In-Memory als Fundament bei Schaidt Innovations

SAP Hana als Turbo fürs ERP-System

Seit 2013 setzt die Schaidt Innovations GmbH & Co. KG auf SAP ERP sowie die In-Memory-Technologie Hana, wie Geschäftsführer Martin Haas im Interview erklärt.

  • Schaidt Innovations

    Die Schaidt Innovations GmbH & Co. KG fertigt Produkte u.a. für die Bereiche Automotive, Telekommunikation oder Gebäude- und Sicherheitstechnik.

  • Blick in die Produktion von Schaidt Innovations

  • Unternehmenssitz in Wörth in der Südpfalz

Mit der Abnabelung von der bisherigen Muttergesellschaft musste sich der mittelständische Fertigungsbetrieb Schaidt Innovations GmbH & Co. KG auch IT-seitig neu aufstellen. Hinsichtlich der Anschaffung eines neuen ERP-Systems entschied man sich für externes Hosting sowie eine auf In-Memory-Technologie basierende Datenbank. Im Gespräch erklärt Geschäftsführer Martin Haas, worauf es beim Auswahlprozess ankam und wie die ERP-Einführung en Detail ablief.

ITM: Herr Haas, wer steckt hinter Schaidt Innovations?
Martin Haas:
Ursprünglich agierte unser Unternehmen als Produktionsstandort von Becker Autoradio, an dem speziell Multimedialösungen produziert wurden. Im Rahmen der Insolvenz der Firma Becker wurden wir im Jahr 1994 von Harman International übernommen. Dabei handelt es sich um einen Mischkonzern, dem internationale Audio-Zubehör-Hersteller, HiFi-Spezialisten sowie Elektronikausstatter angehören. Nach unserer Ausgründung aus diesem Konzern operieren wir mittlerweile eigenständig und firmieren seit dem 19. April 2013 als Schaidt Innovations.

ITM: Was bedeutete diese Ausgründung für Ihre IT?
Haas:
Seitdem betreiben wir parallel zwei eigenständige SAP-Systeme – und zwar das unserer ehemaligen Muttergesellschaft sowie ein neues ERP für unser eigenes Firmenumfeld.

ITM: Worin unterscheiden sich die beiden Systeme?
Haas:
Das ERP-System von Schaidt Innovations ist moderner und hinsichtlich der Funktionalität wesentlich ausgereifter als das von Harman. Denn letzteres wurde bereits vor rund 20 Jahren installiert und über die Jahre hinweg kontinuierlich um Features erweitert, die im neuen Schaidt-ERP bereits als Standardfunktionen integriert sind.

ITM: Seit wann nutzen Sie die neue Lösung?
Haas:
Nach der Umfirmierung im April 2013 war klar, dass wir ein eigenes ERP-System installieren mussten. Nachdem wir uns die Lösungen unterschiedlicher Hersteller angesehen hatten, stellten wir deren große Ähnlichkeit mit SAP ERP fest, was wir bereits von unserer Muttergesellschaft kannten. Vor diesem Hintergrund trieben wir die Entscheidung für SAP ERP sowie dessen Implementierung auf Basis von „Rapid Deployment Best Practise“ voran. Denn direkt nach der Ausgründung war Schaidt Innovations hinsichtlich der IT-Ausstattung vollkommen „blank“. Von daher mussten wir schnell ein ERP-System installieren und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Mitarbeiter zügig damit arbeiten konnten.

ITM: Ist der Betrieb zweier ERP-Systeme nicht immens aufwendig und teuer? Und wollen Sie künftig nicht auf ein einziges System umstellen?
Haas:
Eine Umstellung ist nicht geplant, da wir für Harman ein wichtiger Dienstleister sind und deshalb auf dessen Applikationen zugreifen müssen. Wir bestellen und liefern Produkte im Namen des Konzerns und halten auch in dessen Namen verschiedene Daten bei uns vor.

Sollten die bisherigen Produktverträge mit Harman jedoch auslaufen, wird der Parallelbetrieb sein natürliches Ende finden. Dann gibt es nur noch unser eigenes ERP-System inklusive der darunterliegenden IT-Infrastruktur.

ITM: Sie haben sich für ein cloud-basiertes ERP-System entschieden, das mit der In-Memory-Technologie Hana arbeitet. Wie wichtig waren ihnen diese Merkmale?
Haas:
Als wir im März 2013 mit SAP über die ERP-Einführung sprachen, war Hana noch kein Thema. Allerdings stand für uns zu diesem Zeitpunkt bereits fest, dass wir das ERP-System extern hosten lassen wollten. Die Möglichkeit, dies in einem SAP-eigenen Rechenzentrum vorzunehmen, war jedoch damals ebenfalls noch nicht gegeben.

Einen Monat später hatten sich diese Vorzeichen komplett verändert: Denn in diesem Zeitraum fiel bei den Walldorfern die Entscheidung, aktiv Cloud-Services anzubieten. Zum Zeitpunkt unserer Auftragserteilung kam schließlich die Hana-Thematik hinzu. Im Hinblick auf unsere Zukunftsfähigkeit wollten wir sowohl mit dem neuen Bereitstellungmodell als auch der modernen Datenbank durchstarten. Denn von letzterer versprachen wir uns Vorteile wie z.B. eine bessere Performance sowie schnellere Auswertungsmöglichkeiten.

ITM: Warum erfolgte die schnelle Entscheidung zugunsten der Hana-Plattform?
Haas:
Hätten wir das ERP-System mit einer älteren Datenbankversion genutzt, müssten wir in den nächsten Jahren sicherlich auf die Hana-Plattform umsteigen. Warum sollte man auf etwas Althergebrachtes setzen, wenn man weiß, dass die neue Technologie in Zukunft zum Standard wird?

ITM: Entfallen mit dem Hostingmodell nicht auch sämtliche Investitionen in Hardware und Infrastruktur?
Haas:
Doch. Darüber hinaus wollten wir von Anfang an kein Personal bereitstellen, das die Verfügbarkeit und den SAP-Betrieb sechs Tage die Woche rund um die Uhr gewährleisten müsste. Die Walldorfer garantieren uns an dieser Stelle eine 99,5 Prozent Verfügbarkeit sowie eine 7/24-Betreuung.

ITM: Wissen Sie in welchem Rechenzentrum Ihre ERP-Daten vorgehalten werden?
Haas:
Den genauen Ort kennen wir nicht, der RZ-Standort befindet sich allerdings in Baden-Württemberg. Generell war es uns wichtig, dass es sich um einen deutschen Standort und keinen US-amerikanischen oder indischen handelt. Dabei wird das ERP-System in einer eigens für uns aufgesetzten und abgesicherten Cloud-Umgebung betrieben.

ITM: Gab es intern Diskussionen über das Cloud-Modell, etwa hinsichtlich der Themen Datenschutz und Sicherheit?
Haas:
Eigentlich nicht. Vielleicht hätten wir bei anderen Anbietern Bauchschmerzen, bei SAP hingegen fühlen wir uns sicher aufgehoben. Wir gehen davon aus, dass unsere Daten entsprechend abgesichert sind und der Datenschutz eingehalten wird.

ITM: Wie groß ist Ihre IT-Abteilung?
Haas:
Unsere Mannschaft besteht aus vier Mitarbeitern. Hinzu kommen drei bis vier Mitarbeiter, die sich speziell mit der ERP-Einführung und dem damit verbundenen Customizing beschäftigen.

ITM: An welchen Stellen nahmen Sie solche Anpassungen vor?
Haas:
Bei allen Funktionen, die einen produzierenden Betrieb wie Schaidt Innovations am Leben halten. Wir müssen beschaffen, produzieren und fakturieren sowie über eine funktionierende Finanzbuchhaltung verfügen. Letztere konnten wir innerhalb von rund vier Wochen recht zügig aufsetzen. Im Anschluss daran führten wir die ERP-Module für Beschaffung, Produktion sowie Vertrieb innerhalb von vier Monaten ein.

ITM: Wie viele Nutzer arbeiten heute mit dem System?
Haas:
Zwischen 60 und 70 Mitarbeiter.

ITM: Und wie rechnen Sie die Cloud-Services ab?
Haas:
Wir haben einen Mustervertrag abgeschlossen. Dieser sieht ein gewisses Kontingent an Nutzern vor, die im ERP-System sämtliche Tätigkeiten durchführen können. Dabei erfolgt die Abrechnung für das Hosting sowie die Lizenzen monatlich. Für die Implementierung selbst war eine Einmalzahlung fällig.

ITM: Mussten Sie das neue ERP-System mit anderen Anwendungen integrieren?
Haas:
Wir installieren gerade ein Manufacturing Execution System (MES). Dieses muss mit dem ERP-System harmonisieren, etwa damit Rückmeldungen aus der Produktion über das MES direkt im ERP-System zusammenlaufen. Dies funktioniert über eine Netweaver-Schnittstelle.

ITM: Welcher Anbieter steckt hinter der MES-Lösung
Haas:
Hierbei handelt es sich um ein von Harman eigens entwickeltes System. Zuvor haben wir lange mit dem Gedanken gespielt, das SAP-Modul ME einzuführen, was für uns jedoch – zumindest für den Moment – noch zu mächtig ist. Außerdem wollen wir künftig weitere Themen anpacken, etwa die Einführung eines Product-Lifecycle-Management-Systems (PLM).

ITM: Welche Rolle spielt Hana in der Produktion?
Haas:
Wir planen, die In-Memory-Datenbank mit unserem MES-System zu verknüpfen. Denn die Anzahl der Produktionsdaten wird sich künftig sicherlich drastisch erhöhen. Mittels In-Memory können wir die Auswertung dieser Datenmengen deutlich beschleunigen.

Über Schaidt Innovations:

Geschäftsfeld: Fertigung innovativer Produkte für die Bereiche Automotive, Telekommunikation, Informationstechnologie, Systemintegration, Gebäude- und Sicherheitstechnik, dezentrale Speichersysteme sowie Elektromobilität.
Gründung: 2013
Standort: Wörth/Südpfalz
Mitarbeiter: rund 530
www.sc-innovations.de

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