Alte Server-Schränke ausrangieren?

Server-Virtualisierung im Mittelstand

Zu wenig Personal, mangelndes Know-how und begrenztes IT-Budget sind Herausforderungen, mit denen mittelständische Unternehmen zu kämpfen haben, wenn es um Betrieb, Überwachung und Wartung komplexer Server-Umgebungen geht. Kann IT-Virtualisierung Abhilfe schaffen?

Server-Schränke

Mithilfe virtueller Servern ist laut Experten eine deutlich höhere Auslastung möglich.

In den letzten Jahren zeichnete sich der weltweite Servermarkt vor allem durch Umsatzschwankungen aus. Gemäß der zuletzt veröffentlichten Auswertungen des Marktforschungsunternehmens Gartner sind im gesamten Jahr 2014, erstmals seit vielen Quartalen, die Stückzahlen von Servern und die Umsätze gewachsen – wenn auch nur leicht. So haben die Stückzahlen im vergangenen Jahr um 2,2 Prozent zugelegt, der Umsatz aber nur um 0,8 Prozent. Obwohl die ausgelieferten Einheiten ansteigen, müssen die Serverhersteller also sinkende Umsätze hinnehmen.

Während der internationale Markt dabei ist, sich zu erholen, betrachten die Serveranbieter die hiesige Situation schon länger optimistisch: „Die Nachfrage nach Servern im Mittelstand ist sehr groß. Neue Anwendungen rund um Themen wie Big Data Analytics und Private Cloud sorgen hier für einen deutlichen Nachfrageschub“, berichtet Klaus Gottschalk, HPC Systems Architect bei Lenovo. „Eine stetige Zunahme der Nachfrage nach gemanagten, dedizierten Servern“ beobachtet auch Ingmar Wopp, Geschäftsführer der 1blu Business GmbH. „Immer mehr mittelständische Firmen beschäftigen sich mit dem Thema IT-Outsourcing und erkennen die Einsparpotentiale bei gleichzeitig flexibleren und komfortableren Einsatzmöglichkeiten für ihre Unternehmensanwendungen.“

Dies widerspricht allerdings den Ergebnissen des IDC Server Tracker 2014, laut derer der deutsche Markt von einer Stagnation betroffen ist, „weil immer schnellere Prozessoren und Speichersysteme die zunehmende Last mit weniger Hardware stemmen können“, wie Roland Rosenau, Senior Director of Sales Engineering EMEA bei Sandisk, erklärt. Dass der Bedarf im Vergleich zum europäischen Raum stärker schrumpft liegt laut Experten, u. a. daran, dass im Rahmen des Virtualisierungstrends die Serverkonsolidierung eine wichtige Rolle spielt. Unternehmen sind durch Virtualisierung und Cloud Computing generell viel weniger abhängig von Hardware als früher. „Wo früher zehn hardware-basierte Serversysteme notwendig waren, reicht heute ein Serverschrank, auf dem virtuelle Systeme laufen, aus“, gibt Matthias Schorer, Head of Strategy Consulting, Vmware CEMEA, zu bedenken. „Kleine Betriebe und Start-ups verzichten teilweise gänzlich auf Server-Hardware und setzen voll auf Infrastruktur aus der Cloud“, so Schorer weiter.

Eine Befragung von rund 2.000 IT-Händlern durch den Hamburger Backup- und Restore-Experten Novastor aus dem letzten Jahr hat ergeben, dass die Mehrheit (85 Prozent) der mittelständischen Unternehmen in Deutschland derzeit noch auf heterogene IT-Umgebungen aus physischen und virtuellen Systemen setzt. Gleichzeitig bestätigen die Händler eine starke Tendenz, in größerem Umfang auf Virtualisierung im Allgemeinen und der Server im Besonderen zu setzen.

Wann lohnt sich Virtualisierung?

Virtuelle Server sorgen seit einigen Jahren für einen Umbruch in der IT-Landschaft im deutschen Mittelstand. Sie ermöglichen es, Ressourcen problemlos auszulagern und sie nach Bedarf zu nutzen. Die Vorteile – sofern das Vorhaben korrekt angegangen wird: Durch die Abtrennung der Servereinheiten von der physischen Infrastruktur lassen sich Einsparungen im Vergleich zum Eigenbetrieb erzielen und die Flexibilität steigern. „Zumal in einem kleinen oder mittelständischen Unternehmen ein eigener Serverbetrieb fast immer nur Mehraufwand und Mehrkosten bedeutet. Es sind ja nicht nur die Anschaffungs- und Betriebskosten, die hier zu Buche schlagen, sondern auch die Manpower“, argumentiert Matthias Schorer. Hinzu kommt, dass physische Server oft nur zu einem geringen Prozentsatz ausgelastet sind. Die übrigen Kapazitäten werden nicht genutzt. Mit virtuellen Servern ist eine deutlich höhere Auslastung möglich.

Am Anfang aller Virtualisierungsbemühungen im Unternehmen sollte die umfassende Inventur der bestehenden IT-Umgebung und Serverinfrastruktur stehen. Dazu müssen die Kapazitäten und Workloads berechnet werden. Es kommt darauf an, die Auslastung der alten Server zu kalkulieren und dann Prioritäten festzulegen. Denn manche Server können problemlos virtualisiert werden, andere dagegen erfordern spezielle Vorbereitungen. „Grundsätzlich eignen sich alle gängigen Servertypen, die bei mittelständischen Unternehmen im Einsatz sind, für Virtualisierung. Man sollte sich aber bewusst sein, dass virtuelle Systeme generell nicht schneller sein können als die darunter liegende physikalische Infrastruktur“, gibt Matthias Schorer zu bedenken.

Ob sich eine Investition in eine Virtualisierungslösung lohnt, hängt zumeist von der Anzahl der zu virtualisierenden Server ab. Als Faustregel gilt: Erst ab fünf Systemen lohnt sich der Einsatz einer Virtualisierungslösung. Denn nicht immer bringt eine Virtualisierungsmaßnahme nur Vorteile mit sich: Es ist grundsätzlich leichter, Probleme in einer physischen Umgebung zu isolieren und zu diagnostizieren, als in einer abstrakten virtuellen. Außerdem unterliegen viele Unternehmen dem Trugschluss, dass sich durch Virtualisierung die Lizenzkosten senken lassen. Tatsächlich ist aber oft das Gegenteil der Fall und sowohl bei Betriebssystemen als auch bei der Anwendungssoftware entstehen zusätzliche Kosten oder zumindest geänderte Lizenzbedingungen. Auch die Datensicherheit sowie die Abhängigkeit eines externen Dienstleisters können Argumente gegen eine virtuelle Serverlandschaft sein. Vielfach scheuen die IT-Beauftragten in kleinen Unternehmen aufgrund des vermeintlich hohen Aufwands und der Komplexität das Migrieren von physikalischen Servern auf virtuelle Systeme. Eine Hemmschwelle ist dabei oft, dass alle Applikationen und das Betriebssystem sowie die gesamten Netzwerkeinstellungen nahezu unverändert bleiben sollen.

Letztendlich bleibt für jeden Betrieb individuell zu entscheiden, „ob ein lokaler Serverbetrieb sinnvoll ist oder ob die benötigten Dienste aus der Cloud als gehostete Lösung oder sogar als SaaS bezogen werden könnten“, so David Schmidt, Produktmanager bei Wortmann.

Auch wenn Virtualisierungslösungen bereits in einigen Bereichen zum Einsatz kommen, wird eine zu 100 Prozent virtualisierte Infrastruktur auf absehbare Zeit keine Realität werden. Doch die Experten sind sich einig und Klaus Gottschalk bringt es auf den Punkt: „Virtualisierung hat vieles einfacher gemacht und ist nicht mehr wegzudenken.“ So könnte der Serverschrank über kurz oder lang durch Cloud-Angebote verdrängt werden. Zugunsten der Flexibilität und der Marktdynamik.

 


Server-Housing
Beim Standort ihrer IT-Infrastrukturen haben mittelständische Unternehmen die Wahl zwischen einem eigenen Rechenzentrum oder der Nutzung von IT-Ressourcen externer Dienstleister. Mittelständler, die der Public Cloud skeptisch gegenüberstehen, ziehen als Alternative häufig eine Private Cloud in Erwägung. Es gibt allerdings noch eine Alternative: Server-Housing.

Unter Server-Housing – auch Server-Homing oder Co-location genannt – versteht man das Auslagern firmeneigener Server in ein externes, speziell zu diesem Zwecke ausgestattetes Rechenzentrum. Dort erfolgt die Netzanbindung der ausgelagerten Hardware im Rahmen einer bereits vorhandenen Infrastruktur. So können Unternehmen auf ein eigenes Data Center und die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen verzichten, ohne ihre Infrastrukturen komplett aus der Hand zu geben.

Quelle: Mittelstandswiki, Resingo


Bildquelle: © Thinkstock/iStockphoto

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