BI für die Fachbereiche

Selbstständige Analysen beim Online-Händler

Bei dem Online-Händler My Toys Group sorgt ein neues Business-Intelligence-System (BI) dafür, dass die Fachbereiche selbstständig Analysen durchführen können. Steffen Heilmann, Bereichs-leiter IT bei dem E-Commerce-Spezialisten, beschreibt im Folgenden, worauf es bei der Auswahl der BI-Lösung und deren anschließender Einführung vor allem ankam.

  • My Toys E-Commerce Handel

    Der Online-Shop für Kindermode, Spielzeug sowie Produkte rund ums Kind ist mit 17 Filialen deutschlandweit auch im stationären Handel erfolgreich vertreten.

  • My Toys Spielzeugwelt

    Europäischer Online-Händler für Famliy-Shopping

  • Steffen Heilmann, Bereichsleiter IT bei der My Toys Group

    „In der Realität mussten unsere Mitarbeiter erst zum Experten für die Tools des Dienstleisters werden, um die bestmögliche Lösung zu entwickeln.“ Steffen Heilmann, Bereichsleiter IT bei der My Toys Group

ITM: Herr Heilmann, was waren die Beweggründe von My Toys, im Unternehmen eine neue Business-Intelligence-Software einzuführen?
Steffen Heilmann:
Business Intelligence spielt bei uns seit jeher eine zentrale Rolle. Das Unternehmen hat den großen Vorteil, eine lange Historie an Daten für eine große Anzahl an Kunden nutzen zu können. Dadurch können wir sehr datengetrieben an die meisten Fragestellungen herangehen. Die existierende Lösung wurde den gestiegenen Anforderungen der Fachseite jedoch immer weniger gerecht. Insbesondere sollte die Fachseite durch die Nutzung von Self-Service-BI die Möglichkeit bekommen, Analysen selbstständiger durchführen zu können, um stärker datengetrieben entscheiden und agieren zu können.

ITM: Worauf haben Sie bei der Auswahl der neuen BI-Software das Augenmerk gelegt?
Heilmann:
Neben einer hohen Performance und effizienten Skalierungsmöglichkeiten war uns die Usability der neuen Software besonders wichtig, um das Thema Self-Service-BI schnell und unkompliziert ausrollen zu können. Die neue BI-Infrastruktur sollte es der Fachseite ermöglichen, zu jeder Zeit so einfach wie möglich auf die richtigen Informationen zugreifen zu können. Komplexe Datenstrukturen werden hierzu automatisiert auf einer Plattform zu relevanten „Insights“ verdichtet und in Echtzeit bereitgestellt.

ITM: Sie haben sich für die Nutzung der BI-Lösung von Tableau Software entschieden. Welche Funktionen waren Ihnen am wichtigsten?
Heilmann:
Im Zentrum stehen für uns jene Features, die der Fachseite eine möglichst hohe Usability und eine ebenso einfache wie effiziente Nutzung ermöglichen. Dazu gehören u.a. eine gute Visualisierung, die Möglichkeit zum Drill-Down und Selektionen per Drag and Drop. Machine Learning oder Künstliche Intelligenz (KI) spielen dabei keine Rolle, da diese Funktionalitäten nicht über Tableau abgebildet werden können. Sehr wohl haben wir im Rahmen des Projekts aber darauf geachtet, dass es eine „Single Source of Truth“, d.h. eine konsistente Datenbasis, gibt, sodass Machine Learning und KI auf die gleichen Datensätze zugreifen, wie dies auch die Fachseite tut.

ITM: Welche Herausforderungen mussten Sie im Rahmen der BI-Einführung meistern?
Heilmann:
Die Integration verschiedener Dienstleister sowie die Verknüpfung verschiedener Tools und schließlich das automatisierte Zusammenspiel dieser Lösungen war technisch und konzeptionell höchst anspruchsvoll. Aus Sicht der Dienstleister ist ein Tool in den Presales-Gesprächen häufig „kein Problem und schnell angeschlossen“ – in der Realität mussten unsere Mitarbeiter erst zum Experten für die Tools des Dienstleisters werden, um die bestmögliche Lösung zu entwickeln. Aber auch die eindeutige Definition der zentralen Geschäftskennzahlen und die Abstimmung über alle Unternehmensbereiche hinweg gestalteten sich nicht immer ganz einfach.

ITM: Wie lange dauerte die Einführung?
Heilmann:
Um den organisatorischen Rahmen für die neue BI-Infrastruktur zu schaffen, haben wir zunächst unseren Analytics-Bereich im Marketing signifikant ausgebaut. Anfang 2016 haben wir mit der Weiterentwicklung der State-of-the-art-BI-Plattform begonnen. Insgesamt haben wir für die Einführung rund 18 Monate benötigt.

ITM: Worauf kam es bei der Integration in die vorhandene IT-Systemwelt an?
Heilmann:
Zur nahtlosen Integration in das bestehende IT-System mussten in erster Linie die ETL-Strecken neu implementiert werden. Dabei handelte es sich aber eher um die Anpassung existierender Strecken. Wesentlich aufwendiger gestaltete sich die Definition der entscheidenden Daten auf Fachseite sowie der gezielte Aufbau der Transformationen.

ITM: Welche Abteilungen und wie viele Nutzer arbeiten heute mit der Software?
Heilmann:
Die neue BI-Lösung kommt abteilungsübergreifend im Marketing, Einkauf, Kundenservice und in der Logistik zum Einsatz. Außerhalb der historisch entstandenen organisatorischen Silos verfügt die Fachseite damit über einen integrativen Daten-Hub, der alle Informationen zusammenführt und sie allen beteiligten Abteilungen, Mitarbeitern und Dienstleistern gezielt zur Verfügung stellt.

ITM: Ein Blick in die Zukunft: Welche weiteren Projekte planen Sie im Bereich Datenmanagement?
Heilmann:
Für die datenbasierte Optimierung auf Einzelkundenebene verbessern wir fortlaufend unseren 360-Grad-Blick auf die Kunden, was individuell für jeden Kunden eine ganzheitliche, geräte- und kanalübergreifende Kommunikation ermöglicht. Als nächster Kanal wird „Print“ in das System integriert. Außerdem prüfen wir die Integration von Messenger-Diensten. Darüber hinaus planen wir den zeitnahen Einsatz von Machine Learning, um unsere Prognosen weiter zu verbessern und auf dieser Basis noch fundiertere Entscheidungen zu treffen.

Die My Toys Group
Branche: Handel/E-Commerce
Geschäftsfeld: Europäischer Online-Händler für Family-Shopping; zur Markenfamilie gehören die Angebote von My Toys, Limango, Mirapodo, Ambellis und Yomonda.
Hauptsitz: Berlin | Mitarbeiter: rund 1.500

Bildquelle: My Toys Group

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