeigen bzw. Instruieren und die Offline-Programmierung in einer 3D-Simulationsumgebung.

Flexible Programmierung

Eine Umprogrammierung und Funktionserweiterung gehen mit einem großen Zeit- und Kostenaufwand einher, der sich oft nicht lohnt. In der Automobilindustrie werden Industrieroboter deshalb nach wie vor für große Stückzahlen eingesetzt und führen wiederkehrende Arbeitsabläufe aus. Diese mangelnde Flexibilität ist insbesondere für Mittelständler wie Automobilzulieferer eines der größten Hindernisse für den Einsatz von Industrierobotern.

Um einen Teil seiner bisher manuell durchgeführten Vor-montagelinie weiter zu automatisieren, waren verschiedene Arbeitsabläufe beim bayerischen Automobilzulieferer Denso notwendig. Es war wichtig, dass die Roboter im Arbeitsraum des Menschen kollaborieren und die Arbeit der Industrieroboter aufeinander abgestimmt werden kann. Dabei setzt Denso auf die Software des Unternehmens Drag&Bot. Mit dieser Software ist die Roboterprogrammierung so einfach wie die Bedienung eines Smartphones, sodass auch Produktionsmitarbeiter ohne Robotik-Know-how in der Lage sind, Indus-trieroboter zu programmieren.

Das Programm beinhaltet verschiedene Bedien- und Eingabehilfen zur Erstellung von Funktionsabläufen nach dem „Drag-and-drop“-Prinzip. Per Assistent wird der Nutzer bei der Eingabe von Parametern einzelner Programmsequenzen unterstützt. Der Roboter kann durch die intuitive Oberfläche vom Techniker vor Ort selbst instruiert werden. Wenn er beispielsweise an eine bestimmte Stelle greifen soll, fährt der Nutzer den Greifarm über die Software an die entsprechende Position und bestätigt dies. Der Nutzer wird Schritt für Schritt durch typische Anwendungen wie das Verschrauben, Palettieren von Teilen geführt.

Die Programmbausteine, sogenannte Funktionsblöcke, werden anschließend nach dem „Drag-and-drop“-Prinzip zu ausführbaren Applikationen zusammengeführt. Über die Cloud können die programmierten Abläufe mit allen unternehmensinternen Robotern geteilt und wiederverwendet werden.

Modulare Anpassungen möglich

Erweiterungsmodule ermöglichen auch sensitive Funktionen zur Anpassung des Verhaltens, sollte es zu unvorhergesehenen Situationen im Produktionsprozess kommen. Mit dem Modul „Lokalisierung“ wird z.B. eine Kamera mit Bildverarbeitung genutzt, um die genauen Koordinaten eines Bauteils zu ermitteln, sodass die Roboterbewegung auch bei kleinen Verschiebungen der Positionen des Bauteils noch fehlerfrei funktioniert. Die fertigen Programme können über die Cloud mit anderen Industrierobotern des Unternehmens geteilt und aufeinander abgestimmt werden.

Der Vorteil für Denso liegt nicht nur in der einfachen Programmierung, die er nun selbstständig durchführen kann, sondern auch in der Flexibilität. Die Roboter können im Extremfall so schnell umgerüstet werden, dass sie vormittags andere Aufgaben übernehmen als nachmittags. Die Software unterstützt unabhängig vom Hersteller und sonstiger Hardware neben verschiedenen Robotern auch diverse Greifer, Schraubwerkzeuge und verschiedene Kameras. Auch hier geht die Inte-gration weiterer Werkzeuge und Peripheriegeräte kontinuierlich weiter. Der modulare Aufbau der Software erleichtert diese Integrationsprozesse.

Die Software wird zudem von mehreren Automobilherstellern zur Evaluation neuer Roboteranwendungen benutzt, um die Programmierzeiten der Roboter deutlich zu verringern und um verschiedene Applikationen schnell und intuitiv programmieren zu können.

Bildquelle: Getty Images / iStock

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