Neue Studie

So digitalisiert sich der Mittelstand

Eine neue Umfrage bietet Einblicke in den Digitalisierungsstand des deutschen Mittelstands. Nahezu jedes zweite Unternehmen habe die Digitalisierung demnach in seiner Geschäftsstrategie verankert und sehe darin eine Grundvoraussetzung für den künftigen Erfolg.

Geschäftsmann mit Tablet

Für ihre digitale Transformation halten die befragten Unternehmen die digitale Kompetenz ihrer Mitarbeiter für entscheidend.

Deutsche Unternehmen arbeiten kontinuierlich und mit steigenden Ansprüchen an ihrer digitalen Transformation. Ihnen genügt nicht mehr, nur über Digitalisierung bestehende Prozesse auf Effizienz zu trimmen oder Kosten zu senken. „Immer mehr Mittelständler wollen mit digitaler Transformation neue, digitale Geschäftsmodelle umsetzen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen“, sagt Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden von Telekom Deutschland, im Vorfeld des Digital-Gipfels der Bundesregierung. Laut der dritten repräsentativen Telekom-Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand 2018“ erreichen deutsche Mittelständler 55 von 100 möglichen Indexpunkten. Das ist ein Indexpunkt mehr als im letzten Jahr.

Mehrwerte durch die Cloud

Die Studie soll zeigen, dass sich die digitale Transformation für die Unternehmen lohnt: 53 Prozent der Befragten geben an, dass Digitalisierung ihre Prozesse vereinfacht hätte (2017: 50 Prozent). 47 Prozent würden zufriedenere Kunden haben und 46 Prozent konnten angeblich ihre Service- und Produktqualität steigern. 44 Prozent (2017: 40 Prozent) würden zudem von zufriedeneren Mitarbeitern berichten. Insbesondere die Cloud zahle sich aus: 73 Prozent der Cloud-Nutzer könnten damit ihre Kosten optimieren. 67 Prozent würden leichter Ideen und Innovationen entwickeln. 66 Prozent sollen mit der Cloud ihren Umsatz erhöht haben und 77 Prozent sollen mit ihr effizientere interne Prozesse erreichen. 38 Prozent der Befragten sagen, dass in ihrem Unternehmen der Nutzen der Digitalisierung deren Kosten bereits übersteigt. Obwohl die Unternehmen Erfolge ihrer Transformationsstrategien eher mittel- bis langfristig erwarten, erreichten sie laut der Studie nach kurzer Zeit einen Return auf ihr digitales Investment (ROI).

Die Digitalisierungsstudie der Telekom soll zeigen: Wer sich digitalisiert, steigert den wirtschaftlichen Erfolg seines Unternehmens. Denn Indexwert und Umsatz würden demnach in enger Verbindung stehen. Unternehmen, die ihren Umsatz im Lauf des vergangenen Jahres deutlich steigern konnten, hätten einen Digitalisierungsindex von mindestens 59 Punkten und würden damit vier Punkte über dem Durchschnitt liegen. Unternehmen mit stark sinkendenden Umsätzen würden dagegen nur einen Index von 42 Punkten erreichen.

Digitale Kompetenz entscheidend

Für ihre digitale Transformation halten die Unternehmen die digitale Kompetenz ihrer Mitarbeiter für entscheidend. Nur gut ein Drittel glaube derzeit, dass das digitale Know-how der Beschäftigten ausreiche, um den Herausforderungen der digitalen Transformation zu begegnen. Gleichzeitig bewerten 51 Prozent aller Befragten die digitale Kompetenz künftig als genauso wichtig wie die fachlichen oder sozialen Fähigkeiten ihrer Belegschaft. Sie sehen in ihr den Schlüssel für unternehmerischen wie individuellen ökonomischen Erfolg. „Die Unternehmen wissen, dass die Digitalisierung nicht nur eine Frage der Technologie ist“, sagt Rickmann. „Ihre Beschäftigten benötigen die richtigen Fähigkeiten im Umgang mit digitaler Technologie und müssen dem digitalen Wandel grundsätzlich positiv gegenüberstehen. Fest steht: Digitale Kompetenz wird sich zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor entwickeln.“

Folgerichtig fördern 43 Prozent der befragten Unternehmen die digitale Expertise ihrer Mitarbeiter: 36 Prozent bieten interne, 23 Prozent externe Schulungen an. 67 Prozent setzen bei ihrer Belegschaft die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen voraus. Dieses Engagement fruchtet schon: Knapp die Hälfte der Unternehmen (49 Prozent) sagt, dass Mitarbeiter und Führungskräfte offen für Veränderung sind und die Transformation mittragen. Auf der Wunschliste der digitalen Kompetenzen stehen bei 70 Prozent der Befragten Kenntnisse in Sachen Datenschutz und -sicherheit ganz oben. Ebenfalls 70 Prozent finden den sicheren Umgang mit digitalen Geräten und Anwendungen entscheidend.

Digitale Unterstützungsangebote zu wenig bekannt

Bislang sind die vielfältigen digitalen Unterstützungsangebote den befragten Unternehmen zu wenig bekannt. Jeweils rund ein Viertel kennen weder die Aktivitäten der Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern noch die Infoveranstaltungen der ITK-Anbieter. Auch die regionalen Förderprogramme und -maßnahmen gehen an 25 Prozent der Unternehmen vorbei.

Finanzdienstleister (64 Punkte), Informations- und Kommunikationsunternehmen (63 Punkte), Verkehr und Logistik (61 Punkte), Energie und Wasserversorgung (61 Punkte) und die Industrie (58 Punkte) bilden laut der Studie die digitale Spitze des deutschen Mittelstands. Sie hätten schon früh Erfahrungen mit Teilbereichen der Digitalisierung wie der Automatisierung gemacht und würden auch wegen äußeren Drucks dem Wandel aufgeschlossen gegenüberstehen. Weniger stark digitalisiert seien Branchen wie Bau (51 Punkte) oder Handel (50 Punkte). Aber auch in diesen beiden Geschäftsbereichen geht es voran: Das Baugewerbe habe zwei Indexpunkte dazugewonnen, der Handel einen Punkt gutgemacht.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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